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Stimmungstest für die Branche: Luftfahrtmesse in Farnborough

Paradies für Flugzeugfreaks: In Farnborough bei London zeigen die Flugzeugbauer, was sie in ihren riesigen Werkshallen so ausgetüftelt haben.

Farnborough wechselt sich als Austragungsort für die Flugschau jährlich mit Le Bourget bei Paris ab. Die Messe will dabei nicht nur die Zuschauer glücklich machen,…

…sie gilt auch als Stimmungstest für den Zustand der von der Konjunkturflaute gebeutelten Branche.

Wer wird mehr Flugzeuge an den Mann bringen? Airbus oder Boeing? Was ist mit den neuen Konkurrenten aus Russland oder Brasilien, die plötzlich mitmischen wollen?

Und wie geht es den Rüstungskonzernen? Schließlich liegt der Schwerpunkt der Show in Farnborough traditionell auf dem Militärsektor.

Viele hoch verschuldete Staaten kürzen derzeit ihre Verteidigungsbudgets und nehmen – wie etwa Deutschland – auch die Ausgaben für die Luftwaffe unter die Lupe.

Das lastet auf den großen Branchenkonzernen wie EADS, BAE Systems, Boeing oder Lockheed Martin.

Mehr Vergnügen macht da schon das Geschäft mit Airlines und Leasingunternehmen. Aber der Reihe nach.

Die Hauptattraktion schwebte gleich zu Anfang ein: Der Dreamliner 787 von Boeing.

Tausende Schaulustige begrüßten den Flieger, der erstmals auf europäischen Boden landete. Nach der Ankunft des Flugzeugs kam der Medienzirkus richtig in Gang.

Boeing-Chef Jim McNerney ging extra an Bord, um die Maschine für Fotografen und Kameras aus aller Welt lächelnd wieder zu verlassen.

Testpilot Mike Bryan äußerte sich vor der zahlreich erschienen Presse begeistert. Man könne nun wirklich auftanken und Leute damit fliegen, sagte er.

Kurz vor der Landung, nach neunstündigem Flug, hatte die Maschine in der Luft noch mit den Tragflächen den begeisterten Wartenden "gewunken".

Der spektakuläre Auftritt hat sich gelohnt: Die Fluglinie Royal Jordanian zeigte sich so begeistert, dass sie gleich einen Vertrag zur Bestellung von 3 weiteren Maschinen des Typs "787" unterzeichnete.

Nach Listenpreis hat die Order einen Wert von 500 Mio. US-Dollar. Damit hat Royal Jordanian insgesamt 11 Dreamliner bestellt.

Ein noch viel fetterer Auftrag folgte sogleich aus den arabischen Emiraten: Die Fluglinie Emirates bestellte auf einen Schlag 30 Maschinen des Typs Boeing 777.

Laut Preisliste ist der Auftrag 4,4 Milliarden Dollar wert, allerdings sind bei Flugzeugbestellungen hohe Rabatte üblich – besonders für Großkunden. Im Bild: Der Chef der Boeing-Passagierflugsparte, Jim Albaugh (li) und Emirates-Hauptaktionär Scheich Ahmed Bin Said Al Machtum (mi) bei der Vertragsunterzeichnung.

Emirates betreibt mit 86 Maschinen bereits die größte 777-Flotte der Welt.

Die größte arabische Fluggesellschaft hatte erst im Juni auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin bei Airbus 32 doppelstöckige A380 geordert.

Mit einem Listenpreis von 11,5 Milliarden Dollar war es der größte Einzelauftrag in der Geschichte der zivilen Luftfahrt.

Da durfte es auch schon mal etwas mehr Lametta sein: Medienberichten zufolge bestand die Fluggesellschaft auf die Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel bei der Unterzeichnung des Vertrages. Das war natürlich kein Problem.

Aber zurück zu Boeing: Gecas – die Leasingsparte des US-Konzerns General Electric hat sich gleich 40 Maschinen vom Typ 737-800 gesichert.

Und wo die Leasingfirma schon dabei war, wurden auch gleich 60 Maschinen aus der A320-Familie von Airbus mit auf den Zettel geschrieben.

Der Rivale Air Lease Corp bestellte bei Airbus insgesamt 51 A320-Maschinen.

Während der Aufschwung bei den Fluggesellschaften noch eher zögerlich vorangeht, geht es den Leasingunternehmen bereits wieder sehr gut. Diese Firmen kaufen Flieger und verleihen sie weiter – ein gefragtes Geschäftsmodell.

Airbus konnte sich noch über einen Auftrag aus Russland freuen: Die Fluggesellschaft Aeroflot bestellte immerhin elf Maschinen des Typs A330-300.

Gleichzeitig müssen sich Airbus und Boeing auch Gedanken um die neue Konkurrenz aus Russland machen: Der russische Flugzeugbauer Suchoi hat einen dicken Auftrag an Land gezogen. Suchoi wird 30 Flugzeuge des neuen Typs Superjet-100 an die indonesische Gesellschaft Kartika Airlines ausliefern.

Der Deal hat einen Wert von 951 Millionen Dollar. Der Superjet-100 ist das erste seit dem Ende der Sowjetunion neuentwickelte Passagierflugzeug Russlands. Der Auftrag gilt als Durchbruch.

Auch der brasilianische Flugzeugbauer Embraer konnte einen Auftrag abstauben: Der britische Billigflieger Flybe bestellte 35 Regionaljets des Typs Embraer 175. (Im Bild: Brazilian Air Force Commander Juniti Saito)

Laut Liste sind die Maschinen 1,3 Mrd. Dollar wert. Einschließlich Optionen und Kaufrechte könnte der Auftrag auf 140 Flieger und 5,0 Mrd. Dollar wachsen.

Doch trotz der neuen Konkurrenz sind die Platzhirsche Airbus und Boeing bislang mehr als zufrieden mit der Auftragslage.

"Ich glaube, der Markt ist wieder da", jubelte Airbus-Verkaufschef John Leahy am Dienstag. Man werde die anvisierten 300 Flugzeuge locker übersteigen und möglicherweise bis zu 400 Bestellungen bekommen.

Seit Montag hat Airbus Festbestellungen und Absichtserklärungen für 255 Flugzeuge eingesammelt, der Gesamtwert der Aufträge liegt bei rund 28 Mrd. Dollar.

Zu den dicksten Aufträgen gehört auch die Bestellung von Hong Kong Airlines, die sich für 15 Exemplare des neuesten Modells A350 entschieden und dafür einen bestehenden Auftrag umwandelten.

Die chilenische Fluggesellschaft LAN Airlines unterzeichnete eine Absichtserklärung zum Kauf von 50 Airbus-Jets der A320 Familie im Wert von etwa fünf Mrd. Dollar.

Boeing hat Airbus bis Donnerstag mit 279 Bestellungen knapp überholt, doch abgerechnet wird zum Schluss.

Denn die Flugschau geht noch bis zum 25. Juli. Also noch genug Zeit, für den einen oder anderen spektakulären Auftrag. Wir sind gespannt.

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