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Dienstag, 12. Mai 2009

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Greenshoe

Die Süßigkeitenverkäuferin hat eine neue Lieferung bekommen: Lutscher. Diese Lollis sind ganz neu auf dem Markt. Die Kinder wollen sie unbedingt alle als erste probieren, aber es sind nicht für alle kleinen Kunden genug Lollis da. Darum telefoniert die Verkäuferin gleich mit dem Händler, erzählt vom Erfolg und bestellt die nächste Lieferung.

Bei Süßigkeiten klappt es problemlos, eine Nachlieferung zu bestellen. Bei Aktien ist es jedoch etwas schwieriger, Nachschub zu bekommen. Ein Unternehmen, das an die Börse will, lässt sich auf dem Weg dorthin von Banken begleiten. Die Firma gibt Aktien aus und bekommt dafür Geld, frisches Geld. Das Unternehmen und die Banken haben vorab festgelegt, wie viele Aktien über die Börse verkauft werden sollen. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, können noch Aktien nachgelegt werden. Den Nachschub nennt man Greenshoe oder Mehrzuteilungsoption.

"Der Greenshoe ist eine Möglichkeit, um bei einem Börsengang das Angebot der Aktien zu steuern. Also wenn die Nachfrage nach den Papieren beispielsweise sehr groß ist, dann kann man bei dem Emittenten noch einmal zusätzliche Papiere nachordern und die an die Investoren weitergeben", erläutert n-tv Börsenreporterin Sabrina Bauer das Prinzip.

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Infineon ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie das mit der Mehrzuteilung in der Praxis funktioniert. Ursprünglich wollte der Halbleiterhersteller aus München rund 150 Millionen Aktien auf den Markt bringen. Die Papiere waren 33-fach überzeichnet, das heißt, Infineon hätte locker auch gut 5 Milliarden Aktien verkaufen können - so begehrt war der Titel im Jahr 2000, mitten in der Börseneuphorie. Um wenigstens etwas von der unerwarteten zusätzlichen Nachfrage zu befriedigen, schob Infineon einen Greenshoe von 19 Millionen zusätzlichen Aktien nach.

"Das Volumen der Mehrzuteilungsoption ist im Vorfeld festgelegt. Es geht nur darum, ob sie ausgeübt wird oder nicht. Aber man kann das Volumen nicht noch einmal aktiv nach oben schrauben, wenn die Nachfrage der Investoren außergewöhnlich hoch ist", so Bauer.

Bis zu sechs Wochen nach einem Börsengang kann das Unternehmen neue Aktien auf den Markt bringen. Aber nicht unbegrenzt, sondern nur 10 bis 15 Prozent der ursprünglich geplanten Zahl.

Der Begriff Greenshoe, zu Deutsch "grüner Schuh", geht auf die amerikanische Firma "Green Shoe Manufacturing Company" aus Boston zurück, die 1963 als erste das Verfahren mit der Mehrzuteilungsoption angewendet hat.

Die Kinder im Laden sind zufrieden. Die Verkäuferin bekommt schnell Nachschub, einen "süßen Greenshoe" gewissermaßen. Alle haben jetzt einen neuen Superlolli und können nach Herzenslust schlecken.

Von Katharina Kiecol

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