Der unbekannte Markenriese: Inside Procter & Gamble
Ob in der Drogerie oder dem Supermarkt, das Angebot an Haushaltsprodukten scheint schier grenzenlos zu sein.
Ob in der Drogerie oder dem Supermarkt, das Angebot an Haushaltsprodukten scheint schier grenzenlos zu sein.
Von Anti-Akne-Mitteln bis zur Zahnpasta, die verschiedenen Marken und Varianten füllen Regalmeter um Regalmeter.
So groß die Vielfalt für die Verbraucher auch scheint: Bei zahlreichen Produkten klingelt die Kasse für ein einziges Unternehmen:
Procter & Gamble oder kurz P&G, ein Markenriese wie aus dem Bilderbuch.
Weltweit bietet der US-Konzern Produkte unter rund 300 Marken an – für Verbraucher wird es so fast unmöglich, nicht schon einmal ein Produkt von P&G eingepackt zu haben.
Allein mit den 24 stärksten Marken erwirtschaftet P&G Jahr für Jahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar - je Marke, versteht sich. Doch hinter welchen Namen steckt der US-Riese genau?
Mit Klementine erfuhren die Deutschen in den 60er Jahren, dass Ariel nach Bekunden der Werber "nicht nur sauber, sondern rein" wäscht.
Klementine ist schon lange Werbegeschichte. Doch heute wie damals ist Ariel eine der Vorzeigemarken von Procter & Gamble.
In den USA sucht man Ariel übrigens vergeblich: Im Heimatmarkt von P&G greifen Hausfrauen und -männer eher zu dem in Deutschland unbekannten Tide.
Doch damit der Reinlichkeit nicht genug: Zum Markenreich von P&G gehören unter anderem auch Ace, das wie Ariel und Tide ebenfalls über eine Milliarde Dollar Umsatz jährlich bringt, ...
... der deutsche Ableger Lenor des Weichspülers Downy, ...
... Dash, ...
... das Spülmittel Fairy, ...
... der Kalklöser Antikal, ...
...d er Reiniger Meister Proper, ...
... Geruchsneutralisierer von Febreze ...
... oder statische Staubtücher der Marke Swiffer.
Im Winter 2009 ergänzte P&G sein Sortiment zudem um die Duftspendermarke Ambi Pur, die bis dahin dem Rivalen Sara Lee gehörte.
Neben so viel Duft und Reinlichkeit fehlen einzig die Duracell-Batterien, die seit 2005 zum P&G-Reich gehören, und die Produktpalette ist vollständig - aber nur für die Sparte Haushalt. All diese Marken sorgen für knapp jeden dritten Umsatzdollar. Woher kommen die übrigen zwei Drittel?
Rund ein Viertel des Umsatzes bei P&G stammt aus der Sparte Schönheitspflege. Milliardenschwerer Kassenschlager ist dabei etwa die Shampoo-Marke Head & Shoulders.
Doch auch mit Olaz, das in Deutschland früher unter dem Namen Oil of Olaz verkauft wurde, setzt P&G Milliarden um. Jenseits der deutschen Grenzen heißt das Produkt allerdings Olay. Erfunden wurde es übrigens pikanterweise von einem früheren Mitarbeiter von Unilever, einem der Erzrivalen von Procter & Gamble.
In der selben Umsatzliga spielt auch die Shampoo-Marke Pantene, die P&G 1985 zukaufte.
Einen weiteren Milliardenmarkt sicherte sich P&G durch den Zukauf der Haarpflegemarke Wella, die mit zahlreichen Untermarken in über 150 Ländern der Welt präsent ist.
Ein Eigengewächs aus dem gleichen Produktsegment von Procter & Gamble ist dagegen Herbal Essences.
Im klassischen Kosmetikbereich stärkte sich P&G 1991 mit der Übernahme von Max Factor.
Ein eigenes Standbein in der Beauty-Sparte sind die zahlreichen Duftmarken, die von P&G produziert werden. Dazu zählen etwa die Parfüms von Boss, Dolce & Gabbana, Escada, Gucci, Lacoste oder Puma.
Für knapp ein Fünftel der gesamten Umsätze von P&G stehen Produkte aus dem Bereich Hygiene und Babypflege. Der Küchenrollen-Verkaufsschlager Bounty ist in Deutschland jedoch nicht mehr auf dem Markt.
Auch mit dem Toilettenpapier Charmin, das ebenfalls für Milliardenerlöse verantwortlich ist, konkurriert P&G nicht mehr in Deutschland. 2007 verkaufte der Konzern Produktion und Markenrechte für Europa an das schwedische Unternehmen Svenska Cellulosa, das hinter der Marke Zewa steckt. Unter dem Namen wird das Toilettenpapier nun auch in Deutschland angeboten.
Unverändert auch in Deutschland einer der großen Verkaufserfolge sind dagegen Windeln von Pampers. Der Markenname war 1961 eine Erfindung der damaligen Werbeagentur für die Wegwerfhöschen. Der Erfolg der Marke war so groß, dass Pampers auch als gängiges Synonym für die Einwegwindeln benutzt werden.
Ebenfalls aus Papier, aber aus einer weiteren großen Sparte von Procter & Gamble stammen unter dem Namen Always auch Hygieneartikel für Frauen wie Binden und Slipeinlagen. Sie zählen zum Bereich Healthcare, der rund jeden siebten Dollar des Konzerns erwirtschaftet.
Mit an Bord sind hier vor allem Produkte aus dem Bereich der Zahnpflege, sei es von Crest - in Europa bekannt unter dem Namen Blend-a-med, ...
...elektrische und manuelle Zahnbürsten, Pasten, Seide etc. von Oral-B ...
...oder die nötigen Hilfsmittel für die dritten Zähne von Blend-a-dent.
Ebenfalls in der Healthcare-Sparte verkauft Procter & Gamble in der Apotheke rezeptfreie Erkältungsmittel unter dem Namen Wick, ...
...und unter derselben Marke bietet der Konzern Bonbons an. Weil es letztere aber nicht nur in der Apotheke, sondern auch in Supermärkten zu kaufen gibt, zählen sie intern zur Sparte Snacks und Tiernahrung.
Bislang zählte zu dieser kleinsten Sparte von P&G auch die Kartoffelchips-Marke Pringles. 2012 übernahm jedoch der Cornflakes-Riese Kellog die bunten Knabber-Röhren. Damit fällt die Umsatzbilanz in dieser Sparte künftig dünner aus.
Im Tiernahrungsbereich ist P&G seit einem milliardenschweren Zukauf 1999 mit der Marke Iams vertreten. Daneben ist der Konzern auch mit der Marke Eukanuba in Deutschland auf dem Tierfuttermarkt.
Ganz und gar keine Schaumschlägerei ist trotz eines ihrer Vorzeigeprodukte die Rasur-Sparte. Mit Rasierschaum der Marke Gillette verdient P&G gutes Geld, ...
...die dazugehörigen Klingen lassen die Kassen bei Procter & Gamble ebenfalls klingeln.
Auch Elektro-Freunde kommen auf ihre Kosten: Hinter der Marke Braun, die neben Mixern, Kaffeemaschinen und Bügeleisen zahlreiche Rasierer für Männer und Frauen anbieten, steckt ebenfalls - wer wäre darauf gekommen- Procter & Gamble.
Unter dem Strich beschert der Wunsch der Verbraucher nach gestutztem Haar dem US-Konsumgüterriesen viele Milliarden Umsatz im Jahr.
Das hätten sich William Procter und James Gamble 1837 kaum träumen lassen, als die beiden US-Einwanderer das Unternehmen gründeten. Procter kam ursprünglich aus England und verdiente sein Geld zunächst als Kerzenproduzent. Gamble wanderte aus Irland aus und arbeitete in der neuen Heimat als Seifenproduzent.
Zusammengeführt haben die beiden Unternehmer jedoch erst ihre Ehefrauen: Procters Frau Olivia und Gambles Gattin Elizabeth Ann waren Schwestern. Der Vater der Bräute überzeugte Procter & Gamble, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen - damit war der Grundstein für das heutige Konsumgüterimperium gelegt.
Heute ist Procter & Gamble eines der größten Unternehmen an der New Yorker Wall Street.
Gemessen am Marktwert zählt der Konzern zu den zehn stärksten Aktienunternehmen im Leitindex Dow Jones Industrial Average.
Dafür sorgen unzählige Kunden auf der ganzen Welt - auch wenn nur wenige wissen, woher ihre Markenprodukte eigentlich kommen. Oft reicht aber ein kleiner Blick aufs Kleingedruckte.
(Foto: picture alliance / dpa)