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Ohne Gummi läuft nichts: Die Welt der Reifen

 
Ohne Gummi läuft nichts: Die Welt der Reifen

Drei Entdeckungen haben dem Menschen den Weg in die moderne Zivilisation gebahnt: Die Sprache, das Feuer und das Rad.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts tragen Räder aus Gummi große Teile des Warenverkehrs.

Reifen rollen auf Asphaltpisten, über Schotterstrecken, auf Landebahnen und durch Äcker.

Die Technik der Maschine kann noch so modern sein: Ohne Pneus bewegt sich nichts.

Reifen gibt es in allen Größen: Je nach Einsatzzweck wühlen sie durch Schlamm, Sand, Eis, Schnee oder eisenhaltigen Staub.

Sie transportieren Erze, Kinder, Kranke, Liebende, Rennfahrer oder Regierungschefs.

Die luftgefüllten Spezialprodukte aus vulkanisiertem Kautschuk tragen das Gewicht des Fahrzeugs, halten den Fahrer in der Kurve und bringen die Kraft des Motors auf die Straße.

Die wichtigsten Rohstoffe bei der Reifenherstellung sind Erdöl und Naturkautschuk.

Natürlicher Kautschuk ist ein nachwachsender Rohstoff.

In zum Teil riesigen Plantagen ritzen Erntehelfer die Rinde des Kautschukbaumes an, um den austretenden Latexsaft in kleinen Gefäßen zu sammeln.

Die wichtigsten Anbauländer sind Thailand, Indonesien, Malaysia, Indien und China.

Auch in Brasilien und einigen Regionen Afrikas wird der Kautschuk-Saft im großen Stil gesammelt, eingekocht und zu Ballen gepresst.

Gleichzeitig sind in den Industriestaaten fernab der natürlichen Anbaugebiete Fabriken entstanden, die den gewaltigen Gummibedarf der Industrie mit künstlichem Kautschuk decken.

Synthetischer Kautschuk besteht zum Großteil aus Rohöl-Produkten. In der Reifenherstellung hatte der Kunstgummi den Naturkautschuk fast schon verdrängt.

Der Anstieg der Ölpreise am Weltmarkt macht den Rohstoff aus den Großplantagen wieder konkurrenzfähig.

Schnell kommen die Schwellenländer ins Spiel: Mit den Verkaufszahlen der Autobauer in Märkten wie Brasilien, Russland, Indien oder China geht die Reifen-Nachfrage steil nach oben.

Weil die Produktionskosten beim synthetischen Kautschuk mit dem Ölpreis anziehen, klettert auch der Preis für natürlich gewonnenen Kautschuk. Im Bild: Rohöl der Nordseesorte Brent (ISIN XC0009677409).

Was für Plantagenbesitzer gut ist, frisst bei den Reifenmachern an den Margen. Die Hersteller verarbeiten beide Materialien - und versuchen die steigenden Rohstoffkosten an die Kunden weiterzureichen.

In den vergangenen Jahren haben sich die Preise für Naturkautschuk vervielfacht. Inzwischen kostet eine Tonne der wertvollen Gummimasse je nach Kontrakt bis zu 3750 US-Dollar.

Thailand ist der weltgrößte Kautschuk-Exporteur. Der Preis für thailändischen Kautschuk gilt als richtungsweisend für den Weltmarkt. Wichtigster Handelsplatz ist die Terminbörse Sicom in Singapur.

An den Preisen, die dort aufgerufen werden, müssen sich die Einkaufsmanager in der gummiverarbeitenden Industrie orientieren.

Insgesamt wird der Reifenmarkt von drei großen Konzernen dominiert: Das sind ...

... Bridgestone aus Japan, ...

Bridgestone (ISIN JP3830800003) / Umsatz Q1: rund 5,9 Mrd. Euro

... Michelin aus Frankreich und ...

Michelin (ISIN FR0000121261) / Umsatz Q1: 3,9 Mrd. Euro

... Goodyear aus den USA.

Goodyear (ISIN US3825501014) / Umsatz Q1: rund 3,5 Mrd. Euro

Hinter den großen Drei ringen weitere Mitbewerber um Kunden und Marktanteile.

Als Nummer 4 im Reifenmarkt gilt der deutsche Autozulieferer Continental.

Mit der Produktion von Reifen und Schläuchen für Pkw, Motorräder, Busse, Lkw und andere Nutzfahrzeuge kommt die ...

... Gummi-Sparte des hoch verschuldeten Konzerns im ersten Quartal 2010 auf ein Umsatz von 2,2 Mrd. Euro.

Continental (ISIN: DE0005439004)

Dahinter rangieren der Mailänder Reifenspezialist Pirelli ...

Pirelli (ISIN IT0000072725) / Umsatz Q1: 1,2 Mrd. Euro

... und die im Nikkei 225 gelistete Yokohama Rubber Company.

Yokohama (ISIN JP3955800002) / Umsatz Q1: rund 0,8 Mrd. Euro

Anleger, die sich für Gummi-Preise generell interessieren, könnten auch an ganz anderer Stelle fündig werden.

Unternehmen aus der Chemiebranche beliefern den Markt mit synthetischem Kautschuk.

Der Weltmarktführer im Geschäft mit dem künstlichen Gummi sitzt in Deutschland: Die steigende Nachfrage nach Produkten wie diesem Kautschukgranulat bescheren dem Chemiekonzern Lanxess im ersten Quartal ein Umsatzplus von 53 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro.

Lanxess (ISIN DE0005470405) / Konzernumsatz Q1: 1,6 Mrd. Euro

(Stand: 1. Juni 2010 / Text: Martin Morcinek)

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