Freitag, 15. Mai 2009
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KGV
Im Süßigkeitenfachgeschäft gibt es alles, was Kurt und Kimon sich so vorstellen können. Da stehen die beiden schon mal eine Weile ratlos im Laden und können sich bei den vielen Angeboten nicht entscheiden. Lakritz oder Schokolade? Was ist preiswert? Und was soll es deshalb heute sein? Schön wäre es, wenn sie da eine Entscheidungshilfe hätten.
Aktionäre kennen das Problem: Der Markt ist groß, aber wie findet man ein Papier, das nicht zu teuer ist? Die Entscheidungshilfe hier ist der Blick aufs Kurs-Gewinn-Verhältnis - ein einfacher Maßstab, um Aktien zu bewerten. Beispiel Daimler: Kostet die Aktie 50 Euro und beträgt der Gewinn pro Aktie 5 Euro, dann ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10.
"Je niedriger das KGV ist, mit anderen Worten: je niedriger das Verhältnis von Kurs zu Gewinn ist, desto preiswerter erscheint diese Aktie. Aber es ist Vorsicht geboten, denn häufig bezieht sich das "G" in KGV auf den Gewinn der Vergangenheit und sagt nichts aus über den Gewinn der Zukunft", warnt n-tv Börsenkommentator Friedhelm Busch.
Niemand kann heute exakt voraussagen, wie hoch der Gewinn eines Unternehmens morgen sein wird. Und so kann die Sache mit dem KGV als Beurteilungsinstrument einer Aktie auch nach hinten losgehen. Dann nämlich, wenn der prognostizierte Gewinn geringer ausfällt als erwartet. Beträgt der Gewinn je Daimler-Aktie nicht die angenommenen 5, sondern nur 2 Euro, dann liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht bei 10, sondern bei 25. Und dann wäre die Daimler-Aktie ziemlich teuer.
"In diesen Zeiten mit starken Gewinneinbrüchen und Verlusten in den Unternehmen ist das KGV als Maßstab eigentlich völlig sinnlos", meint Busch.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist also lediglich ein Licht unter vielen, das hilft, eine Aktie einzuschätzen. Wichtig ist, dass man immer nur die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Unternehmen aus einer Branche miteinander vergleichen kann. In normalen Börsenzeiten ist bei Autowerten ein KGV von 15 okay, während in der Internetbranche KGVs von 50 üblich sind.
Das tägliche Sonderangebot der Verkäuferin hilft Kurt und Kimon oft schon weiter, eine Entscheidung zu fällen. Und manchmal folgen sie auch einfach ihrem "Bauchgefühl" für Süßigkeiten.
Von Katharina Kiecol