Dienstag, 09. September 2008
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Manager
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Siemens-Boss Peter Löscher, Daimler-Chef Dieter Zetsche: Sie sind die Chefs der Deutschland AG, die Top-Manager der Bundesrepublik. Mit allen ihren Beteiligungen bestimmen sie über gut eine Million Beschäftigte, einen Jahresumsatz von etwa 300 Milliarden Euro und über ein gemeinsames Gehalt von geschätzten 75 Millionen Euro im Jahr 2007. Managergehälter in dieser Höhe sorgen immer wieder für Diskussionen. Vor allem, wenn die Leistung umstritten ist.
"Es wird ganz sicher Manager geben, die mehr Geld verdienen, als sie an Leistung verdient haben. Aber wenn man sich anschaut, wo die deutsche Wirtschaft steht, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass die meisten Manager auch das Geld verdient haben, was sie auch tatsächlich bekommen", vermutet der Börsenexperte Friedhelm Busch.
Tatsächlich sind die Gehälter der Top-Manager in den vergangenen Jahren explodiert: Die Vorstände der größten Firmen an der Börse haben ihre Bezüge in 20 Jahren versiebenfachen können. Geschäftsführer von Unternehmen, die nicht an der Börse sind, haben ihre Vergütung immerhin verdoppelt. Der Durchschnittslohn von Arbeitern und Angestellten ist im selben Zeitraum zwar auch gestiegen, aber um weniger als 50 Prozent.
Doch nicht nur die Gehälter, auch die Verantwortung der Vorstandschefs ist gestiegen. Siemens zum Beispiel wurde Anfang der 50er Jahre noch von den Enkeln des Firmengründers Werner von Siemens geführt. Der Konzern beschäftigte weniger als ein Viertel so viele Angestellte wie heute und produzierte nur in Deutschland.
Heute ist Siemens in 190 Ländern vertreten. Der Aktienkurs wird sekündlich berechnet, das Management an Dreimonatsberichten gemessen. Verschnaufpausen gibt es auf diesem Posten nicht mehr.
Ein Druck, der einige Manager sogar zu illegalen Praktiken getrieben hat: Siemens-Manager haben in großem Stil geschmiert. Volkswagen organisierte Lustreisen für Gewerkschafter, um diese zahm zu halten. Die Telekom hörte gezielt Journalisten ab. Und der Chef der Deutschen Post wurde vor laufenden Kameras abgeführt - Verdacht auf Steuerhinterziehung. Bilder, die das Vertrauen in die Manager in Deutschland tief erschüttern.
Doch gemessen an der Gesamtheit der Führungskräfte in der Bundesrepublik sind das Einzelfälle, denn die meisten Manager arbeiten in mittelständischen Betrieben.
"Beim Manager eines großen Unternehmens kann man überspitzt vielleicht von einem Söldner sprechen. Der ist nur interessiert am Umsatz, am Gewinn. Alles soll maximiert werden, während der Eigentümer eines Unternehmens auch noch daran interessiert ist, dass die Familientradition gewahrt bleibt", resümiert Busch.
Wie zum Beispiel bei der 100 Jahre alten Firma Piller aus Niedersachsen, einem Hersteller von Industrieventilatoren. Nils Englund ist nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Gesellschafter des Unternehmens. Er hat mehr als eine Million Euro aus seinem Privatvermögen in den Betrieb gesteckt. Das führt automatisch zu einem langfristigeren Denken und zu einer gewissen Verlässlichkeit, auch für die 250 Mitarbeiter.
Und damit ist England viel repräsentativer für Führungskräfte in Deutschland als die Bosse der großen Börsenfirmen. Auch wenn sein Geschäft sicher nicht so aufregend ist wie das in den Top-Etagen der deutschen Wirtschaft.