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Ende oder Mitte der Talsohle?: LKW-Bauer in der Krise

 
Ende oder Mitte der Talsohle?: LKW-Bauer in der Krise

Glaubt man dem gefühlvollen Wikipedia-Eintrag, beginnt die wechselvolle Geschichte der Nutzfahrzeuge…

... schon ca. 5.000 v. Chr. - nämlich mit der Erfindung des Rades.

Sicherlich wurden Karren und Kutschen schon seit jeher dafür genutzt, schwere Lasten zu transportieren, ...

... so richtig in Schwung kam das Nutzfahrzeuggeschäft aber erst mit der Entwicklung der motorisierten Fahrzeuge im Jahr 1895.

Von da an entwickelte sich die Branche zu einem der wichtigsten Faktoren der Industriegeschichte.

Doch die Lastenträger der Wirtschaft sind sensibel. Brummt es nicht mehr so richtig in der Konjunktur, …

… bleiben auch die Brummis auf dem Parkplatz.

Und so hat die aktuelle Finanzkrise auch tiefe Spuren in der Branche hinterlassen.

Medienberichten zufolge werden bis zum Ende des Jahres rund 900 Fuhrunternehmen ihr Geschäft aufgeben müssen.

Der Bundesverband Logistik verweist auf den durch die Wirtschaftskrise ausgelösten extremen Nachfrageeinbruch.

Besonders betroffen sind kleine Transporteure, die oft als Subunternehmen für große Speditionen fahren.

Auch die Zulassungszahlen sinken beständig.

Im September wurden laut Branchenverband ACEA in den 27 EU-Staaten sowie in Island, Norwegen und der Schweiz insgesamt knapp 156.000 Fahrzeuge zugelassen.

Das ist im Vergleich zum Vormonat ein Minus von 27,7 Prozent. Damit hält die Talfahrt nun schon 17 Monate an.

Immerhin hat sich das Tempo des Abschwungs etwas verlangsamt – im August betrug das Minus noch 35,1 Prozent.

In Deutschland wurden im September 21.660 Fahrzeuge zugelassen, das sind 33 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Dass der Absatz von Transportern und schweren Lastwagen leidet, ist bei der exportorientierten deutschen Autoindustrie kein Wunder:

Die Exportmärkte sind weiterhin unter Druck, die Ausfuhren gingen um 51 Prozent auf 16.800 Nutzfahrzeuge zurück.

Angesichts der schwachen Nachfrage wurde die Produktion im September um 48 Prozent gedrosselt.

Seit Beginn des Jahres rollten mit 174.700 Einheiten 58 Prozent weniger Nutzfahrzeuge von den Bändern als vor einem Jahr.

Die Flaute geht also auch an den Nutzfahrzeugbauern nicht spurlos vorbei.

Der weltgrößte LKW-Bauer Daimler hat derzeit mit dem schärfsten Absatzrückgang seit dem Weltkrieg zu kämpfen und schreibt rote Zahlen in dieser Sparte.

Dennoch bemüht sich Daimler um Optimismus und sieht erste Anzeichen für ein Ende der Durststrecke.

"Unsere Auftragseingänge ziehen seit Mitte des Jahres wieder leicht an", sagte Daimler-Truck-Chef Andreas Renschler. "Es gibt Licht am Ende des Tunnels."

Auch der schwedische Konkurrent Volvo erwartet trotz tiefroter Zahlen eine Besserung.

"Es gibt gewisse positive Zeichen, dass der Nachfragerückgang abebbt und eine schrittweise Erholung einsetzt", sagte Konzernchef Leif Johansson bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Im dritten Quartal haben die Schweden mit ihren Bussen und Lastwagen einen Nettoverlust von 2,9 Mrd. Kronen (282 Mio. Euro) eingefahren. Vor einem Jahr stand hier noch ein Gewinn von zwei Mrd. Kronen.

An der Börse zeigte man sich jedoch erfreut, hier war ein noch größerer Fehlbetrag von 4,0 Mrd. Euro befürchtet worden.

Bei den Landsleuten von Scania gibt man sich sehr viel bedeckter, was die Zukunft angeht.

Die LKW-Bauer haben noch kein wirkliches Zeichen für einen Wirtschaftsaufschwung ausgemacht.

"Das einzig Gute ist, dass sich der Markt nicht weiter nach unten bewegt hat. Es scheint, als habe er die Talsohle erreicht", meint Scania-Chef Leif Östling.

Er erwartet, dass das eigentliche Niveau der Nachfrage sich allmählich im Herbst zeige.

Mit einem fast halbierten Absatz von Lastwagen und Bussen bewegt sich der zum VW-Konzern gehörende Lastwagenbauer nur noch knapp in der Gewinnzone.

Im dritten Quartal sank der Nettoertrag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 85 Prozent auf 278 Mio. Kronen (27 Mio. Euro).

Scanias ebenfalls zu VW gehörender deutscher Konkurrent MAN rechnet nach weiteren Einbußen im abgelaufenen Quartal nur noch mit einer sehr langsamen Geschäftserholung.

Schon im Vorfeld hatte Nutzfahrzeugchef Anton Weinmann die Erwartungen gedämpft.

Weinmann erwartet einen noch niedrigeren Absatz in den kommenden Monaten und hält daher einen Gewinn im laufenden Jahr praktisch für ausgeschlossen.

Die Einbußen im dritten Quartal fielen aber geringer aus als von Analysten erwartet. Auftragseingang und Umsatz schrumpften verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um je 14 Prozent.

Das Volumen der Neuaufträge bezifferte der Konzern mit 2,66 Mrd. Euro, den Umsatz mit 3,1 Mrd. Euro.

Trotz der düsteren Prognose hofft man auch bei MAN, dass die Talsohle erreicht ist. "Es kann nicht mehr schlimmer werden", heißt es.

Ab Herbst kommen den Herstellern immerhin die niedrigen Vergleichszahlen aus dem Vorjahr zugute, damals waren die Märkte abrupt kollabiert. (sl/dpa/MAN/Scania/Daimler)

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