18.05.2012 01:10 Uhr Frankfurt 00:10 Uhr London 19:10 Uhr New York 08:10 Uhr Tokio
Suche
Einsteiger

Donnerstag, 11. September 2008

Nachricht

Parkett

Das Börsenparkett ist zum geflügelten Wort geworden. Seit jeher werden die Handelssäle mit Holzdielen ausgelegt - früher, damit die herumlaufenden Händler keine allzu schlimmen Spuren hinterließen, heute aus Tradition, wie beim Umbau des Frankfurter Handelssaals im Jahr 2007. Wirkliche Belastungsproben gibt es nur noch zu besonderen Anlässen wie Karneval.

"Ja, natürlich, Karneval gehört hier auch mit dazu. Hier sitzen ja keine mathematischen Finanzroboter, die hier nur Zahlen von rechts nach links schieben, sondern ganz normale Menschen, die genauso Spaß haben wollen und die an Karneval natürlich auch unglaublich gut drauf sind. Da wird dann weniger gehandelt als mehr gefeiert. Aber trotzdem werden die Kurse immer noch nach den Regeln festgestellt", macht Börsenhändler Dirk Müller klar.

Bis Ende der 90er Jahre wurde ein Großteil der Geschäfte auf dem Parkett abgewickelt. Erst der Computerhandel setzte der Hektik ein Ende. Doch an anderen Börsen der Welt geht es noch hektischer zu: Zum Beispiel an der New York Stock Exchange, der wichtigsten Börse der Welt. Hier gibt es sogar eine eigene Börsen-Schreinerei. Jeden Tag nach Handelsschluss ersetzen die Arbeiter abgelaufenes Parkett. Ein Zehntel des Bodens wird jedes Jahr ausgewechselt.

Doch die Zukunft des Börsenhandels gehört dem Computer. In Frankfurt laufen über das so genannte XETRA-System, eine elektronische Handelsplattform, schon mehr als 95 Prozent der Geschäfte. Das Herz dieses Rechners sind Hochleistungsserver in einem Computerraum der Deutschen Börse. Unglaublich, aber wahr: In einem Serverschrank werden an manchen Tagen über zwei Millionen Geschäfte mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro abgewickelt. Wenn dieser Mega-Computer ausfiele, dann würde fast der gesamte Börsenhandel lahm gelegt. Deshalb betreibt die Börse mehrere solcher gut gesicherter Rechner an geheimen Orten.

Gespeist wird das System durch Aufträge aus speziellen Bildschirmen. Die stehen zum Beispiel in Banken und Handelssälen. Wertpapierhändler geben hier ein, von welcher Aktie sie wie viele Exemplare zu welchem Preis kaufen oder verkaufen wollen.

Über die XETRA-Bildschirme erreichen die Aufträge den Zentralcomputer. Der vergleicht ständig die einlaufenden Kauf- und Verkaufsangebote. Wenn sie zusammenpassen, führt er die Aufträge innerhalb von Millisekunden aus.

"Das XETRA-System ist natürlich ein großer Fortschritt, da geht es sehr schnell zur Sache und sehr schnelle, große Umsätze sind dort möglich", erläutert Müller. "Aber sobald die Aufträge komplizierter werden oder wenig Liquidität im Markt ist, da wird dann wieder der Makler gefragt, der Mensch, der eingreift und auch mal Aktien kauft, wenn gerade kein anderer kaufen möchte."

Wichtig ist, dass die Geschäfte zuverlässig und schnell ausgeführt werden. Per Handzeichen funktioniert das genauso wie über die schnelle Datenleitung unter dem Eichenparkett.

Video
Sprechen Sie börsianisch?
P wie Parkett
Mediathek
Artikel versenden

Nachricht: Parkett

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.