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Großprojekt Kleinwagen: VW rollt den "Up" aus der Halle

 
Großprojekt Kleinwagen: VW rollt den "Up" aus der Halle

In den Türmen der Autostadt bei Wolfsburg bahnen sich automobile Eifersuchtsszenen an.

VW-Chef Martin Winterkorn schickt ein neues Modell in den Verkauf: "Polo", "Beetle" und "Golf" bekommen Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Gespannt wartet die Fachwelt auf neue Details.

Schließlich hat VW Großes vor: Der "Up!", wie er offiziell mit Ausrufezeichen heißt, soll dem Wolfsburger Weltkonzern einen festen Platz in der Liga der Klein- und Kleinstwagen erobern.

"Der Wagen wird unser neues Einstiegsmodell", heißt es bei VW. Er erweitert die Produktpalette nach unten und zieht damit reichlich Aufmerksamkeit auf sich.

Selbst an der Börse horchen die Analysten auf: VW wagt mit dem dreitürigen Viersitzer einen neuen Vorstoß in ein vielversprechendes Segment.

Wird der "Up" der "Käfer des 21. Jahrhunderts"? Kann VW vielleicht sogar an die legendären Verkaufserfolge des berühmtesten Volkswagens heranreichen?

Im Vorfeld der anstehenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) gilt das kleine Fahrzeug jedenfalls schon jetzt als die wichtigste Volkswagen-Neuheit. Die IAA findet alle zwei Jahre in Frankfurt statt und startet diesmal am 15. September.

Die Branche befindet sich im Umbruch: Nach der schweren Absatzkrise der vergangenen Jahre suchen Autobauer nach neuen Strategien. Spritsparende Kleinwagenkonzepte werden weltweit als große Hoffnungsträger gehandelt.

Bereits 2007 konnte Winterkorn auf der IAA mit ersten Ideen zum Bau eines leichten City-Flitzers reichlich Branchenstaub aufwirbeln.

In einer schneeweißen Konzeptstudie präsentierte er sich damals den Fotografen.

Vier Jahre später ist der "Up" bereit für den Verkaufsstart.

Zunächst von Europa aus soll der "Up" die Klasse der Mini-Kompaktautos aufmischen.

In diesem Segment tummeln sich bislang vor allem die Konkurrenz aus Japan und Südkorea - und der heimische Wettbewerber Daimler mit seinem mittlerweile fest etablierten "Smart".

Der Neue aus Wolfsburg ist gerade einmal 164 Zentimeter breit - schmal genug für enge Großstadtparkplätze, aber gut acht Zentimeter breiter als der "Smart Fortwo".

Von der Frontpartie bis zum Heck misst der der "Up" 354 Zentimeter. "Volkswagen hat die Welt der kleinen Wagen neu vermessen", verkündet der Hersteller.

Von der Straße bis zum Dach sind es 148 Zentimeter. Mit einem vergleichsweise langen Radstand und dem weit vorn angeordneten Motor verspricht VW eine ungewöhnlich gute Raumausnutzung.

Bis zum Jahresende soll der "kleine Riese" (O-Ton VW) bei den Händlern stehen.

Dort soll er als Kleinstwagen neben dem größeren "Polo" und dem noch größeren "Golf" neue Kunden überzeugen.

VW bietet ihn als "Spezialisten für den urbanen Alltag" an.

Tatsächlich könnte der "Up" eine Lücke füllen: Als kompakter Zweitwagen für Familien ...

... als günstige Lösung für Gelegenheitsfahrer ...

... als spritsparendes Massenvehikel für schnell wachsende Großstädte ...

... oder als wetterfester Einkaufswagen für die Kurzstrecke oder den Besuch im Nachbarort.

Die Ziele sind sehr hochgesteckt: VW will "Menschen mit den unterschiedlichsten Geburtsdaten und Mobilitätswünschen erreichen".

Im Inneren bietet der "Up" Platz für Fahrer, Beifahrer und zwei Passagiere.

Getüftelt haben die VW-Ingenieure unter anderem am Anstieg: Eine "optimierte Easy-Entry-Funktion" soll den Einstieg auf die Rückbank erleichtern.

Der Kofferraum hat ein Volumen von 251 Litern. Für einen Wagen dieser Außenmaße erscheint das beinahe großzügig.

Für Großeinkäufer und Urlauber interessant: Die Rücksitzlehne lässt sich komplett umlegen. Dadurch erhöht sich der Stauraum auf 951 Liter.

Neue Maßstäbe will VW-Chef Winterkorn mit dem rund 900 Kilogramm schweren Kleinstwagen-Modell allerdings auch beim Spritsparen setzen.

Der Durchschnittsverbrauch liegt nach Herstellerangaben für den 60 PS starken Dreizyliner-Benziner bei 4,2 Liter auf 100 Kilometer. Selbst die etwas stärker Variante mit 75 PS soll auf gleicher Strecke nur 0,1 Liter mehr schlucken.

Beide 1,0-Liter-Motoren unterschreiten die Emissionsgrenze von 100 Gramm Kohlendioxid je Kilometer.

Ein 68-PS-starker "Up" mit Erdgasmotor soll folgen. Sein Durchschnittsverbrauch von 3,2 Kilogramm Gas auf 100 Kilometer entspräche dann einem CO2-Wert von 86 Gramm je Kilometer, heißt es.

Fest eingeplant ist außerdem ein "Up" mit Elektroantrieb. Er soll die Auswahl ab Jahr 2013 erweitern. Bis dahin dürften dann auch genügend Stromtankstellen in den Städten bereitstehen.

Auf den Markt kommt der "Up" zuerst in Europa. Je nach Geldbeutel oder Einsatzzweck können Kunden zwischen drei Varianten wählen.

Die Version "Take Up" richtet sich laut Mitteilung an "Einsteiger". (Im Bild: Rasmus Jönsson, Neuzugang beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg).

Die Version "Move Up" zielt mit zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen auf die Wünsche von "komfortorientierten" Kunden.

"High Up" nennt sich die Topversion: Direkt zur Markteinführung kündigt VW auf dieser Basis zwei "weiter veredelte, eigenständige Modelle" an: den "Up Black" und den "Up White".

Klein- und Kleinstwagen sind für VW ein wichtiges Wachstumsfeld. Hier versucht Europas größter Autobauer schon länger Fuß zu fassen.

Damit liegt VW eigentlich voll im Trend.

Mit einem Drei-Liter-Sparmodell des "Lupo" erregt der Konzern schon 1999 Aufsehen.

Die Nachfrage bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. War die Welt noch nicht bereit? Oder lag es am Design?

Auch mit dem "Lupo"-Nachfolger "Fox" erreicht VW nicht den erhofften großen Durchbruch zu neuen Käuferschichten.

Der in Brasilien produzierte "Fox" wird in Europa nicht mehr verkauft.

Der "Up" sei nicht als direkter Nachfolger des "Fox" (im Bildhintergrund) zu verstehen, heißt es vorsorglich aus Wolfsburg.

Beim "Up" schlägt VW neue Wege ein: Anders als der "Fox" kommt er aus Europa. Er wird am VW-Standort im slowakischen Bratislava montiert.

Winterkorn setzt auf ein Auto für Kunden, die sich keinen großen Wagen leisten können - oder die einfach nicht allzu viel für ihre Mobilitätsbedürfnisse ausgeben wollen. "Der Up ist ein kleines Auto mit großem Potenzial", glaubt der VW-Chef.

Bis ins Detail versucht sich der Wagen an die Ansprüche neuer Käufergruppen anzupassen. (Im Bild ein Prototyp aus der Studie "Up Lite".)

Das gilt auch für den Preis: ...

... Die Basisversion soll inoffiziellen Angaben unter 10.000 Euro liegen.

Mit einem niedrigen Einstiegspreis und einem speziellen Kreditangebot für "Up"-Käufer will VW den Kleinwagen für die breite Masse erschwinglich machen.

Die Verkaufsabteilung des Konzerns jubelt: "Wenn man so will, demokratisiert der 'Up' - wie einst der Käfer in den 50er Jahren - erneut das Autofahren!"

(Text: Martin Morcinek / Quellen: dpa, rts, Herstellerangaben)

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