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Vom Drückerkönig zum Investor: Wohin Maschmeyers Millionen fließen

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Das ist Carsten Maschmeyer, wie ihn die Öffentlichkeit kennt: ein erfolgreicher Finanzunternehmer, der sich gern mit Politikern, Schauspielern und Prominenten umgibt. (Foto: picture alliance / dpa)

Das ist Carsten Maschmeyer, wie ihn die Öffentlichkeit kennt: ein erfolgreicher Finanzunternehmer, der sich gern mit Politikern, Schauspielern und Prominenten umgibt.

Das ist Carsten Maschmeyer, wie ihn die Öffentlichkeit kennt: ein erfolgreicher Finanzunternehmer, der sich gern mit Politikern, Schauspielern und Prominenten umgibt.

Ein Mann, der sein feinmaschiges Kontaktnetzwerk zu den Mächtigen und Einflussreichen mit Gefälligkeiten, Anzeigen und gemeinsamen Urlauben pflegt. Die Nähe zu Politikern bringt ihm viel Kritik ein - und kostet seine Freunde auch schon mal den Job.

In den Medien taucht Carsten Maschmeyer vor allem wegen seiner Beziehung zur Münchner Schauspielerin Veronica Ferres auf, vornehmlich in den Klatschspalten.

Doch in der Finanzwelt ist Maschmeyer vor allem als Gründer des Finanzvertriebs AWD bekannt. Abgeschaut hat er sich das Verkaufen von Finanzprodukten schon in den 80er Jahren beim Finanzvertrieb OVB. Dort steigt Maschmeyer, ein begnadeter Verkäufer, schnell auf.

1988 gründet er den AWD. Mit dem Verkauf von Versicherungen und allerlei anderen Finanzprodukten macht Maschmeyer ein Millionenvermögen und bringt AWD gerade noch rechtzeitig vor dem Crash im Jahr 2000 an die Börse.

Seit seinem Ausstieg bei AWD hat Maschmeyer eine neue Beschäftigung gefunden, von der die Öffentlichkeit bisher kaum Notiz nimmt: Der gebürtige Bremer ist zum Investor geworden.

Mit den Millionen, die er bei AWD gemacht hat, geht Maschmeyer überall in Deutschland auf Einkaufstour. Als Investor beweist der Multimillionär bislang ein ebenso glückliches Händchen wie beim Aufbau seines Finanzvertriebs.

Sein Vermögen hat Maschmeyer aber nicht nur mit harter Arbeit, sondern fragwürdigen Methoden erworben. Tausende Anleger überziehen AWD mit Schadenersatzklagen.

Sie fühlen sich mit riskanten geschlossenen Fonds und Aktien betrogen, die Maschmeyers AWD mit teils rabiaten Methoden verkaufte. In Österreich ermittelt deswegen die Staatsanwaltschaft.

AWD hat bis heute unter dieser zweifelhaften Vergangenheit zu leiden: 2011 brach der Gewinn von rund 49 Millionen auf nur 7 Millionen Euro ein - AWD musste 47 Millionen Euro für Prozesse zurücklegen. Ansonsten hätte der Gewinn bei 54 Millionen Euro gelegen.

Maschmeyer kann diese Probleme allerdings souverän weglächeln: Sein Vermögen können die Kläger nicht mehr angreifen - nur seinen guten Ruf.

Denn der frühere Medizinstudent und Leichtathlet hat AWD bereits 2008 an den Versicherer Swiss Life für knapp 1,9 Milliarden Franken verkauft. Geschätzte 600 Millionen Euro brachte Maschmeyer der Ausstieg aus seinem Lebenswerk ein.

Einen Teil davon reinvestierte er bei den Schweizern. Dort schied er im Dezember 2011 als Verwaltungsrat aus und verkaufte einen Teil seiner Swiss-Life-Aktien für fast 65 Millionen Franken (54 Millionen Euro).

Seitdem sucht Maschmeyer für seine Millionen nun neue Anlagemöglichkeiten. "Paladin" heißt eines von Maschmeyers Investmentvehikeln standesgemäß.

Über die Firma stieg Maschmeyer mit rund fünf Prozent bei den Marseille-Kliniken ein. Die Aktie des Altenheimbetreibers war auf rund zwei Euro abgestürzt. Inzwischen steht sie bei gut drei Euro – ein sattes Plus von 50 Prozent.

Davor hatte Maschmeyer bereits Anteile an den Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa) erworben. Im März 2012 vergrößerte er sein Aktienpaket auf über 33 Prozent und stieg damit zum Großaktionär des Unternehmens aus Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) auf.

Der Einstieg des glanzvollen Starinvestors befeuerte den Kurs des Drahteselherstellers, der Fahrräder vor allem an Bau- und Discountmärkte, auch an die Billigkette Aldi, liefert.

Nach Maschmeyers Zukauf machten die Papiere einen Sprung von rund sechs Prozent. Maschmeyers Aktienpaket ist damit rund 22 Millionen Euro wert.

Maschmeyers jüngster Coup: Im Zuge einer Kapitalerhöhung stieg er beim Leverkusener Biotech-Unternehmen Biofrontera ein. Über seine Investmentfirma Alstin kaufte er Anteile und hält künftig 12,5 Prozent an Biofrontera.

Maschmeyer setzt auf den Erfolg von Biofronteras Medikament Ameluz, das gegen eine Vorstufe des weißen Hautkrebs helfen soll. Die Arznei wurde im Dezember 2011 in Europa zugelassen und ist in Deutschland seit Anfang Februar 2012 auf dem Markt.

Seine Beteiligung am Elektronikzulieferer AEG Power Systems verkaufte Maschmeyer schon nach rund zwei Monaten wieder mit Gewinn. Auch Unternehmensberater Roland Berger und Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff machten durch den Verkauf satte Gewinne.

Maschmeyer war bei 4,10 Euro pro Aktie eingestiegen, hatte seine Anteile Ende Januar auf mehr als fünf Prozent aufgestockt – dann schlug er die Reste des einst stolzen AEG-Konzerns für 4,35 Euro je Aktie an den Finanzinvestor Nordic Capital los. Auch mit diesem Investment machte Maschmeyer also knapp sechs Prozent Rendite.

Einzig bei einem seiner ersten Investments hatte Maschmeyer kein ganz so goldenes Näschen. Etwas mehr als fünf Prozent hatte der Multimillionär an der Beteiligungsgesellschaft GCI Management AG (heute GCI Industrie AG) übernommen. Trotzdem drehten die Papiere am Tag seines Einstiegs um fast vier Prozent ins Minus.

Doch mit seinem Vermögen verfolgt Maschmeyer nicht nur kurzfristige Investitionsziele. Schon 2010 hat er mit dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup die Maschmeyer Rürup AG gegründet, um Banken zu den Themen Altersvorsorge und Versicherungen zu beraten.

Pikant daran: Als Regierungsberater war Rürup Erfinder der privaten Altersvorsorge - von deren Einführung und staatlicher Subventionierung Finanzvertriebe wie Maschmeyers AWD massiv profitierten. Nun machen der Drückerkönig und der Rentenpapst gemeinsame Geschäfte.

Auch mit Florian Holsboer, dem Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, tat sich Maschmeyer zusammen und gründete 2010 das Biotech-Unternehmen Holsboer Maschmeyer Neurochemie (HMNC). HMNC forscht an Medikamenten gegen Depression.

Holsboer gilt als einer der bekanntesten Psychiater weltweit: Er behandelte unter anderem Fußballstar Sebastian Deisler wegen Depressionen.

Holsboer und Maschmeyer zusammengebracht hat seine Lebensgefährtin Veronica Ferres, eine langjährige Bekannte des Psychiaters. Wie in der Politik weiß Multimillionär Maschmeyer auch bei seinen Investitionen seine Kontakte offenbar zu nutzen.

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