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Mittwoch, 10. September 2008

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Neuemission

Ein Börsengang - für Vorstandschefs bedeutet das einen ereignisreichen Tag. Schon vor der Börse: Posieren für die Kameras, rein in den Handelssaal und dann das große Warten auf den ersten Kurs.

"Ja, der erste Kurs: Das ist natürlich immer was ganz besonders Spannendes. Hier wird sich zeigen, ob das Schiff, das wir zu Wasser lassen, erfolgreich sein wird. Man muss sich das wie im Hafen vorstellen: Heute ist die Wasserung. Wenn das Schiff jetzt hier untergehen würde, wäre das eine ganz schlechte Sache. Aber wenn sich jetzt die Segel blähen und der Kurs nach oben zieht und das Schiff zum Meer raus fährt, dann ist alles gut gegangen", vergleicht Börsenexperte Dirk Müller.

Die Messlatte dafür liegt dieses Mal bei 21 Euro. Zu diesem Preis hat das Unternehmen die Aktien ausgegeben. Ein Kurs, der darunter liegt, wäre eine Enttäuschung. Dann wird Börsendasein eingeläutet. Der Grund für den Gang aufs Parkett: Das Unternehmen will ins Ausland expandieren und braucht dazu frisches Kapital. Der Vorteil: Durch den Börsengang müssen keine Zinsen für einen Kredit bezahlt werden. Der Nachteil: Die Aktionäre bestimmen künftig über die Strategie mit und erwarten eine Gewinnbeteiligung - die Dividende. Ab jetzt steht das Unternehmen unter ständiger Beobachtung der Finanzmärkte, Interviews bei den führenden Wirtschaftssendern inklusive.

Und schließlich wird auch noch gefeiert: Denn der Tag des Börsengangs ist nur der Höhepunkt eines monatelangen Werbens um Investoren.

Zunächst stellt das Unternehmen alle Informationen zusammen: In einem so genannten Börsenprospekt - einer gesetzlich vorgeschriebenen Übersicht über die Geschäftslage. Damit präsentiert sich der Betrieb dann bei Banken und Anlegern. Die können bis zu einem festgelegten Tag Aktien bestellen. Je nach der Höhe dieser Angebote legt das Unternehmen den Ausgabepreis fest. So viel müssen die Investoren für eine Aktie zahlen. Erst dann findet der eigentliche Börsengang statt. Jetzt wird die Aktie frei an der Börse gehandelt. Der erste Kurs entsteht.

Besonders viele Börsengänge gab es im Jahr 2000. Selbst Minifirmen veranstalteten rauschende Börsenpartys mit schillernden Promis. Es war die Zeit der Interneteuphorie. Mancher Vorstandschef brauste sogar im Rennwagen an die Börse. Die Deutschen kauften die neuen Aktien wie verrückt.

"2000 war eine absolute Euphorie - ein völliger Wahnsinn, was da passiert ist. Jeder hat auf Aktien spekuliert, in jedem Sportverein wurde man auf Aktien angesprochen. Es gab kaum ein anderes Thema. Die Leute wussten zwar nicht, was die Firma macht, aber man hat sie gekauft. Kostolany sagte bereits: Wenn selbst der Schuhputzer anfängt, dir Aktientipps zu geben, dann ist die höchste Zeit auzusteigen", resümiert Müller.

Und der Star-Investor Kostolany hatte Recht: Die Kurse brachen ein und viele Anleger verloren eine Menge Geld. Zu den großen Verlierern gehörten auch Tausende Aktionäre der Deutschen Telekom. Erst wenige Jahre vorher war die Telekom unter Vorstandschef Ron Sommer an die Börse gegangen. Während des Booms erreichte der Aktienkurs Schwindel erregende Höhen, doch dann brach er noch drastischer ein und fiel sogar unter dem Ausgabepreis.

Viele Deutsche sind seither skeptisch, obwohl es an der Börse auch fantastische Erfolgsgeschichten gibt wie die des Software-Riesen Microsoft, der das Windows-Betriebssystem entwickelt hat. Der rasant steigende Aktienkurs machte so manchen Aktionär ziemlich wohlhabend und den Gründer Bill Gates sogar jahrelang zum reichsten Mann der Welt.

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Nachricht: Neuemission

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