08.02.2012 07:55 Uhr Frankfurt 06:55 Uhr London 01:55 Uhr New York 15:55 Uhr Tokio
Suche
Profis

Montag, 18. Mai 2009

Nachricht

Leerverkauf

Franziska ist Expertin für Süßigkeitenpreise. Sie leiht sich drei teure Schokoriegel zu je 1,50 Euro aus und verkauft sie zu diesem Preis sofort an Lara weiter. Sie muss Franziska für die drei Riegel also 4,50 Euro geben. Wenig später werden die Riegel im Geschäft billiger und für einen Euro das Stück angeboten. Pech für Lara, Glück für Franziska: Die kleine Spekulantin kauft die Riegel jetzt für drei Euro und gibt sie der Ausleiherin zurück. Franziska freut sich: Sie hat bei dem Geschäft 1,50 Euro Gewinn eingestrichen. Franziska hat einen Leerverkauf gemacht und damit gewonnen.

Das ist eine Grundregel für Leerverkäufe: bei hohen Preisen nicht kaufen, sondern nur ausleihen und das Ausgeliehene zurückgeben, wenn die Preise gesunken sind. Auf diese Art verdient man umso mehr, je weiter die Preise fallen.

Solche Spekulationen gibt es an der Börse jeden Tag. Ein Investor leiht sich z.B. bei einer Bank die Aktien aus, bei denen er erwartet, dass ihr Kurs bald fallen wird. Nehmen wir an, das Paket kostet 5000 Euro. Er verkauft es sofort zu diesem Preis weiter. Drei Monate später kostet es nur noch 3000 Euro. Der Investor kauft nun die preiswerteren Aktien und gibt sie an die Bank zurück. Dabei kassiert er 2000 Euro Gewinn.

Video
Das Börsenlexikon
L wie Leerverkauf
Mediathek

"Es gibt den Himmel und es gibt die Hölle, es gibt steigende Aktien und es gibt sinkende Aktien - das liegt nun mal in der Natur der Börse. Warum also nicht auch auf sinkende Aktienkurse setzen und damit Geld verdienen? Leerverkäufe machen das möglich. Man muss nur eines beachten: Eine Aktie kann natürlich nur auf Null sinken und nicht darunter. Das heißt, das Gewinnpotential für einen Leerverkäufer ist immer begrenzt. Das Verlustpotential aber ist gigantisch", erläutert n-tv Wall-Street-Reporter Markus Koch.

Der Spekulant, der leer verkauft, kann also auch böse überrascht werden - und zwar dann, wenn die Kurse nicht wie erwartet fallen, sondern steigen. Denn dann muss er irgendwann mehr Geld für die zurückzugebenden Aktien bezahlen als er zuvor beim Leerverkauf bekommen hat.

Ein prominenter Fall war die spektakuläre Krise von LCTM. 1989 hat dieser amerikanische Hedgefonds mit Leerverkäufen fast 4 Milliarden Dollar verloren und beinahe für einen Kollaps der internationalen Kapitalmärkte gesorgt.

"Wer die Hitze nicht verträgt, der sollte lieber nicht in die Küche gehen. Die erfahrensten Investoren haben sich mit Leerverkäufen schon die Finger verbrannt. Das ist ein riskantes Geschäft, weil die Chancen begrenzt sind und das Risiko ausgesprochen hoch", betont Koch.

Franziska will es geschickter angehen und wartet auf die nächste Gelegenheit, um sich teure Naschereien auszuleihen und dann zurückzugeben, wenn der Preis runter geht.

Von Katharina Kiecol

Artikel versenden

Nachricht: Leerverkauf

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.