Kommunal-Crash in den USA: Stockton in Kalifornien ist pleite
Es steht schlecht um Stockton.
Es steht schlecht um Stockton.
Die Behörden der rund 140 Kilometer östlich von San Francisco liegenden Gemeinde müssen vor Gericht Gläubigerschutz beantragen.
Die hochverschuldete kalifornische Stadt erklärt sich für zahlungsunfähig.
Der Fall ist spektakulär und von historischen Ausmaßen.
Mit ihren fast 300.000 Einwohnern ist Stockton die größte US-amerikanische Stadt, die jemals Insolvenz anmelden musste.
Zuvor waren alle Versuche gescheitert, sich mit den Gläubigern zu einigen.
Allein für dieses Jahr sieht die Stadtverwaltung ein Defizit von 26 Mio. Dollar (20,8 Mio. Euro) voraus.
Ein Großteil des Jahresbudgets in Höhe von 521 Mio. Dollar ist jedoch zweckgebunden und darf somit nicht zur Deckung des Defizits eingesetzt werden.
Wie viele andere US-amerikanische Städte auch ist Stockton 2008 Opfer der US-Immobilienkrise geworden.
Zuvor hatte die Stadt einen wahren Bauboom erlebt.
Die einst landwirtschaftlich geprägte Stadt verwandelt sich in eine Schlafsiedlung für Topverdiener mit Büros im Silicon Valley und der San Francisco Bay.
Ein neues Rathaus, eine Mehrzweckarena und ein Baseball-Park entstehen.
Nach dem großen Krach weist die Stadt die zweithöchste Pfändungsrate auf.
Gleichzeitig nimmt die Kriminalität zu.
Heute liegt Stockton hinter Oakland auf Platz zwei der gewalttätigsten Städte in Kalifornien.
Der Sparzwang führt zu einschneidenden Maßnahmen: Die Polizei wird um ein Viertel reduziert, die Zahl der Feuerwehrleute sinkt um ein Viertel.
Wer noch kann, zieht weg.
Der Niedergang bleibt nicht unbemerkt.
Das US-Magazin "Forbes" kürt Stockton zur "elendsten Stadt der USA".
In Konkurs zu gehen, sei "die schwierigste und herzzereißendste Entscheidung" gewesen, erklärt Bürgermeisterin Ann Johnston.
Schon in den vergangenen drei Jahren hatte die Stadt die Gehälter ihrer Angestellten sowie die Pensionen kürzen müssen, um insgesamt 90 Mio. Dollar einzusparen.
Die Arbeitslosenquote steigt von 10 Prozent im Jahr 2007 auf aktuell 17,5 Prozent.
Der Notfallplan im Rahmen des Konkursverfahrens sieht neben der Stundung von Schulden weitere Gehaltskürzungen für Beamte vor.
Darüber hinaus wird die Stadt keine Beiträge mehr zur Krankenversicherung von Pensionären zahlen.
(Foto: dpa)