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Freitag, 19. September 2008

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Zinsen

Es ist ein wenig wie im Märchen: Jedes Jahr wird das Geld auf dem Konto wie von Zauberhand ein bisschen mehr. Zinsen sind eine tolle Sache - solange man sie bekommt.

"Zinsen bekomme ich, wenn ich auf Bargeld verzichte", erklärt n-tv-Börsenexperte Friedhelm Busch. "Bargeld ist was Wunderbares: Man kann davon kaufen, was man will - wenn es ausreicht - wo man will, und wann man will. Und wenn ich auf diesen Vorteil verzichte, wenn ich spare, dann bekomme ich dafür den Zins."

Auf der anderen Seite belasten die Zinsen diejenigen, die sich Geld leihen - zum Beispiel Firmen, die in Maschinen oder neue Fabriken investieren. Ob Autowerke, Keksfabriken, Windräder oder Abfüllanlagen - für die meisten Ausgaben wird auch ein Kredit aufgenommen. Je höher die Zinsen sind, desto teurer wird das. Deshalb gilt: Hohe Zinsen bremsen die Investitionen der Firmen - und damit das Wirtschaftswachstum.

Niedrige Zinsen dagegen treiben die Konjunktur an. Die Verbraucher sparen weniger und geben mehr aus. Das ist gut für die Wirtschaft - aber es hat auch eine Kehrseite: Denn wenn die Nachfrage steigt, erhöhen die Anbieter die Preise.

Wie stark, das wird im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden gemessen. Jeden Monat sammeln die Mitarbeiter 300.000 einzelne Preise, stellen einen durchschnittlichen Warenkorb zusammen und berechnen dafür die Preissteigerung, die Inflation.

Vom gleichen Geld können die Verbraucher weniger kaufen. Und das trifft auch die Sparer, wie Börsenexperte Busch erläutert: "Wer spart, der möchte ja am Ende mehr Geld zurückbekommen, als er eingezahlt hat. Die Frage ist nur, ob dieses Mehr an Geld dann auch mehr wert ist. Denn wenn die Preise stärker steigen als die Zinsen, dann hat sich das Ganze überhaupt nicht gelohnt."

Und auch für die gesamte Wirtschaft ist die Inflation schädlich. Denn sie führt zur Entwertung des Geldes.

Das Inflationsmonster zu bekämpfen, das ist deshalb die wichtigste Aufgabe der Europäischen Zentralbank, der EZB. Die Zentralbank bekämpft die Preissteigerung vor allem mit Hilfe des Leitzinses. Zu diesem Zinssatz gibt sie Kredite an die Banken. Und das beeinflusst wiederum, wie viele Zinsen Sparer bei der Bank bekommen.

Und so kann die EZB mit dem Leitzins die Wirtschaft beeinflussen: Wenn die Konjunktur schlecht läuft, dann kann sie den Leitzins senken. Dadurch gibt es mehr Investitionen, das Wirtschaftswachstum wird wieder angekurbelt. Wenn aber die Preise steigen, dann muss die EZB die Zinsen hochsetzen, damit sich die Inflation wieder abschwächt.

Ein Problem gibt es aber, wenn gleichzeitig die Wirtschaft schwächelt und die Preise steigen. Beide Probleme auf einmal kann die Zentralbank nicht bekämpfen. Die Euro-Staaten haben ihr aber einen klaren Auftrag gegeben: Im Zweifelsfall ist es das oberste Ziel der Bank, die Preise stabil zu halten.

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