Donnerstag, 18. September 2008
Nachricht
Wall Street
Die Wall Street in New York: Hier, mitten in Manhattan, liegt das Zentrum der Finanzmärkte, die Herzkammer des Kapitalismus: Die New York Stock Exchange, die wichtigste Börse der Welt.
Für Markus Koch ist die Wall Street seit Jahren Arbeitsstätte und ein Stück Zuhause. Als 20-jähriger kommt er zum ersten Mal hierher. Erst arbeitet er in einem großen Wertpapier-Handelshaus, dann bald als Journalist. Seit 1996 berichtet er für n-tv live vom Parkett. Die Wall Street fasziniert ihn bis heute.
"Grün ist gut - das pflegte Gordon Gecko in dem Film 'Wall Street' immer zu sagen: Die Farbe des Geldes. Und das macht die New Yorker Wall Street auch so wahnsinnig interessant", findet Markus Koch. "Hier geht es um das Geld - und davon ist reichlich vorhanden. An der New Yorker Aktienbörse werden an einem durchschnittlichen Handelstag bis zu 70 Milliarden Dollar in Aktien gehandelt. Und so kommt es dann auch, dass - wenn die Wall Street einen Schnupfen bekommt, auch Europa hustet."
70 Milliarden Dollar Handelsvolumen pro Tag - das bedeutet, dass jede Sekunde Aktien im Millionenwert den Besitzer wechseln.
Rückblick: New York im Jahr 1860 - aus diesem Jahr stammt das älteste Foto der Wall Street. Die Börse besteht damals schon mehr als ein halbes Jahrhundert - angefangen hat alles mit drei Anleihen und zwei Bankaktien. Der jetzige Börsensaal wird Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet. Auch ohne Computer funktioniert das Geschäft im Rekordtempo. Die große Tafel zeigt an, welche Händler gerade einen telefonischen Auftrag erhalten haben. Bis heute gibt es für jede Aktie einen bestimmten Platz im Saal, an dem sie gehandelt wird.
In den Jahren nach 1929 erlebt die New Yorker Börse den schlimmsten Einbruch ihrer Geschichte. Der Börsenkrach lässt die Kurse um fast 90 Prozent abstürzen und gilt als Auslöser der Weltwirtschaftskrise. Mehr als 70 Jahre später: eine Katastrophe ganz anderer Dimension. Nach den Anschlägen auf die USA vom 11. September 2001 liegen große Teile des Finanzviertels in Trümmern. Auch die Wall Street muss für fast eine Woche schließen.
Doch auch das ist schon Geschichte - und die New York Stock Exchange wandelt sich weiter. Im Jahr 2007 schloss sie sich mit dem europäischen Börsenverbund Euronext zusammen - zur ersten transatlantischen Börse der Welt.
"Die New York Stock Exchange - eigentlich passt der Name gar nicht mehr so richtig, denn die NYSE ist längst eine internationale Börse", erklärt Wall-Street-Experte Markus Koch. "Unter dem Dach der NYSE-Euronext befindet sich eine ganze Familie von Börsen - zum Beispiel der Aktienmarkt von Paris, die Börse in Amsterdam oder der Aktienmarkt in Portugal. Insgesamt werden an der NYSE Euronext über 4.000 Unternehmen gehandelt mit einem Marktwert von über 18 Billionen Euro. 18 Billionen Euro - das sind 18.000 Milliarden Euro."
Damit wird die New York Stock Exchange auf absehbare Zeit die Leitbörse der Welt bleiben. Die Wall Street in New York: Nirgends schlägt der Puls der Finanzwelt so heftig wie in dieser Stadt.