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Freitag, 29. Mai 2009

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Zertifikat

Die Verkäuferin im Süßigkeitenladen will den Absatz ankurbeln und die Konkurrenz übertrumpfen. Weil sie außerdem eine Spielernatur ist, bietet sie ihren kleinen Kunden eine Art Wette an: Wenn der Preis für eine Tafel Schokolade in den nächsten beiden Monaten immer in der Spanne zwischen 1,00 und 1,50 Euro bleibt, bekommen die Kinder zu ihrem Wetteinsatz von einem Euro einen weiteren dazu. Fällt der Preis, gibt es keinen Bonus und das eingesetzte Geld ist auch weg.

Ähnliche Wetten gibt es auch an der Börse, und zwar mit Zertifikaten.

Ein Vorteil von Zertifikaten gegenüber Aktien ist etwa, dass Anleger mit ihnen auch verdienen können, wenn an der Börse wenig passiert. Zertifikate sind Produkte für jede Lage, man muss "nur" eine klare Marktmeinung haben.

Ein Beispiel: Finanzmanager entwickeln ein Zertifikat, das drei Jahre läuft. Es orientiert sich am Dax. Wenn der Dax in der vereinbarten Laufzeit die Marke von 2100 Punkten nicht unterschreitet, dann kassiert der Anleger pro Jahr 8,5 Prozent Rendite auf sein angelegtes Geld. Fällt die Marke, entfällt der Gewinn.

"Zertifikate bieten auf jeden Fall einen Risikopuffer. Aber auch hier gilt immer: Wer mehr Rendite möchte, muss auch mehr riskieren. Das kann man zum Beispiel über Hebelzertifikate erreichen. Da kann man um ein Vielfaches von einer gewissen Kursreaktion profitieren. Aber da kann vor allem das Geld ganz schnell weg sein, nämlich wenn eine gewisse Grenze über- oder unterschritten wird", erklärt Sabrina Bauer, n-tv Börsenexpertin.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit Zertifikaten zum Beispiel auch auf Rohstoffe und Währungen setzen kann – Anlageformen also, zu denen der Kleinanleger sonst meist keinen direkten Zugang hat. In der Regel werden Zertifikate von Banken entwickelt und herausgegeben, in der Börsensprache heißt das emittiert.

Der Phantasie neuer Zertifikats-Konstrukte sind kaum Grenzen gesetzt. Manchmal sind sie aber so kompliziert, dass nicht einmal Finanzexperten auf Anhieb erklären können, wie sie funktionieren.

Ein weiteres Risiko ist, dass sie im Gegensatz zu Sparbüchern oder Aktienfonds nicht durch eine Einlagensicherung oder als Sondervermögen geschützt sind. Schmerzvoll erfahren haben dass deutsche Anleger nach der Pleite der amerikanischen Investment Bank Lehman Brothers im September 2008.

"Es muss jedem Anleger bewusst sein, dass es ein Restrisiko gibt, nämlich wenn die Bank, die das Zertifikat herausgibt, zahlungsfähig wird. Dann besteht für den Anleger das Risiko eines Totalverlusts", mahnt Sabrina Bauer.

Im Süßigkeitenladen hatten die Kinder Glück: Der Preis für Schokolade hat sich in den letzten Monaten bei 1,20 Euro eingependelt. Die Kinder bekommen ihren Wetteinsatz von 1 Euro plus einen Euro von der Verkäuferin zurück.

Von Katharina Kiecol

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