Freitag, 22. August 2008
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Aktie
Deutschland im Jahr 1871. Die Industrie boomt. Quer durchs Land werden Eisenbahnschienen verlegt. Die Wirtschaft verlangt nach Stahl. In Dortmund wird die Aktiengesellschaft der Eisen- und Stahlwerke Hoesch gegründet - eine der Vorläuferinnen von ThyssenKrupp.
Überall in Deutschland schießen in dieser Zeit Aktienunternehmen aus dem Boden wie noch nie zuvor - die Industriepioniere brauchen Geld für ihre Anlagen und beschaffen es sich an der Börse - und das ist auch heute noch immer der Hauptgrund für Firmen, Aktien auszugeben.
"Das Unternehmen hat eine tolle Geschäftsidee, aber kein Kapital. Andere haben Kapital, aber keine Ideen. Die bringen wir zusammen, und dann haben wir eine Aktiengesellschaft", erklärt der Börsenhändler Dirk Müller.
Das Prinzip dabei ist einfach: Anleger geben dem Unternehmen Geld und bekommen im Gegenzug eine Aktie, also einen Anteilsschein an der Firma. Einmal im Jahr schüttet der Betrieb eine Dividende an jeden Aktieninhaber aus, das ist praktisch sein Anteil am Unternehmensgewinn. Außerdem erhalten die Aktionäre ein Stimmrecht für Entscheidungen über die Strategie des Unternehmens.
Ein weiteres Beispiel für eine Aktiengesellschaft: Deutschlands größter Autobauer VW. Der Konzern, der den legendären VW Käfer produzierte, war bis 1960 in staatlicher Hand. Dann wandelte ihn die Regierung in eine Aktiengesellschaft um, seitdem kann sich jeder an VW beteiligen. Und zwar auf zwei verschiedene Arten. Denn Volkswagen hat Stammaktien und Vorzugsaktien ausgegeben.
Die Stammaktie ist die Urform der Aktie. Mit ihr erwirbt der Anteilseigner ein Stimmrecht bei der Hauptversammlung und kann so über den Kurs des Unternehmens mitbestimmen. Der Käufer einer Vorzugsaktie erwirbt dagegen gewisse Vorrechte, meistens heißt das: eine höhere Dividende. Diese Aktien sind aber stimmrechtslos - das heißt, der Aktionär hat auf der Hauptversammlung nichts zu sagen.
"Die Vorzugsaktien haben den Vorteil, dass sie eine höhere Dividende zahlen - aber dafür darf man nicht mitbestimmen", erklärt Börsenhändler Müller. "Und manchmal ist die Stammaktie interessant. Nämlich dann, wenn ein Unternehmen übernommen wird. Dann braucht jemand diese Stammaktien, damit er entscheiden kann, was passiert. Und dann steigen die auch höher im Kurs."
Früher gab es alle Aktien tatsächlich in physischer Form - daher auch die Bezeichnung "Wertpapier". Solche Urkunden gibt es immer noch, wie diesen Anteilsschein am Chemiekonzern BASF. Viele dieser Aktien sind wie Banknoten gegen Fälschungen gesichert, zum Beispiel mit fluoreszierenden Mustern wie diese Aktie der Beate Uhse AG. Solche Papiere lagern Anleger zum Beispiel in den Tresorräumen ihrer Banken.
Die Deutsche Börse in Frankfurt ist übrigens selbst eine Aktiengesellschaft. Von ihr gibt es allerdings keine Anteilsscheine aus Papier, sondern nur eine symbolische Aktie, die so genannte Globalurkunde - und so ist es mittlerweile bei fast allen Börsenunternehmen. Die Anteile an solchen Firmen werden von den Banken nur noch virtuell auf Depotkonten hin- und hergebucht. Papieraktien braucht es dazu nicht mehr. Seit der Zeit der Börsenpioniere hat sich Einiges geändert.