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Voller Logo-Einsatz in Südafrika: Die WM der Sponsoren

 
Voller Logo-Einsatz in Südafrika: Die WM der Sponsoren

Südafrika ist ein fußballbegeistertes Land. Schon Wochen vor der WM strömen die Fans in die neu errichteten Stadien, wie hier im April zum U20-Spiel gegen Nigeria in Green Point - zu diesem Zeitpunkt noch ein nahezu werbefreies Oval.

Denn für den Fußballverband Fifa und die zahlreichen Sponsoren ist die Weltmeisterschaft im Süden Afrikas nicht nur ein internationaler Sportwettbewerb, sondern vor allem ein kommerzielles Großereignis.

Rund um den Globus richten sich die Augen auf die goldene Siegestrophäe. Sie bildet den emotionalen Mittelpunkt aller Fan-Phantasien und steht damit im Zentrum einer gewaltigen Werbeschlacht.

Die Sportartikelhersteller betreiben viel Aufwand, damit der Markenname und das Logo im richtigen Moment im Blickfeld der Kameras auftaucht.

Einen guten Vorsprung bei der WM 2010 hat sich Adidas gesichert: Der Dax-Konzern aus Herzogenaurach stellt den offiziellen WM-Ball.

Adidas gilt als Marktführer im Fußball-Segment. Die drei berühmten Streifen begleiten die deutsche Mannschaft seit 1954, dem Jahr des "Wunders von Bern".

Im Wirbel der aktuellen WM-Begeisterung will Adidas das kugelrunde Sportgerät mit Namen "Jabulani" rund 13 Mio. Mal verkaufen.

Im deutschen Markt geht der Original-Ball zum offiziellen Stückpreis von 119,95 Euro über die Ladentheke.

(Der größte WM-Ball überhaupt - eine aufblasbare Attrappe - steht übrigens im deutschen WM-Trainingslager in Eppan in Südtirol, aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache.)

Die WM 2010 sorgt schon jetzt für einen kräftigen Umsatzschub - nicht nur bei Adidas.

Mit dem Rückenwind aus Südafrika hofft Konzernchef Herbert Hainer im laufenden Jahr allein im Bereich Fußball auf einen Rekordumsatz von 1,5 Mrd. Euro.

Das wären 200 Mio. Euro mehr als zur Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz. Damals, 2008, lag der Umsatz bei 1,3 Mrd. Euro.

Abgesehen vom offiziellen WM-Ball liefert Adidas die Trikots für zwölf der 32 Mannschaften.

Getragen von der Fan-Begeisterung will Adidas in diesem Jahr insgesamt 6,5 Mio. Fußballhemden in den jeweiligen Mannschaftsfarben verkaufen.

Während der WM 2006 in Deutschland hatte Adidas drei Millionen Trikots verkauft.

Die Ziele sind hoch gesteckt - für die Spieler ebenso wie für das Marketing. Ein frühes Aus der deutschen Mannschaft wäre für Adidas eine mittlere Katastrophe - zumindest im Hinblick auf die WM-Begeisterung im deutschen Markt.

Allzu schlimm wäre eine Niederlage gegen Ghana allerdings nicht gewesen - zumindest für Adidas.

Denn das Firmenlogo der Nummer zwei unter den weltgrößten Sportartikelherstellern prangt auf den Trikots so unterschiedlicher Teams wie das der Griechen, ...

... der Japaner, ...

... Nigerianier, ...

... Mexikaner, ...

... Paraguayer, ...

... Slowaken, ...

... Dänen, ...

... Franzosen, ...

... Südafrikaner und ...

... - weil auch das Geschäft von Adidas vom Siegen lebt - auch auf den Hemden der Spanier und denen der ...

... Argentinier. Damit bleibt für Adidas die eine oder andere Chance auf den Titel.

Und die deutsche Mannschaft spielt ja auch noch mit.

Gruppengegner Ghana lief in Trikots des Adidas-Erzrivalen Puma auf.

Der Sportausrüster hat seinen Sitz ebenfalls im fränkischen Herzogenaurach. Gründer Rudolf Dassler blieb zeitlebens mit seinem Bruder Adolf Dassler, dem Adidas-Gründer, zerstritten.

In Trikots von Puma treten die Nationalspieler Uruguays an. Daneben prangt das stilisierte Raubtier im Sprung auf den Hemden der ...

... Schweizer ...

... der Kameruner, ...

... der Ivorer, ...

... die Algerier und - nicht zuletzt - ...

... auch auf der offiziellen Ausstattung der Italiener.

Ein weiterer WM-Favorit ging den beiden deutschen Rivalen allerdings durch die Lappen.

Die brasilianische Nationalmannschaft hüllt sich in Sportbekleidung von Nike.

Der US-Konzern gilt mit einem Jahresumsatz von 19,2 Mrd. Dollar (Geschäftsjahr 2009/10) als weltgrößter Sportartikelhersteller.

Bei der WM 2010 setzen die Nike-Strategen auf eine hoch interessante Team-Auswahl.

Ausrüsterverträge mit den Mannschaften aus Slowenien, ...

... Serbien, ...

... Neuseeland, ...

... Südkorea ...

... und Australien sichern Nike ein breites Standbein.

Als Geste an das Heimatland stattet Nike selbstverständlich das US-Team aus - alles andere wäre für die Amerikaner ein Affront.

Und dann wären da noch Portugal und ...

... das Team der Niederlande, mit denen sich Nike Chancen auf das Endspiel ausrechnen kann.

Den Schweiß der Schiedsrichter nehmen übrigens Textilien des offiziellen Fifa-Partners Adidas auf.

Offizieller Ausrüster der Nordkoreaner ist die italienische Sportmarke Legea. Die Schuhe stellt unbestätigten Angaben zufolge die HongXing Erke Group, ein Sportartikelhersteller aus China.

Die Chilenen vertrauen in Trikotfragen auf den US-Laufschuhspezialisten Brooks aus Seattle.

Joma, ein Sportartikelhersteller aus dem spanischen Toledo kümmert sich um Honduras. Mit den Schuhen, die Stürmer David Suazo hier trägt, schafft es auch noch der japanische Ausrüster Asics aus Kobe bis ins Bild.

Und dann wäre da noch Deurtschlands Gegner im Achtelfinale: Englands Elf trägt Umbro, eigentlich eine der ehrenwerten britischen Traditionsmarken. Die gehört allerdings seit Herbst 2007 zum US-Imperium von Nike.

Die Schuhe der englischen Mannschaft kommen dann auch aus den USA. Weil die Konkurrenz aus Deutschland den Ball stellt, ist die Fußbekleidung das wichtigste WM-Vorzeigeprodukt der Amerikaner. Der "Nike Total90 Laser Elite FG" kostet im deutschen Handel rund 325 Euro.

Wer angesichts dieser Zahlen Respekt vor den geschäftlichen Perspektiven der Sportartikelhersteller verspürt, der kann sich den Aktienkurs der Unternehmen näher anschauen.

Die Aktie des Sportartikelherstellers ADIDAS (ISIN: DE0005003404) hat in den Monaten vor der WM deutlich zugelegt. Händler sprechen von einem positiven WM-Effekt.

Herbert Hainer, Chef des Weltkonzerns aus Herzogenaurach, denkt dagegen schon längst an die Zeit danach. Denn neben Fußbällen und ...

... und Turnschuhen tragen vor allem die Modelinien mit den Marken adidas, Reebok und Taylormade zum Geschäftserfolg bei.

Weitgehend unabhängig von medialen Großereignissen kommt der Rivale von Puma und Nike 2009 auf einen Umsatz von rund 10,4 Mrd. Euro.

Auch die Papiere von Marktführer NIKE (ISIN US6541061031) ziehen im Vorfeld der WM deutlich an.

Im vierten Quartal des Nike-Geschäftsjahres 2009/10 haben die Amerikaner mehr verdient und umgesetzt als im Vergleichszeitraum aus dem Vorjahr.

Der Nettogewinn steigt von 341,4 Mio. Dollar auf 521,9 Mio. Dollar, teilt der weltgrößte Hersteller von Sportschuhen und -Kleidung mit.

Nike legt seine Zahlen just an dem Tag vor, an dem US-Stürmer Landon Donovan die Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten ins Achtelfinale schießt - in buchstäblich letzter Minute.

Die Nummer drei im Markt der großen Sportartikelhersteller, das deutsche Unternehmen PUMA mit Sitz in Herzogenaurach, ruht fest in den Händen der Franzosen.

Der Luxusgüter- und Handelskonzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR, ISIN: FR0000121485) hält seit 2007 die Mehrheit der Puma-Anteile.

Im Jahr 2009 kommt Puma auf einen Umsatz von 2,5 Mrd. Euro. Für das Jahr 2010 rechnet Puma-Chef Jochen Zeitz mit einem leichten Umsatzplus - wenn es mit der wirtschaftlichen Erholung weitergeht, schränkt er ein.

Auf Zwölfmonatssicht hält sich die Puma-Aktie (ISIN: DE0006969603) recht wacker.

Hilfreich für alle Beteiligten wäre es sicherlich, wenn am Ende in Südafrika auch das Ergebnis der deutschen Mannschaft stimmt - denn Deutschland stellen sowohl für Puma und Adidas als auch für Nike einen der wichtigsten Absatzmärkte dar.

(Text: Martin Morcinek / Stand: Juni 2010)

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