Die Bullen auf dem Frankfurter Aktienparkett scharren schon mit den Hufen: Mit Brenntag wagt sich bereits das dritte große Unternehmen innerhalb weniger Tage an die Börse.
Der Börsengang des Chemie-Disteributors wirft Licht auf eine Branche, die besonders stark unter dem konjunkturellen Einbruch gelitten hat.
Die Chemie gilt als Konjunkturbarometer, da sie nahezu alle Branchen beliefert und so die Aufs und Abs der Wirtschaft als einer der ersten Industriezweige spürt.
Im Sog der Finanzkrise erlebte der Sektor ab dem Spätherbst 2008 einen Absturz wie seit der Ölkrise Mitte der 70er Jahre nicht mehr.
Seit dem dritten Quartal 2009 entspannt sich die Lage zwar langsam. Wann die Branche wieder Vorkrisenniveau erreicht, steht aber noch in den Sternen.
Bei Branchenführer BASF wuchs nach einem starken vierten Quartal zuletzt die Zuversicht, allerdings warnt der Konzern wie auch die Rivalen DuPont, Akzo Nobel oder Solvay vor einer holprigen Erholungsphase.
Hohe Zuwachsraten erzielen die meisten Konzerne derzeit vor allem in den Schwellenländern Asiens und Südamerikas. Der Branchenverband VCI warnt jedoch davor, sich von den Zahlen blenden zu lassen.
Die Wachstumsraten in Asien und Lateinamerika werden nach Einschätzung des VCI nicht kompensieren können, was in Europa nicht abgesetzt wird.
Rund 80 Prozent der in Deutschland produzierten Chemikalien werden in Europa verkauft. Und hier wird die Durststrecke 2010 wohl weitergehen.
Im Jahr 2009 ging die deutsche Chemieproduktion um 10,1 Prozent zurück, die Chemikalienpreise fielen um 2,4 Prozent, und der Umsatz brach um 13,5 Prozent auf 152,7 Mrd. Euro ein.
Für das Gesamtjahr 2010 rechnet der VCI mit einem Anstieg bei der Produktion von fünf Prozent, für die Erzeugerpreise erwartet der Verband ein Plus von einem Prozent. Der Umsatz der Branche soll um sechs Prozent wachsen.
Mit einem Jahresumsatz von 6,4 Mrd. Euro gehört Brenntag in Deutschland zu den großen Anbietern der Chemiebranche. In globaler Perspektive schafft es das Unternehmen jedoch gerade so in die Top 50.
Der nach Umsatz weltgrößte Chemiekonzern ist BASF. Im Krisenjahr 2008 erlöste der Konzern mit 87,8 Mrd. US-Dollar so viel wie kein anderer Anbieter. Die Ludwigshafener sind in 170 Ländern aktiv und innerhalb der Chemiebranche breit aufgestellt.
BASF, 1 Jahr (ISIN: DE0005151005)
Der weltgrößte Mineralölkonzern ExxonMobil ist durch seine Aktivitäten in der Petrochemie der nach Umsatz zweitgrößte Chemieanbieter weltweit. 2008 lag der Chemie-Umsatz des US-Konzerns bei 58,1 Mrd. US-Dollar.
ExxonMobil, 1 Jahr (ISIN: US30231G1022)
Drittgrößter Chemiekonzern der Welt ist Dow Chemical. 2008 erlöste der US-Riese 57,5 Mrd. Dollar. Der Konzern ist der weltgrößte Produzent von Kunststoffen und synthetischem Kautschuk.
Dow Chemical, 1 Jahr (ISIN: US2605431038)
In der Umsatzstatistik 2008 auf dem vierten Rang landet der niederländische Konzern Lyondell-Basell mit Erlösen von 50,7 Mrd. US-Dollar. 2009 musste der Riese jedoch Insolvenz nach US-Recht (Chapter 11) anmelden.
Die vollständig über Schulden finanzierte Übernahme von Lyondell in Verbindung mit der Konjunkturschwäche brachte das Unternehmen zur Strecke. Schon im April 2010 will der Konzern jedoch wieder in der Spur sein. An der Börse ist das Unternehmen nicht notiert.
Der Energieriese Shell landet dank seiner hohen Umsätze im Bereich der Petrochemie auf dem fünften Platz der größten Chemieanbieter. 2008 lag der Umsatz in der Sparte bei 49,1 Mrd. US-Dollar.
Shell, 1 Jahr (ISIN: GB00B03MLX29)
Auf dem sechsten Rang steht der nicht börsennotierte britische Petrochemie- und Kunststoffanbieter Ineos. 2008 erlöste das Unternehmen 40,9 Mrd. US-Dollar.
Ebenfalls in der Verarbeitung von Öl und Erdgas ist die saudi-arabische Sabic tätig. Der nach eigenen Angaben führende Metallproduzent im Nahen Osten setzte 2008 mit Chemieprodukten 40,2 Mrd. US-Dollar um.
Wie die meisten der größten Chemieanbieter verdient auch die chinesische Sinopec ihr Geld mit Öl. Der Umsatz im Chemiebereich lag 2008 bei 35,4 Mrd. US-Dollar.
Sinopec, 1 Jahr (ISIN: CNE1000002Q2)
Der über 200 Jahre alte Chemiekonzern DuPont liegt in der globalen Umsatzliste auf dem 9. Platz mit 30,58 Mrd. US-Dollar. Zur breiten Produktpalette des Konzerns zählen unter anderem Lebensmittel, Gesundheitsprodukte, Elektronik, Lacke und Kunststoffe.
DuPont, 1 Jahr (ISIN: US2635341090)
Der nach Umsatz zehntgrößte Chemieanbieter weltweit ist Mitsubishi Chemical mit Erlösen von 29,9 Mrd. US-Dollar 2008. In Deutschland ist das Unternehmen besonders durch die Tochterfirma Verbatim bekannt.
Mitsubishi Chemical, 1 Jahr (ISIN: JP3897700005)
(Text: nne, rts; Quelle: ICIS)
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