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Wir schaukeln uns hoch: Wer schaukelt mit?

 
Wir schaukeln uns hoch: Wer schaukelt mit?

Die deutsche Wirtschaft hat 2009 einen historischen Einbruch erlitten. Das BIP schrumpfte mit 5,0 Prozent so stark wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.

Die Rezession wird noch lange nachwirken. Ob Staatsfinanzen, Arbeitsmarkt oder Firmenpleiten - das Schlimmste steht uns noch bevor.

2010 drohen eine halbe Million Arbeitslose mehr und eine Staatsverschuldung in Rekordhöhe. Regierung und Experten halten die Krise nicht für überwunden. Deshalb fällt die Wachstumsprognose aus Berlin mit 1,4 Prozent auch vorsichtig aus.

Auch wenn die Aussichten für dieses Jahr besser sind. Nicht alle Branchen werden gleichermaßen an diesem Aufschwung teilhaben. Im Folgenden eine Übersicht, wer sich auf dem aufsteigenden und wer sich immer noch auf dem absteigenden Ast befindet:

INDUSTRIE: Das Kernstück der deutschen Wirtschaft musste heftige Einbußen hinnehmen.

Vor allem beim Maschinenbau ging es nach unten. Zeitweise summierte sich der Auftragsrückgang auf mehr als ein Drittel, verglichen mit dem Vorjahr, die Wertschöpfung des gesamten Verarbeitenden Gewerbes sank im Gesamtjahr um fast 17 Prozent.

Inzwischen hat sich die Lage in der Industrie etwas beruhigt, seit März 2009 steigt der Auftragseingang wieder an.

Ungefähr ein Viertel der Verluste sei bereits wieder aufgeholt, in manchen Branchen sei es auch ein Drittel, sagen Experten. Die Chancen seien gut, dass die Erholung dieses Jahr weitergehe, allerdings nicht mehr in dem Tempo wie zur Jahresmitte 2009.

Bis Ende 2010 könne ungefähr die Hälfte des Einbruchs wettgemacht werden. Bis die Industrie aber wieder das Vorkrisenniveau erreicht, dauere es mindestens bis 2012.

EXPORTEURE: Minus 14,7 Prozent - so groß war der Einsturz der erfolgsverwöhnten Exporteure noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Kollaps des Welthandels hat besonders im Winterhalbjahr 2008/2009 die Firmen hart getroffen.

Seitdem hat sich die Lage aber schrittweise erholt. Für 2010 erwartet der Branchenverband BGA wieder einen Zuwachs von 7,5 bis knapp zehn Prozent.

Der Außenhandel könne in diesem Jahr einen Prozentpunkt zum Wachstum beisteuern, sagt Verbandspräsident Anton Börner. "Wir haben in Deutschland eine sehr starke Position."

Vor allem in den Schwellenländern, allen voran China, sind Güter "Made in Germany" gefragt, die Nachfrage dürfte stark bleiben.

In den Industrieländern sind dagegen die Aussichten nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete unsicherer.

AUTO: Die deutsche Autoindustrie stellt sich auf ein schwieriges Jahr 2010 ein.

In Deutschland steht nach dem Absatzfeuerwerk durch die Abwrackprämie ein drastischer Einbruch bevor, statt mehr als 3,8 Mio. Neuwagen wie 2009 sollen nur noch 2,75 bis 3,0 Mio. verkauft werden.

Auch der Weltmarkt wird trotz einer leichten Erholung nicht das Vorkrisen-Niveau erreichen. Allerdings sind die Aussichten nicht mehr so düster wie vor einem Jahr.

Dies ist vor allem mit Hoffnungen auf den konjunkturellen Aufschwung in wichtigen Märkten wie China, Brasilien oder Indien verbunden.

2010 sollen die deutschen Autoausfuhren nach Schätzungen des Branchenverbands VDA wieder um etwa drei Prozent zulegen.

Insgesamt werde die Inlandsproduktion in der deutschen Schlüsselindustrie, die 726.000 Mitarbeiter beschäftigt, nochmals moderat nachgeben nach einem Minus von elf Prozent im Jahr 2009.

STAHL: Mit einem drastischen Rückgang der Rohstahlproduktion um 30 Prozent auf voraussichtlich 32 Mio. Tonnen wird 2009 als Krisenjahr in die Geschichte der deutschen Stahlindustrie eingehen.

Nach einem Tiefpunkt zur Jahresmitte sieht die Branche zum Jahreswechsel bereits wieder Anzeichen einer einsetzenden Erholung - ihr Ausmaß hängt jedoch direkt von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab.

Im Laufe des Jahres 2009 war der Stahlabsatz im Geschäft mit wichtigen Abnehmern wie der Automobilindustrie eingebrochen.

BAU: Das milliardenschwere Konjunkturprogramm der Bundesregierung konnte einen Umsatzeinbruch bei den Baufirmen zwar nicht verhindern.

Das Minus bei den Bauinvestitionen fiel aber 2009 mit 0,7 Prozent vergleichsweise gering aus.

In diesem Jahr rechnen die Firmen mit einem weiteren kleinen Umsatzminus. Das Zusatzgeschäft im öffentlichen Bau und die Stabilisierung im Wohnungsbau schwächen dabei den Rückgang im gewerblichen Bau ab.

Der Industrieverband HDB sagt für 2010 einen Einbruch beim gewerblichen Bau von zwölf Prozent voraus. "Wir fürchten, dass die eine oder andere Kommune angesichts der desaströsen Finanzlage das Geld für die Investitionen an anderer Stelle einspart ...

... und der öffentliche Bau nicht so stark zulegt wie erhofft", schränkt allerdings Unicredit-Experte Koch ein.

Mit dem Auslaufen der Konjunkturpakete könnte 2011 zum eigentlichen Krisenjahr der Branche werden, warnt die Bauindustrie.

EINZELHANDEL: Die Einzelhändler sind die Verlierer der Wirtschaftskrise. Zwar legte der private Konsum 2009 um 0,4 Prozent zu, dies aber in erster Linie dank der Abwrackprämie.

Der Einzelhandel setzte dagegen 2,5 bis 2,7 Prozent weniger um als vor Jahresfrist, das ist das größte Minus seit sieben Jahren.

Und auch im laufenden Jahr dürfte es weiter nach unten gehen, zunehmend dürfte sich hier die steigende Arbeitslosigkeit bemerkbar machen.

"2010 wird ein schwieriges Jahr für uns", sagt die Sprecherin des Branchenverbandes HDE.

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