Mittwoch, 13. Mai 2009
Nachricht
Hexensabbat
Süßigkeiten halten nicht ewig. Täglich geht die Verkäuferin durch den Laden und kontrolliert die Produkte auf ihre Haltbarkeit, schaut aufs Verfallsdatum.
Nicht nur Süßigkeiten können schlecht werden, wenn ihr Verfallsdatum abgelaufen ist. Ähnlich sieht es bei den so genannten Termingeschäften an der Börse aus. Sie sind, wie der Name schon sagt, an feste Termine gebunden. Viermal im Jahr kommt es an den weltweit wichtigsten Börsen zum großen Verfallstag - dem dreifachen Hexensabbat. Es ist so etwas wie ein Zahltag für die Spekulanten.
Jeweils am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember hüpfen die Akteinkurse scheinbar unkontrolliert hin und her. Immer freitags zwischen 12 und 13 Uhr schlägt die Stunde der Wahrheit.
"Am Hexensabbat kommt es eigentlich zum Kräftemessen der institutionellen Investoren. Mit Futures und Optionen haben sie auf bestimmte Kursentwicklungen gewettet. Kurz vor Auslaufen dieser Kontrakte versuchen sie natürlich, die Kurse in die für sie günstige Richtung noch zu beeinflussen. Dann kommt es zu irrationalen Kursbewegungen bei Einzeltiteln, und das kann man fundamental gar nicht erklären. Deshalb sagt man am diesen Tag auch, dass die Kurse verhext sind", erklärt n-tv Börsenreporterin Sabrina Bauer.
Privatanleger sollten an diesen Tagen besser nur zuschauen und nicht handeln. Denn die Gefahr, sich die Finger zu verbrennen ist hoch. Die Kurse werden am dreifachen Hexensabbat nämlich von Großanlegern in die gewünschte Richtung gepeitscht. Beispiel: Investoren, die mit ihren Termingeschäften auf eine Kurssteigerung bei einer Aktie gesetzt haben, versuchen durch massive Käufe, genau diese Aktie nach oben zu treiben.
An einem normalen Handelstag werden an der Frankfurter Börse ungefähr 35.000 Dax-Futures gehandelt, also termingebundene Wetten auf einen bestimmten Indexstand. Beim dreifachen Hexensabbat sind es dreimal so viele, also mehr als 100.000.
"Dreifach ist der Hexensabbat deshalb, weil innerhalb weniger Stunden europaweit, also an den Börsen in London, Paris, aber auch Frankfurt, Futures und Optionen auf die EuroStock-Indizes auf den Dax aber auch auf einzelne Aktien verfallen", erläutert Bauer.
An der Börse geht es dann drunter und drüber. So wie beim Hexensabbat im Mittelalter. An diesem Tag trafen sich, so die Überlieferung, Hexen und Hexenmeister mit dem Teufel, um zu tanzen und zu feiern. Viermal im Jahr sollen die Hexen mit ihren Besen zum Hexensabbat aufgebrochen sein, um mächtig auf den Putz zu hauen.
Im Süßigkeitenladen hat alles seine Ordnung. Bis zum Verfallstag lässt die Verkäuferin ihre Produkte gar nicht erst kommen: Was nicht mehr frisch genug ist, wird schnell aussortiert.
Von Katharina Kiecol