Banken unter Beobachtung: Die Moody's-Liste
Kurz nach Börsenschluss am 22. Juni 2012 an der Wall Street ist es soweit: Die Ratingagentur Moody's verteilt neue Noten für eine Auswahl international führender Großbanken.
Kurz nach Börsenschluss am 22. Juni 2012 an der Wall Street ist es soweit: Die Ratingagentur Moody's verteilt neue Noten für eine Auswahl international führender Großbanken.
Der Schritt kommt nicht ohne Vorwarnung: Bereits im Februar kündigt Moody's an, dass die Einstufung der Kreditwürdigkeit für mehr als 100 Banken weltweit auf dem Prüfstand stehen.
Die Banken halten dagegen und versuchen, die Sache herunterzuspielen. Einzelne Geldhäuser brüsten sich damit, ihre Kapitalbasis sei mehr als robust und ihre Kassen so gut gefüllt wie seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr.
Dann kommt der Paukenschlag: Pünktlich zum ersten Euro-Finanzministertreffen nach der Griechenland-Wahl und flankierend zu den Spanien-Sorgen gibt Moody's die Bankenratings bekannt.
Das Aufsehen ist groß: Betroffen sind fünf Häuser aus den USA, eine Bank aus Kanada, drei Finanzkonzerne aus Großbritannien, drei aus Frankreich, zwei aus der Schweiz und eine international agierendes Adresse aus Deutschland.
Das Langfrist-Rating der Deutschen Bank sinkt im Bewertungsschema von Moody's von "Aa3" auf "A2". Der Ausblick sei stabil, heißt es.
Die Note der Schweizer UBS sinkt parallel ebenfalls auf "A2".
"Viele dieser Unternehmen verlassen sich auf ihre Aktivitäten am Kapitalmarkt, um die Erwartungen der Aktionäre zu befriedigen", argumentiert Moody's.
Dieses Urteil gilt auch für die Credit Suisse.
Die Herabstufung der drei französischen Banken kommt wenig überraschend: Angesichts der Schuldenkrise in Nachbarländern wie Spanien und Italien zweifeln Investoren längst daran, ob Pariser Finanzkonzerne verschärften Turbulenzen gewachsen wären.
Die Ratingnoten für BNP Paribas und Credit Agricole (CA) fallen ebenfalls von "Aa3" auf "A2" - allerdings mit einem kleinen Ausrufezeichen: Den Ausblick für CA deklariert Moody's als "negativ".
Societe Generale sinkt in der Bonitätsbewertung von "A1" auf "A2", der Ausblick bleibt stabil.
In London trifft die Moody's-Aktion unter anderem das Schwergewicht HSBC. Die Kreditwürdigkeit der Großbank-Holding bekommt ein "Aa3". Der Ausblick ist "negativ".
Barclays sinkt in den Augen der Analysten um zwei Stufen von "A1" auf "A3". Der Ausblick auch hier: "negativ".
Das Rating der Royal Bank of Scotland (RBS) stuft Moody's von "A3" auf "Baa1" herab. Ausblick: "negativ".
In Toronto büßt die Royal Bank of Canada (RBC) zwei Notenstufen ein: von "Aa1" auf "Aa3". Den Ausblick beurteilt Moody's als "stabil".
Für manche Beobachter unerwartet kommt das "Downgrade" für die betroffenen US-Banken.
An der Wall Street trifft es fünf der sechs größten Banken des Landes hart: Bank of America, Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und die Citigroup.
Das Rating der Bank of America rutscht um eine Stufe von "A2" auf "A3" auf, der Ausblick bleibt stabil. Die hinter der Bank stehende Corporation verliert bei der Kreditwürdigkeit von "Baa1" auf "Baa2", Ausblick "negativ".
Für Goldman Sachs geht es auf der Ebene der operativen Geschäfte bei stabilem Ausblick von "Aa3" abwärts auf "A2". Das Rating der Gruppe fällt von "A1" auf "A3". Der Ausblick: "negativ".
JP Morgan steuert künftig mit einem um eine Stufe abgesenkten Rating "A2" über den Kapitalmarkt, Ausblick: "negativ".
Die Bank des Konzerns bekommt eine stabile "Aa3".
Das Bankgeschäft Morgan Stanley verliert im Ansehen der Analysten von "A1" auf "A3", Ausblick "stabil". Auf Konzernebene büßt das Haus von "A2" auf "Baa1" ein, Ausblick: "negativ".
In einer ersten Stellungnahme beklagt Morgan Stanley, dass die neue Bewertung nicht alle strategischen Maßnahmen berücksichtige, die das Haus bereits in den vergangenen Jahren ergriffen habe.
Scharf reagiert auch die Citigroup: In der Bewertung entzieht Moody's dem Finanzkonzern zwei Notenstufen: von "A3" auf "Baa2". Der Ausblick bleibt "negativ".
Citigroup-Chef Vikram Pandit sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt - und reiht sich damit ins Lager der Rating-Kritiker aus einzelnen europäischen Schuldenstaaten ein.
Citigroup ist "fest davon überzeugt, dass die Abwertung (...) unbegründet und völlig ungerechtfertigt ist", heißt es. Darüber hinaus habe Moody's die jüngsten Fortschritte nicht berücksichtigt. Der Bewertungsansatz der Agentur sei "rückwärtsgewandt".
So ähnlich haben auch schon Regierungsvertreter in Lissabon, Paris und Madrid protestiert, als Ratinganalysten Hand an ihre Bonitätseinstufung gelegt hatten. Genützt haben solche Proteste bislang wenig.
Jetzt ist es am Markt und seinen Anlegern, wie sie mit den neuen Meinungsäußerungen von Moody's umgehen.
(Quellen: DJ/rts/Moody's Investors Service, Global Credit Research; Stand: Juni 2012)
(Foto: AP)