Deutschland ist der größte Rohstahlproduzent in der Europäischen Union. In der Welt liegt das Land auf Platz 7 hinter China, Japan, USA, Russland, Indien und Südkorea. 2008 erreicht die deutsche Stahlproduktion einen Ausstoß von 48,5 Mio. Tonnen.
Die Perspektiven der Stahlbranche sind eng an die Entwicklung der Weltwirtschaft gekoppelt. Die Aktienkurse der Stahl-Hersteller gelten als konjunkturanfällig.
Stahl kommt in unzähligen Formen und Produktionsstufen zur Anwendung: Im Hoch- und Tiefbau, in der Schiffsindustrie, bei den Maschinenbauern, bei den Werkzeugherstellern, im Flugzeugbau und nicht zuletzt in der Automobilbranche.
Bis zum Sommer 2008 steigen die Rohstoffpreise steil an - getrieben von einer rasch anwachsenden Nachfrage. Die Kosten für die Rohmaterialien Erz und Koks vervielfachen sich. Die Stahlproduzenten reichen die Mehrausgaben an ihre Kunden weiter.
Mit dem Stahlpreis ziehen auch die Kurse der Stahlaktien an - weltweit.
Im Herbst 2008 erreichen Finanzkrise und globale Konjunkturabkühlung die Stahlbranche. Die nachlassende Nachfrage löst einen massiven Preisverfall am Rohstoffmarkt aus.
Weltweit seien die Stahlhersteller gezwungen gewesen, in "noch nie dagewesener Weise" ihre Produktion der gesunkenen Nachfrage anzupassen, berichtet die deutsche Wirtschaftsvereinigung Stahl. Beobachtern der Branche ist klar: Sobald sich die Konjunkturaussichten wieder verbessern, ziehen auch die Stahlpreise wieder an.
Als Weltmarktführer in allen wichtigen Bereichen des Stahlgeschäfts beherrscht der multinationale Industriegigant ArcelorMittal die Branche.
Mit Werken in mehr als einem Dutzend Ländern produziert ArcelorMittal unter anderem Roh- und Flachstahl, Stahlbleche, Träger und Edelstahl.
Unter der Leitung des "indischen Stahlbarons" Lakshmi N. Mittal beliefert der Konzern unter anderem auch Hersteller von Haushaltsgeräten, die Automobilindustrie und die Baubranche Im Bild zu sehen: ein Mittal-Werk im belgischen Liege (Lüttich).
ARCELORMITTAL gilt als der größte Stahlkonzern der Welt. Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 326.000 Mensche in mehr als 60 Ländern.
In diesem Bild zu sehen: Gerollter Flachstahl auf dem Weg ins Lager. Die US-Stahlarbeiter verschieben Rohmaterial für Röhren und Leitungen, wie sie vor allem in der amerikanischen Öl-Industrie zum Einsatz kommen.
Die Aktivitäten von CHINA PRECISION STEEL beschränken sich dagegen im Wesentlichen auf den inner-chinesischen Markt. Der Konzern liefert unter anderem "kaltgewälzte Präzisionsprodukte".
Corus, der zweitgrößte Stahlhersteller Europas, kommt im Jahr 2007 auf einen Umsatz von rund 17,8 Mrd. Dollar und einen Rohstahlaustoß von mehr als 20 Mio.Tonnen. Corus ist Teil der Tata Steel Group.
Die mexikanische Unternehmensgruppe SIMEC (Grupo Simec) fertigt und vertreibt sogenannten "Special Bar Quality" Stahl, der unter anderem als Achsen und Verstrebungen im Automobilbau zum Einsatz kommen.
Mit leichter Hand bedient dieser Mitarbeiter des deutschen Stahlkonzerns Klöckner & Co schweres Gerät: Die Maschine sägt Edelstahl in baumdicke Scheiben.
Nach drei guten Quartalen wird der Stahlhändler KLÖCKNER & CO im Herbst 2008 vorsichtigt. Im vierten Quartal erfasst die globale Wirtschaftskrise den Duisburger Stahlhändler mit einer vollen Breitseite: Der Umsatz geht um sieben Prozent zurück.
Der japanische Mischkonzern KUBOTA stellt mit seiner Sparte "Industrial & Material Systems Sector" Röhren, Ventile und Pipeline-Segmente her.
Für das Jahr 2007 weist das Unternehmen einen Gesamtumsatz von umgerechnet 11,9 Mrd. Dollar aus. Netto bleiben Kubota 702,7 Mio. Dollar.
Der russische Minen- und Stahlkonzern Mechel hält unter anderem Anteile am Hüttenkombinat Tscheljabinsk, dem Handelshaus Mechel, dem Metallurgiekombinat Belorezk und Mechel Trading.
Im Juli 2008 schickt Russlands Regierungschef Wladimir Putin den Aktienkurs des Konzerns mit überraschend harten Worten auf Talfahrt.
Die Kritik an Mechel-Chef und Mehrheitseigner Igor Sjusin (Bild) weckt Erinnerungen an die Steuervorwürfe gegen den früheren Yukos-Chef Michail Chodorkowski, die der Zerschlagung des Ölkonzerns vorausgingen.
Ihren Ruf als Lieblinge der Schwellenland-Investoren haben russische Wertpapiere ohnehin längst verloren. Die Atmosphäre im Bahnhof der Kohlemine "Lenin", einer Anlage des Mechel-Konzerns im sibirischen Mezhdurechensk, spricht für sich.
Die Eskalation der Kreditkrise erschüttert den Moskauer Aktienmarkt in seinen Grundfesten. Auch die Aktien von MECHEL brechen ein. Eine "einmalige Kaufgelegenheit", meinen einzelne Analysten.
Stahl behält in vielen Formen seinen Wert: Das Recycling-Unternehmen METALICO sammelt im Nordosten der USA Schrott, Altstahl und andere Industriemetalle.
Zu den weltweiten Schwergewichten der Branche zählt dagegen der im Nikkei-225 gelistete Konzern Nippon Steel. Doch auch die Japaner können sich dem weltweiten Abschwung nicht entziehen.
NIPPON STEEL-Chef Shoji Muneoka kündigt einen Strategiewechsel an: "Die Auftragsentwicklung im August zeigt, dass die Finanzkrise die Nachfrage in Japan belastet. Für die Stahlunternehmen sind daher Produktionskürzungen unvermeidlich."
NOVAMERICAN STEEL produziert und handelt mit Rohstahl, Edelstahl und Aluminium und gilt als Zulieferer für die Automobilindustrie. Der Kundenkreis konzentriert sich auf die USA und Kanada. Auch hier bricht die Nachfrage ein.
Der US-Stahlkonzern Nucor produziert Rohstahl, Verbindungselemente, Stahllegierungen und Stahl für den Maschinenbau.
NUCOR zählt zu den größten Stahlproduzenten der USA. 2007 beläuft sich der Umsatz auf 16,6 Mrd. Dollar. Reingewinn: 1,5 Mrd. Dollar.
Ohne Belastungen für Menschen, Material und Umwelt geht es in der Stahlbranche nicht ab.
Der koreanische Stahlproduzent POSCO liefert Roh- und Edelstahl in verschiedenen Verarbeitungsstufen für den Automobilbau, die Werftenindustrie, Haushaltsgeräte und den Maschinenbau.
Die Schadstoff-Emissionen des Konzern sind gigantisch: Im Jahr 2007 trägt Posco mit seinen Werken rund zehn Prozent zum gesamten CO2-Ausstoß Südkoreas bei.
Kleiner und sauberer tritt die deutsche Salzgitter AG auf. Mit einem Rohstahl-Ausstoß von rund sieben Millionen Tonnen pro Jahr kann sich der Dax-Neuling zu den führenden Stahlkonzernen Europas zählen.
Das im MDax notierte Unternehmen beschäftigt rund 24.000 Mitarbeiter.
SALZGITTER rangiert nach eigenen Angaben im Bereich Profil- und Flachstahlprodukte unter den Top 5 in Europa und beansprucht im Bereich der mittleren Leitungs- und Präzisrohre in Europa den ersten Platz. Im Bereich "Großrohr" gilt der Konzern als Weltmarktführer.
Der US-Metallaufbereiter SCHNITZER STEEL verwertet Altautos, verkauft Einzelteile und fertigt aus den Resten neuwertige Stahlprodukte. Für 2007 verzeichnet der Konzern mit Sitz in Portland einen Umsatz von 2,6 Mrd. und einen Gewinn von 131 Mio. Dollar.
Die bis vor kurzem noch boomende Stahlnachfrage beschert dem bayerischen Stahlzulieferer SKW Stahl-Metallurgie 2008 Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Angesichts des Einbruchs auf dem Stahlmarkt und der kaum abzuschätzenden Konjunkturentwicklung verzichtet SKW erst einmal auf eine Prognose für 2009.
Der südamerikanische Stahlkonzern Ternium firmiert als europäische Aktiengesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Das Unternehmen entstand aus einem Zusammenschluss dreier Produzent aus Argentinien, Venezuela und Mexico.
TERNIUM produziert Rohstahl und bietet darüber hinaus das ganze Programm der Stahlherstellung von Drahtspulen, über Röhren, Bleche bis hin zu Stahlträgern und Gestängen.
Der US-Stahlproduzent Steel Dynamics steigt im Jahr 2007 über den Kauf von OmniSource in das Recycling ein. Steigende Preise für Energie, Kohle und Erz machen die Verwertung von Schrott und Alteisen zu einem lukrativen Geschäft.
STEEL DYNAMICS (SDI) gilt als der fünfgrößte Rohstahlproduzent der Vereinigten Staaten.
Das milliardenschwere Konjunkturhilfe aus Peking beflügelt Stahlwerte weltweit. Grund: Chinas Produzenten können damit im eigenen Land mehr absetzen und überschwemmen den Rest der Welt nicht mit billigem Stahl, so ein Börsianer.
ThyssenKrupp erzeugt jährlich etwa 14,5 Mio. Tonnen Rohstahl, hat aber zeitweise Rohstahl zugekauft, um Nachfragespitzen bei Stahlprodukten zu bedienen. Die Zukäufe bewegten sich zuletzt in einer Größenordnung von rund einer halbe Millionen Tonnen.
Der größte deutsche Stahlkonzern THYSSENKRUPP muss wegen der schwachen Stahlnachfrage dennoch die Produktion drosseln.
Der Stahlkonzern United States Steel (US Steel) residiert in der Innenstadt von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania.
Der einst größte Stahlhersteller der Welt gilt immer noch als Nummer 1 der US-amerikanischen Stahlbranche.
Auch der Aktienkurs von US STEEL spiegelt die derzeitigen Markterwartungen hinsichtlich der Stahlnachfrage wider.
UNIVERSAL STAINLESS & ALLOY PRODUCTS: Verarbeitet und vermarktet Produkte aus dem Segment Spezialstahl, darunter Edelstahl, Werkzeugstahl und Stahllegierungen. Sitz des Unternehmens ist Bridgeville, ein Vorort von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania.
Neben den Giganten des internationalen Stahlgeschäfts stoßen findige Anleger immer wieder auch auf kleine Nischenbewohner wie zum Beispiel WORTHINGTON INDUSTRIES, einem Unternehmen aus Columbus im US-Bundesstaat Ohio.
Worthington übernimmt Stahlrohlinge und fertigt daraus Metallrahmen für den Hausbau, Druckzylinder aller Art und Stanzbleche für die Automobilindustrie. Und wenn es hier erst einmal wieder läuft, dann dürften auch die Kursen der Stahl-Aktien wieder anders aussehen.
Quellen: Unternehmenspublikationen, Stahlinstitut VDEh , Wirtschaftsvereinigung Stahl, World Steel Association, n-tv.de-Archiv. Stand: 04.03.2009 (Bilder von AP, dpa und rts / Text: Martin Morcinek)
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