Mittwoch, 06. Mai 2009
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CFD
Fritz ist ein cleveres Kerlchen und ein Süßmaul dazu. Er überredet die Verkäuferin im Süßigkeitenladen zu einer Wette. Fritz meint, Schokolade wird teurer. Jetzt wettet er auf diesen steigenden Preis, ohne aber die Schokolade selbst zu kaufen. Fritz setzt zehn Cent ein. Und er hat Recht: Der Preis steigt von 1,00 Euro auf 1,10 Euro. Die Differenz, das war so abgemacht, muss die Verkäuferin zahlen. Damit hat Fritz zum zurückgezahlten Einsatz von zehn Cent weitere zehn Cent gewonnen, also ein Plus von 100 Prozent gemacht.
Im Grunde genommen funktionieren auch die Differenzkontrakte so, die so genannten CFDs, was Contracts for Differences bedeutet.
Die Gewinnchance des Anlegers ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs einer Aktie, eines Indizes, von Rohstoffen, Währungen oder Anleihen. Dabei können die Kurse hoch oder ruhig auch runter gehen, entscheidend ist die Differenz. Denn der Anleger kann auf steigende und fallende Kurse setzen.
Bei CFDs geht es um Hebel mit Nebenwirkungen. Ein Beispiel: Um Aktien eines Unternehmens im Wert von 10.000 Euro zu bewegen, braucht der Anleger lediglich eine fünfprozentige Sicherheit - Margin genannt - einzuzahlen. Hier also 500 Euro. Die Wertentwicklung der Aktie wird allerdings voll mitgenommen. Steigt sie auf 10.500 Euro, verbucht der Anleger 500 Euro Gewinn, also 100 Prozent. Fällt sie auf 9500 Euro, dann sind die 500 Euro Sicherheit weg und neues Geld muss nachgeschossen werden, um weiter mit CFDs handeln zu können.
"Mit CFDs kann man auf steigende und auf sinkende Kurse setzen. Je nachdem woher der Wind am Kapitalmarkt weht, hat der Anleger also absolut höchste Flexibilität. Aber er hat auch ein ausgesprochen hohes Risiko. Darüber muss man sich im Klaren sein. Es gehört also eine eiserne Disziplin mit dazu, gute Nerven, und man muss permanent vor dem Bildschirm sitzen", meint n-tv Experte Markus Koch.
Um mit CFDs handeln zu können, braucht man eine spezielle Handelsplattform für den Computer mit Echtzeitkursen und Charts. Die bekommt man von Anbietern der CFDs. Der Handel mit CFDs ist eine Erfindung aus Großbritannien. Dort wurden die Differenzkontrakte in den 90er Jahren entwickelt. Mittlerweile handeln in Deutschland knapp 30.000 Anleger mit CFDs - Tendenz steigend.
"CFDs sind etwas für Anleger, die bewusst Risiken eingehen wollen. Wer etwas Erfahrung mit Optionsscheinen mitbringt, hat hier einen ganz klaren Vorteil. Es gibt allerdings einen großen Unterschied: CFDs sind nicht laufzeitgebunden und sie sind nicht ganz so komplex konstruiert", erläutert Koch.
Fazit: Man kann mit CFDs sehr schnell sehr viel Geld gewinnen, aber auch sehr schnell sehr viel verlieren. Des Risikos muss sich jedermann bewusst sein, der mit dem Gedanken spielt, das Geschäft mit den Differenzkontrakten einmal auszuprobieren.
Auch für Fritz hätte es anders laufen können: Wäre der Preis für die Tafel Schokolade von ein Euro auf 90 Cent gefallen, hätte die Verkäuferin die zehn Cent Differenz kassiert. Das war der andere Teil der Wette. Und damit wäre Fritz' Wetteinsatz dahin Totalverlust. Solche Spiele aber gefallen Fritz' Mutter nicht.
Von Katharina Kiecol