Dienstag, 26. August 2008
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Börse
Ananas statt Aktien, Datteln statt Devisen und Wassermelonen statt Wertpapieren - vor der Börse wird das gehandelt, was satt macht, drinnen das, was reich machen soll - oder zumindest ein bisschen wohlhabender. Doch das Prinzip ist bei Börse wie Wochenmarkt dasselbe: Gibt es wenige Erdbeeren, aber viele wollen sie kaufen, dann wird es teuer. Ist Erdbeerhochsaison - dann gibt es viele und es wird billiger.
"Eigentlich ist es an der Börse nicht anders als auf dem Wochenmarkt draußen auch. Es wird gekauft und verkauft, es wird gehandelt, Käufer und Verkäufer werden zusammengebracht. Und das ist eigentlich nichts Anderes als draußen, wenn ich mir ein paar Erdbeeren kaufe. Aber gleichzeitig hat die Börse noch eine ganz andere wichtige Funktion: Sie ist gleichzeitig Marktplatz der Informationen. So wie Aktien gehandelt werden, werden auch Informationen gehandelt: Hast du schon gehört?? Weißt du schon?? Und das ist ein nicht zu unterschätzender Teil unserer Börse", sagt der Börsenhändel Dirk Müller.
Wertpapiere kaufen kann tatsächlich jeder - aber nicht direkt im Frankfurter Handelssaal. Eine Börsenaufsicht wacht genau darüber, was an der Börse passiert. Die Händler müssen eine spezielle Prüfung absolviert haben und sich an bestimmte Regeln halten.
Ein Anleger handelt also nicht selbst, sondern gibt über seine Bank einen Auftrag an einen Börsenhändler. Ein anderer bietet zum Beispiel eine Aktie an. Passen die Angebote zusammen, dann vermitteln die Händler das Geschäft. Und so geht es nicht nur mit Aktien, sondern auch mit anderen Wertpapieren oder Rohstoffen. Und mittlerweile werden die Händler immer stärker durch Großcomputer, so genannte elektronische Handelssysteme, ersetzt.
An Börsen wird im Prinzip alles gehandelt, zum Beispiel auch Tabak: die Tabakbörse und die Baumwollbörse in Bremen sind zwei von über zwanzig traditionellen Warenbörsen in Deutschland und ähneln noch am ehesten dem Wochenmarkt.
Am bekanntesten und wichtigsten sind aber Wertpapierbörsen, wie die Deutsche Börse in Frankfurt. Solche Börsen gibt es seit gut 500 Jahren. Die erste Börse in Deutschland entstand im Jahr 1540 in Augsburg - vorangetrieben durch die Handelsfamilie der Fugger. Einen großen Aufschwung erlebten die Börsen im 19. Jahrhundert, als Eisenbahngesellschaften und die junge Industrie Geld benötigten und Aktien ausgaben. Die Frankfurter Börse wurde bald zum wichtigsten Handelsplatz in Deutschland. Lange ging es hier hektisch zu. Mit dem Computer kam aber dann auch die Ruhe - elektronische Handelssysteme vermitteln inzwischen über 95 Prozent der Geschäfte. Die Börsenhändler sehen aber trotzdem eine Zukunft für ihren Beruf.
"Der Parketthandel hat eine große Rolle. Und vor allem der Mensch hat eine sehr, sehr große Rolle. Er hat die schwierigeren Fälle zu bearbeiten, er hat die Anleger zu schützen und auch die Liquidität bereitzustellen in Werten, in denen nicht so viel umgeht", so Müller. Das heißt: Die Händler springen immer wieder mal mit ihrem Geld ein, wenn Anleger keinen Geschäftspartner finden.
Ob Computer oder Händler, das Volumen des Börsenhandels nimmt zu. Weltweit werden jeden Tag Geschäfte für etwa zwei Billionen US Dollar abgeschlossen. Zwei Billionen - das ist eine Zwei mit zwölf Nullen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Börsen heutzutage ein entscheidender Faktor für die Weltwirtschaft sind. Auch, wenn sie im Prinzip nur so funktionieren, wie ein ganz normaler Wochenmarkt.