Mittwoch, 20. Mai 2009
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Nebenwert
Bei Süßigkeiten gibt es ausgemachte Individualisten: Kinder, die keine Lutscher mögen, sondern so etwas Spezielles wie salzige Seesterne. Klar ist aber auch, dass die Verkäuferin hier im Laden von Salzseesternen und anderen Spezialsüßigkeiten nicht so viel verkauft wie von den Rennern Kaugummi, Lutscher oder Gummibärchen.
Die Salzseesterne in der Börsenwelt nennt man Nebenwerte. Das Modeunternehmen Escada etwa zählt dazu. Nebenwerte gehören nicht dem Dax oder einem vergleichbaren, großen internationalen Index an. Es sind Unternehmen, die einen relativ geringen Börsenwert haben und von denen es gemeinhin auch nicht so viele Aktien gibt wie etwa von der Allianz.
Bei den Nebenwerten unterscheidet man die so genannten MidCaps, mit einem mittelhohen Börsenwert im MDax, die SmallCaps, mit einem geringen Börsenwert im SDax und die so genannten MicroCaps, Kleinstwerte, die in keinem Index vertreten sind.
Die n-tv Börsenexpertin Sabrina Bauer erklärt: "Es gibt wahnsinnig viele Nebenwerte, viel mehr als die sogenannte Bluechips. 95 Prozent der börsennotierten Aktiengesellschaften sind tatsächlich Nebenwerte. Das sind auch häufig Unternehmen, von denen man möglicherweise noch nie etwas gehört hat. Es ist auch teilweise ziemlich schwer, einen Überblick zu bekommen und sich überhaupt Informationen über diese kleinen Unternehmen zu beschaffen, denn teilweise haben die gar keine eigene Finanzkommunikation."
Es gibt Börsenkenner, die auf Nebenwerte schwören, weil sie still und heimlich immer wertvoller werden.
Ein konkretes Beispiel ist der Nebenwert Fielmann. Mit preiswerten Sehhilfen machte nicht nur Günther Fielmann ein Vermögen, sondern auch zahlreiche Aktionäre. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Aktie von 15 Euro auf mehr als 50 Euro. Das ist ein Kursgewinn von rund 350 Prozent.
Ein anderes Beispiel stellt Rheinmetall dar. An einem normalen Börsentag werden nicht Millionen, sondern nur rund 20.000 Aktien des Technologiekonzerns gehandelt. Und es gibt relativ wenige Käufer oder Verkäufer. Gerade das aber beeinflusst den Kurs stark und Anleger müssen aufpassen.
"Bei Nebenwerten müssen Anleger grundsätzlich vorsichtig sein. Es gibt viele Börsenbriefe beispielsweise auch im Internet, die sich auf Nebenwerte spezialisiert haben und teilweise kleine exotische Titel zum Kauf oder Verkauf anbieten. Im Idealfall steht dahinter ein unabhängiger Finanzexperte. Aber manche Informationsdienste sind doch weit von diesem Idealfall entfernt und empfehlen todsichere Anlagen für ewigen Wohlstand. Aber manchmal ist dann eben genau das Gegenteil der Fall. Deshalb ist da besondere Vorsicht geboten", mahnt Sabrina Bauer.
Die Verkäuferin setzt nicht nur auf Exoten wie salzige Seesterne, sondern hat natürlich vor allem das im Sortiment, was die große Masse der Kinder mag und vor allem kauft.
Von Katharina Kiecol