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Bankenchefs vorm Kadi: Kaum Schuld, kaum Sühne

 
Bankenchefs vorm Kadi: Kaum Schuld, kaum Sühne

Die Chefs der vier größten US-Banken (v. l. Blankfein von Goldman Sachs, Dimon von JP Morgan, Mack von Morgan Stanley und Moynihan von BoA) sehen sich nicht als Alleinschuldige am Ausbruch der Finanzkrise.

Zwar räumten sie in Washington vor einem Untersuchungsausschuss Mitte Januar 2010 eigene Fehler ein. Die Verantwortung für das ganze Desaster wiesen sie aber von sich.

Der Abschwung sei wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung gewesen, …

… sagte der Chef der Bank of America, Brian Moynihan. Vor diesem mussten sich auch die Lenker von JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley äußern.

Bei der Anhörung (rechts der Ausschuss-Vorsitzende Phil Angelides) soll den Ursachen der Finanzkrise auf den Grund gegangen werden. Die Krise ist den US-Steuerzahler bereits teuer zu stehen gekommen.

Die USA (im Bild der heutige Finanzminister und frühere Chef der New Yorker Fed, Timothy Geithner) hatten in der Krise mit dem Tarp-Rettungsfonds insgesamt 700 Mrd. Dollar an Steuergeldern in die Finanzbranche gepumpt.

Dutzende kleine Banken gingen trotzdem pleite. Bei der Citigroup und dem Versicherungskonzern AIG, die sich beide schwer verspekulierten, ist der Staat noch immer gezwungenermaßen Hauptanteilseigner.

Präsident Barack Obama erwägt nun eine Sonderabgabe für den Finanzsektor, um einen größeren Teil des Geldes wiederzubekommen.

Die Banken hätten zweifellos Fehler gemacht, sagte der Verwaltungsratschef der Investmentbank Morgan Stanley, John Mack.

"Viele Firmen sind ein zu hohes Risiko eingegangen."

Nach Meinung der anwesenden Bankchefs hätten jedoch die Aufsichtsbehörden eingreifen müssen. Weil sie dies nicht taten, droht eine Ausweitung der Regulierung, was den Bankern nicht gefällt.

"Die Lösung kann nicht sein, dass die Größe der Finanzkonzerne beschränkt wird", sprach sich JP-Morgan-Chef Jamie Dimon gegen mehr Regulierung aus.

Es bedürfe eines Systems, in dem selbst die größte Bank umfallen könne, ohne dass der Steuerzahler am Ende dafür gerade stehen müsse.

Speziell die Investmentbanken stehen in der öffentlichen Kritik. Sie haben milliardenschwere Gewinne mit jenen undurchsichtigen Wertpapieren eingestrichen, die zum Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems führten.

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 gilt als Höhepunkt der Krise. Die Banken hatten untereinander jegliches Vertrauen verloren.

Nur das massive Eingreifen der Staaten hielt die Märkte am Laufen. Lehman Brothers hatte sich wie viele andere Finanzunternehmen mit kompliziert konstruierten US-Hypothekenpapieren verspekuliert.

Ein beschleunigtes Verfahren soll nun dafür sorgen, dass die Gläubiger von Lehman Brothers ihr Geld rascher bekommen. 65.000 Geschädigte fordern insgesamt 830 Mrd. Dollar. Ein New Yorker Konkursrichter stimmte dem Plan zu, unberechtigte Forderungen leichter zurückweisen und dadurch den Forderungskatalog schneller abarbeiten zu können.

"Wir repräsentieren nur die andere Seite dessen, was Menschen tun wollen", rechtfertigte sich der Chef der größten US-Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein.

Es gebe immer einen Handelspartner auf der Gegenseite.

Blankfeins Institut gilt als Krisengewinner, hatte es doch schon früh auf fallende Märkte gesetzt. Erst vor wenigen Tagen hatte Goldman Sachs zugegeben, mit seinen Finanztransaktionen auch gegen die eigenen Kunden gewettet zu haben.

"Das hört sich für mich ein bisschen so an, als ob sie ein Auto mit kaputten Bremsen verkaufen und dann eine Unfallversicherung auf den Käufer dieses Autos abschließen würden", sagte der Kommissionsvorsitzende Phil Angelides.

Derartige Praktiken sorgten nicht gerade für Vertrauen in den Märkten.

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