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Muslime, die Geld anlegen wollen und sich Sorgen um ihre Altersvorsorge machen, haben ein Problem.

Aktien für gläubige Muslime: Die Welt des Islamic Banking

Muslime, die Geld anlegen wollen und sich Sorgen um ihre Altersvorsorge machen, haben ein Problem.

Denn weite Teile des modernen Finanzsystems sind mit den religiösen Vorstellungen vieler Muslime nicht vereinbar.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. bringt es auf den Punkt: "Grundsätzlich gilt im Islam das Zinsverbot".

Wer Glauben und Geldanlage in Einklang bringen will, dem setzt das islamische Recht der Scharia enge Grenzen: Verboten sind Spekulationen, Kreditgeschäfte und jegliche Finanzvorhaben, in denen Zinsen eine Rolle spielen.

Daneben halten sich strenggläubige Muslime an eine Reihe sozialer und ethischer Richtlinien, die ihnen zum Beispiel die Beteiligung an der Herstellung oder dem Vertrieb von Rüstungsgütern, Pornografie oder Alkohol verbieten.

Wie spart man da als religiöser Mensch? Wie sorgen die rund drei Millionen Muslime, die laut Bundesinnenministerium in Deutschland leben, fürs Alter vor?

Generell erlaubt sind die Finanzierung von Investitionen, Vermietungsgeschäfte und die direkte Beteiligung an Unternehmen, zum Beispiel in Form von Aktien.

Speziell auf islamische Anleger ausgelegte Aktienfonds - sogenannte schariakonforme Produkte - gibt es deshalb auch in Deutschland schon seit Jahren. Bei der Auswahl der Unternehmen überwacht meist ein religiöser Beirat die Arbeit der Fondsmanager.

Streng nach den Sharia-Regeln lässt die Deutsche Bank zum Beispiel den "CROCI Islamic Global Index" zusammenstellen. Das heißt: ...

... Für den Index kommen nur Firmen infrage, die weder mit Alkohol, Tabak, Drogen, Schweinefleisch, Waffen, Prostitution noch mit Glücksspielen Geld verdienen. Fast Food und Hotelketten fallen damit ebenso weg wie Airlines, Einzelhändler oder Flugzeugbauer.

Die Auswahlkriterien islamischer Anlageprodukte ähneln im Prinzip dem Aufbau von Ethik-Indizes und nach ethischen Gesichtspunkten zusammengestellten Aktienfonds.

Die strenge Vorauswahl nach den Regeln des Islam bietet unverhoffte Vorteile - auch für Ungläubige.

Denn Banken und stark verschuldete Unternehmen kommen von vornherein nicht in Frage. In turbulenten Phasen bleiben islamisch-orientierte Anlagen vergleichsweise stabil. Allerdings heben sie auch bei starken Aufwärtsbewegung nicht so schnell ab.

Auch der US-Indexanbieter Dow Jones unterhält einen Beraterstab, der die Marktexperten im Bereich der islamischen Geldanlage berät.

Weil es innerhalb des Islam verschiedenen Strömungen gibt und damit auch abweichende Auslegungen, rekrutiert Dow Jones die Mitglieder des Gremiums aus verschiedenen Regionen der Welt.

Daten zur Indexfamilie rund um den Islamic Market Index (DJIMSM) bietet Dow Jones bereits seit 1999 an. Die islamische Welt ist groß, die Anlagen und Subindizes reichen rund um den Erdball.

Deshalb kann es eingefleischte Börsianer nicht überraschen, das in den meist regional und nach Branchen diversifizierten Aktienfonds auch Titel auftauchen, die der Laie dort nicht vermutet hätte.

Ein kleiner Streifzug durch die Welt des scharia-konformen Investments:

Den Anfang macht ein Unternehmen aus dem Bereich der Spezialchemie für Lackhersteller, Lack und Kunststoffverarbeiter, Druck- und Kosmetikindustrie und die Elektroindustrie: Der deutsche MDax-Konzern ALTANA (DE0007600801).

Die Quandt-Erbin Susanne Klatten kündigt im November 2008 an, Altana für rund 910 Mio. Euro komplett übernehmen zu wollen. Der Kurs reagiert deutlich. Klatten besitzt bereits 50,1 Prozent an dem Unternehmen.

Damit endet auch das Engagement der muslimschen Altana-Aktionäre. Doch die haben ihr Vermögen ohnehin auch geografisch breit gestreut. Denn die Scharia-Experten suchen stets nach attraktiven Alternativen.

Keine Waffen, kein Schweinefleisch, kein Trinkalkohol? In Deutschland bietet sich da der im Dax notierte Chemiekonzern BASF (ISIN DE0005151005) an.

Unabhängig von der Eignung für islamische Anleger senkt BASF im November 2008 seine Gewinnprognose. In rund 80 Anlagen rund um die Welt ruht vorübergehend die Produktion. Der gemessen am Umsatz weltgrößte Chemiekonzern stellt sich auf härtere Zeiten ein.

Wer BASF-Aktien kaufen darf, dem steht auch DOW CHEMICAL (ISIN US2605431038) offen. Der US-Chemieriese versorgt die Welt unter anderem mit Silikon-Dichtungen, Farben, Agrar-Chemikalien und allerlei Plastik.

Chemische Produkte für die Landwirtschaft stellt auch der Schweizer Agribusiness-Konzern SYNGENTA (ISIN CH0011037469) her.

Neben der Chemiebranche gelten auch Unternehmen aus der Erdöl-Branche als Klassiker des islamischen Investments.

Aktienbesitz folgt dabei dem sogenannten Muscharaka-Prinzip: Unternehmer und Investor teilen sich anteilig Gewinn und Verlust aus dem laufenden Geschäft.

Rechtsgelehrte sehen darin weder Spekulation noch unzulässiges Zinsgeschäft. Die Anlage geht in Ordnung.

Der Beirat des "CROCI Islamic Global Index" gibt daher grünes Licht für ANADARKO PETROLEUM CORPORATION (ISIN US0325111070) - eines der größten unabhängigen Öl- und Ergas-Explorationsunternehmen der Welt.

Auch die APACHE CORPORATION (ISIN US0374111054) sucht weltweit nach fossilen Brennstoffen. Das Unternehmen wurde im Jahr 1954 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gegründet.

Das dritte Quartal schließt Apache mit einem Umsatz von rund 3,4 Mrd. US-Dollar und einem Nettogewinn von etwa 1,2 Mrd. Dollar ab.

Rohstoffe faszinieren muslimische Anleger. Allerdings können sich auch hier Hinderungsgründe ergeben. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel eine kreditfinanzierte Übernahme in größerem Ausmaß anstrebt, horchen Schariah-Experten auf.

So geschehen bei der weltgrößten Minengesellschaft BHP BILLITON (ISIN GB0000566504). Im November zieht BHP das 147-Milliarden-Angebot für Rio Tinto zurück. Neben der Finanzkrise verweist BHP zur Begründung auf die fallenden Rohstoffpreise.

Der Preisverfall im Rohstoffsektor schmälert auch den Ertrag des US-Ölkonzerns CHEVRON (ISIN US1667641005). Nach historischen Rekordgewinnen in den vergangenen Quartalen verfügt das Unternehmen aber über ein ansehnliches Polster.

Nicht viel anders ergeht es CONOCPHILLIPS (ISIN US20825C1045), der Nummer 3 unter den privaten Öl-Konzernen der Welt, ...

... dem italienischen Öl-Konzern ENI (ISIN IT0003132476), ...

... der britisch-niederländischen Unternehmung ROYAL DUTCH SHELL (GB00B03MLX29), ...

... , den Franzosen bei TOTAL (ISIN FR0000120271), ...

... dem kleineren US-Konzern OCCIDENTAL PETROLEUM (ISIN US6745991058) oder ...

... der weltweiten Nummer 1, dem US-Branchengiganten EXXON MOBIL (ISIN US30231G1022).

Und damit das Investment im Rohstoffbereich nicht zu öl-lastig wird, vertraut zumindest ein Schariah-Index zeitweise auch auf das Schweizer Bergbauunternehmen XSTRATA (ISIN GB0031411001).

Dass die Teilhabe am Ertrag eines Unternehmens nach den Kriterien der Schariah auch außerhalb des Rohstoffsektors funktioniert, weiß auch David Brennan, Chef des Pharmakonzerns AstraZeneca.

ASTRAZENECA (ISIN GB0009895292) kann in den ersten neun Monate des Jahres 2008 seinen Umsatz auf 23,4 Mrd. US-Dollar steigern. Nach Steuern verdient der Konzern in den ersten drei Quartalen 4,87 Mrd. Dollar.

Auf der Suche nach geeigneten Aktien sind die Anbieter in Japan auf ASTELLAS PHARMA (ISIN JP3942400007) gestoßen.

Auch der bald im Dax gelistete Kosmetikkonzern BEIERSDORF (ISIN DE0005200000) kann in den Augen der Beiräte bestehen.

Der US-Pharmakonzern BIOGEN IDEC (ISIN US09062X1037) liefert Medikamente zur Behandlung von Multipler Sklerose, Rheuma und Erkrankungen des Lymphsystems. Im dritten Quartal kommt Biogen auf einen Umsatz von rund einer Milliarde US-Dollar.

Nah an der Pharmabranche liegt der Geschäftszweck von BOSTON SCIENTIFIC (ISIN US1011371077), einem US-Unternehmen, das ...

... Medizintechnik wie endoskopische Gerätschaften oder auch Herzschrittmacher herstellt. Boston Scientific erzielt damit im dritten Quartal 2008 einen Umsatz von 1,98 Mrd. US-Dollar. Unter dem Strich steht jedoch keine schwarze Zahl.

BRISTOL MYERS SQUIBB (ISIN US1101221083) forscht nicht nur auf dem Feld der Krebs- und Aids-Therapie, sondern stellt in der Geschäftssparte "Nutritionals" unter anderem auch Babynahrung her.

Als islam-konforme Unternehmen aus dem Bereich Pharma und Healthcare gelten außerdem:

Der japanische Medikamentenhersteller DAIICHI SANKYO (ISIN JP3475350009) aus Japan, ...

.... der US-Pharmariese ELI LILLY (ISIN US5324571083), ...

... und der im Nikkei-225 gelistete Konzern EISAI (ISIN JP3160400002), der sich unter anderm auch auf Wirkstoffe zur Behandlung von Demenz spezialisiert hat.

FOREST LABORATORIES (ISIN US3458381064) aus den USA dagegen produziert neben Antidepressiva und Angst-Blockern unter anderem auch Generika und nicht-verschreibungspflichtige Mittel.

Eine Vorstellung von den herrschenden Größenordnungen im Pharmasektor vermittelt die Bilanz von JOHNSON & JOHNSON (ISIN US4781601046). Der US-Pharmazie- und Medizintechnikkonzern weist für 2007 einen Jahresumsatz von rund 61 Mrd. US-Dollar aus.

In derselben Liga spielt auch der US-Pharmakonzern MERCK & Co. (ISIN US5893311077).

Im Jahr 2007 setzt der drittgrößte unter den US-Pharmakonzernen 24,1 Mrd. Dollar um. Der Überschuss fällt im dritten Quartal 2008 um 28 Prozent. Unter dem Strich bleiben etwas mehr als eine Milliarde Dollar übrig. Merck reagiert mit einem umfangreichen Stellenabbau.

Wie islamische Indizes innerhalb einer Branche auch geografisch streuen, belegt die Aufnahme von NOVARTIS (ISIN CH0012005267). Der Schweizer Pharmakonzern kommt auf einen Jahresumsatz 2007 von 38,9 Mrd. US-Dollar.

Daneben geben islamische Experten ihren Segen für den dänischen Diabetes-Spezialisten NOVO NORDISK (ISIN DK0060102614), ...

... den US-Branchengiganten PFIZER (ISIN US7170811035) und den Impfstoff-Produzenten ....

... WYETH (ISIN US9830241009), ein US-Konzern der unter anderem auch Medikamente gegen Hauterkrankungen, Rheuma und Alzheimer anbietet.

Mit der Produktion von Reifen, Schläuchen und Schaumstoffen für Pkw, Lkw und Bussen sowie Industrie- und Agrarfahrzeugen qualifiziert sich dagegen der japanische Automobilzulieferer BRIDGESTONE (ISIN JP3830800003).

Einigen Anleger begegnet der Name Bridgestone auch bei ihren Freizeitaktivitäten. Die Japaner stellen unter anderem auch Golfbälle her.

Mit der Produktion von Kopierern, Druckern und Kameras steht der japanische Elektronik-Konzern CANON (ISIN JP3242800005) islamischen Anlegern ebenfalls offen.

Automobil-Zulieferer bereiten dagegen Kopfzerbrechen: Was Ingenieure für Pkws entwickeln, lässt sich theoretisch auch für Armee-Jeeps nutzen.

Rechtsexperten, Analysten und Anleger müssen daher von Fall zu Fall tief in die Bücher blicken. Und einzelne Aktien unter Umständen fallen lassen. Als scharia-konforme Autozulieferer gelten:

DENSO (ISIN JP3551500006) - der Konzern baut unter anderem Klimaanlagen für Pkw.

PPG INDUSTRIES (ISIN US6935061076) - ein global operierender Spezialist für Fahrzeuglacke und Sonnenschutzfolien.

ROHM AND HAAS (ISIN JP3982800009) - ein breit aufgestellter Mischkonzern aus Japan, der unter anderem Kunstleder für Fahrzeuge, Fahrbahnmarkierungen und Solarzellen herstellt.

Nicht gefallen wird es Anlegern, dass zu dem breit gefächerten Produktportfolio von Rohm and Haas auch Nachtsichtgeräte für den militärischen Gebrauch zählen.

Mit Werkzeugen, Bergbau-Equipment und Stahl-Legierungen bleibt der schwedische Konzern SANDVIK (ISIN SE0000667891) dagegen über alle Verdachtsmomente erhaben. Die Schweden liefern auch Hafenkräne, Untertage-Lkw und Bohr-Gestänge.

SCHNEIDER ELECTRIC (ISIN FR0000121972) beschränkt sich eher auf das Elektrische. Zu den Kunden zählen Öl-Förderer, Kraftwerksbetreiber, Kliniken und Wasser-Versorger. Umsatz 2007: 17,3 Mrd. Euro. Im Vergleich dazu der Umsatz von Siemens: 72,5 Mrd. Euro.

Neben Investments aus der chemischen Industrie, den Rohstoffen, der Pharma-Branche und den Zulieferern zieht vor allem ein weiterer Sektor islamische Anleger an: Konsumgüter.

So lange die körperliche Reize vor Fremden verhüllt bleiben, spricht auch nach strengster Auslegung nichts gegen Qualität und Luxus. Deshalb berücksichtigen einige islamische Produkte auch ...

... die US-Bekleidungskette Gap, ...

... THE GAP (ISIN US3647601083) ...,

... die US-Krad-Legende Harley-Davidson ....

... HARLEY-DAVIDSON (ISIN US4128221086), ...

... die US-Baumarktkette Home Depot ...

... HOME DEPOT (ISIN US4370761029) ...

... den weltgrößten Computerchip-Hersteller Intel ...

... INTEL (ISIN US4581401001) ...

.. die US-Drucker-Hersteller Lexmark ...

... LEXMARK (ISIN US5297711070) ...

... den US-Luxusgüterkonzern Limited Brands, der unter anderem auch Unterwäsche der Marke "Victoria's Secret" vertreibt, ...

... LIMITED BRANDS (ISIN US5327161072) ...

... den Küchen- und Haushaltsausstatter Masco ....

... MASCO (ISIN US5745991068), der übrigens im Jahr 2007 bei einem Umsatz von 11,7 Mrd. US-Dollar einen Überschuss in dreistelliger Millionenhöhe erzielt, sowie den US-Mischkonzern ...

... Ingersoll-Rand, der sein Hauptquartier auf den Bermudas hat und neben biometrischer Sicherheitstechnik auch Türschlösser, Klimanlagen und Golf-Carts anbietet.

INGERSOLL-RAND (ISIN BMG4776G1015)

Als scharia-konform gilt unter Experten auch der US-Spielzeugriese Mattel, ...

... MATTEL (ISIN US5770811025) ...

... der US-Handyhersteller Motorola ...

... MOTOROLA (ISIN US6200761095) ...

... der US-Sportartikelhersteller und Adidas-Konkurrent Nike ...

... NIKE (ISIN US6541061031) ...

... der finnische Mobilfunk-Branchenführer Nokia ...

... NOKIA (ISIN FI0009000681) ...

... der japanische Elektronik-Spezialist Sharp ...

... SHARP (ISIN JP3359600008) ...

... der US-Telekom-Konzern Sprint Nextel ...

... SPRINT NEXTEL (ISIN US8520611000) ...

... der schwedische Telekom-Konzern TeliaSonera ...

... TELIA SONERA (ISIN SE0000667925) ...

... der US-Heimausstatter und Bekleidungsdiscounter TJX, eine Einzelhandelskette, die wohlgemerkt keine Lebensmittel und damit weder Schweinefleisch noch Alkohol verkauft, ...

... THE TJX COMPANIES (ISIN US8725401090) ...

... der US-Datendienstleister TNS, der Zahlungsströme abwickelt und elektronische Handelssysteme anbietet, ...

... TNS (ISIN US8729601091) ...

.... und das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone.

... VODAFONE (ISIN GB00B16GWD56) ...

Einen winzigen, beispielhaften Einblick in die Welt des "Islamic Banking" - mehr kann dieser Streifzug nicht leisten. Immerhin stehen die Anlageprinzipien für ein Wertesystem, an dem sich weltweit mehr als eine Milliarde Menschen orientieren.

Die Auswahl basiert auf den einschlägigen Indizes - das heißt: Sie steht unter dem Vorbehalt von Fondsmanagern und Rechtsgelehrten. Änderungen sind möglich. Nicht jeder der genannten Unternehmen geht dauerhaft mit den Regeln des islamischen Rechts konform.

Ob ein Unternehmen auch in den Augen eines gläubigen Anlegers bestehen kann, muss letztendlich jeder für sich alleine entscheiden.

(Bilder von dpa, AP und rts / Zusammenstellung und Text: Martin Morcinek)

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