Dynamisch.
Innovativ.
Kämpferisch.
Die Attribute, für die Japans Wirtschaft lange bewundert und gefürchtet wurde, sind nur noch eine blasse Erinnerung.
Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt muss 2010 höchstwahrscheinlich nicht nur ihre Silbermedaille an China abgeben, ...
... das Land steckt auch bis zum Hals in Schulden. Seit mehr als zehn Jahren pumpt die japanische Regierung Geld in die Wirtschaft, …
... um an alte Glanzzeiten anzuknüpfen. Bislang vergebens.
Auch für das laufende Jahr ist kaum eine Belebung der Wirtschaft in Sicht, ganz im Gegenteil.
Angesichts der auslaufenden Konjunkturpakete, wie zum Beispiel der Abwrackprämie für energiefressende Haushaltsgeräte, dürfte die Wirtschaft sich weiter verlangsamen.
Obwohl man Tokio keine Misswirtschaft, sondern allenfalls zuviel Ehrgeiz vorwerfen kann, …
… ist Japans Schuldenberg inzwischen doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt Nippons.
Das Primärdefizit, bei dem die Zinskosten nicht mit einbezogen werden, liegt in diesem Jahr bei 40,6 Billionen Yen (etwa 325 Mrd. Euro).
Kein anderes Industrieland ist derart stark verschuldet – Japan toppt damit sogar die derzeit heiß diskutierte Verschuldung Griechenlands.
Kritiker monieren, dass die japanische Regierung zu sehr Keynes anhängt – der Staat ist der größte Investor und Geldverleiher im Land.
Doch die internationalen Börsen sehen mit Gelassenheit auf diesen Schuldenberg, denn noch funktioniert dieses System.
Tokio hatte bislang keine Probleme damit, das Defizit zu finanzieren. Die Sparquote im Land ist hoch…
… und japanische Staatsanleihen werden eifrig von der Bevölkerung abgenommen – zum Teil freiwillig, zum Teil über staatliche Pensionskassen.
Doch das könnte sich alles schon in naher Zukunft ändern. Die Sparquote ist seit 1980 von 12 Prozent auf 2 Prozent gesunken.
Zudem altert die japanische Bevölkerung besonders stark. Das bedeutet aber, dass die Pensionskassen die eingesammelten Gelder immer schneller rausgeben müssen.
Gleichzeitig liegt die Binnenwirtschaft nach Jahren der wiederkehrenden Deflation am Boden. Allein im Februar sanken die Verbraucherpreise um 1,2 Prozent, das war der zwölfte Rückgang in Folge.
Auch die hohe Arbeitslosigkeit lässt nicht auf einen starken Konsum hoffen.
Zwar liegt die Arbeitslosenquote mit 4,9 Prozent unter dem im Sommer erreichten Negativ-Rekord, aber die Unternehmen halten sich mit Neueinstellungen zurück.
Auch wenn die Bank of Japan unter dem Druck der japanischen Regierung weiterhin eine "aggressive fiskalische und monetäre Unterstützung" im Kampf gegen die Inflation anbietet, …
… angesichts eines Leitzinses von ohnehin nahe Null sind die Möglichkeiten der Notenbanker beschränkt.
Wachsen kann die japanische Wirtschaft nur mit Hilfe des Exports – und hier kommen die asiatischen Nachbarländer, allen voran China, ins Spiel.
Wie hoch die Abhängigkeit von China bereits ist, lässt sich an den Exportzahlen für Februar ablesen:
Wegen des chinesischen Neujahrsfestes, das in diesem Jahr in den Februar fiel, sanken die japanischen Ausfuhren um 1,7 Prozent.
Dennoch sind Experten zuversichtlich, dass hier die Zukunft Japans liegt. Erwartet wird, dass die chinesische Wirtschaft ihr schnelles Wachstum beibehält und damit die japanischen Exporte unterstützt.
Dann muss Japan vielleicht trotzdem den Titel "zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt" abgeben – kann sich dafür aber auf Platz drei bequem einrichten. (sl/rts/AP/dpa)
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