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Glanz und Patina: Die Escada-Geschichte

 
Ende eines Modehauses

Nach einem harten Bietergefecht liegt das Schicksal von Escada nun in den Händen der Familie des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal.

Escada wird an einen Trust der Familie Mittal verkauft. Aber keine Sorge: Die Kleider werden nicht in den Stahlschmelzen landen.

Denn Familienoberhaupt und Stahlmogul Lakshmi Mittal hat nicht vor, die Branche zu wechseln und in Mode zu machen.

Das überlässt er lieber seiner hübschen Schwiegertochter Megha Mittal. Die 33-jährige ehemalige Investmentbankerin war die treibende Kraft hinter der Übernahme. Sie möchte bei Escada ihr Interesse an der Modebranche ausleben.

Bei der Mitarbeiterversammlung wurde Megha Mittal mit großem Jubel und vielen Freudentränen empfangen. "Es war eine sehr emotionale Veranstaltung", sagte Betriebsratschefin Ursula Dreyer.

Rund 30 Jahre nach der Gründung steht die Modemarke, die einst in einer Liga mit Luxuslabels wie Louis Vuitton, Hermès oder Prada spielte, damit vor einem Neustart. Wie konnte es dazu kommen?

Früher trug selbst Prinzessin Diana die Mode aus München und machte sie damit in aller Welt bekannt, ...

... heute ist der Hersteller von Damenmode durch jahrelanges Missmanagement, ständige Vorstandswechsel und Modesünden ein Sanierungsfall.

Anders als viele andere Firmen kann Escada nicht die Finanzkrise für den Niedergang verantwortlich machen. Selbst auf dem Höhepunkt des Wirtschaftsbooms hatte Escada Probleme, genügend Kundinnen für die Kleider zu finden.

Nicht, weil sie ihnen mit Preisen von mehreren Tausend Euro oder mehr zu teuer waren - sondern weil sie ihnen einfach nicht gefielen oder wegen veränderter Schnitte nicht passten.

Seit Jahren lebte Escada vor allem vom Glanz der alten Tage und zehrte vom Klang einer Weltmarke.

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre feierte der Münchner Luxusmode-Hersteller Escada unter seiner preisgekrönten Chefdesignerin und Mitgründerin Margaretha Ley große Erfolge.

Damals dominierte das Haus die Szene und verhalf Hollywood-Stars wie Kim Basinger oder Demi Moore auf dem roten Teppich zu Glanz. Hier Kim Basinger bei der Oscar-Verleihung 1998 in einem eigens für sie entworfenen Kleid.

Topmodels wie die heutige First Lady Frankreichs, Carla Bruni, hier in München 1997, oder ...

... Linda Evangelista im selben Jahr in Zagreb, Kroatien, liefen für die Marke.

In der deutschen High Society bot Escada das richtige Stöffchen für den großen Anlass, hier bei der Hochzeit von Michael Käfer 1998.

Auch in den letzten Jahren hüllten sich zwar Stars wie Angela Bassett, ...

... Naomi Watts, ...

... oder Katherine Heigl in Escada, ...

... doch der Glanz begann zu schwinden. (Ralf und Cora Schumacher 2002 in Salzburg - Cora trägt ein kurzes Brautkleid von Escada.)

Auch der frühere Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer, der im vergangenen Jahr als Sanierer zu Escada geholt wurde, schaffte nicht mehr die Wende.

Stolz präsentierte er die erste Kollektion unter seiner Leitung. Sie kam bei den Einkäufern aus New York, Moskau und Mailand sogar gut an - für eine Trendwende war es da aber schon zu spät.

In seiner Not unternahm Escada noch einen letzten Versuch, sich von der Schuldenlast zu befreien: Den Anlegern einer Anleihe machte das Unternehmen den Vorschlag, auf einen Großteil ihres Geldes zu verzichten, um sich damit an der Sanierung zu beteiligen. Diese Rechnung ging aber nicht auf.

Nur 46 Prozent der Gläubiger gingen auf die Offerte ein. Damit war das selbst gesteckte Ziel von 80 Prozent verfehlt und der Insolvenzantrag beschlossene Sache.

Bitter ist der Niedergang und der Verkauf an Mittal vor allem für Firmengründer Wolfgang Ley, der mit Escada sein Lebenswerk verliert. Er hatte die Firma zusammen mit seiner Frau Margaretha aus der Taufe gehoben, einem aus Schweden stammenden Mannequin.

1979 präsentierte das Paar seine erste Kollektion unter dem Namen Escada. Als seine Frau 1992 starb, führte Wolfgang Ley Escada allein weiter.

Schon damals kämpfte der Modekonzern zeitweise mit hohen Verlusten und bekam eine Sanierungsprogramm und den Abbau von fast 2000 Stellen verordnet. Aber auch in späteren Jahren durchlief das Unternehmen Schlankheitskuren.

2006 übergab Ley den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Frank Rheinboldt, der aber nach einem Machtkampf mit dem russischen Hauptaktionär Rustam Aksenenko um die Neuausrichtung des Konzerns seinen Posten an den Louis-Vuitton-Manager Jean-Marc Loubier abgeben musste.

Die Tchibo-Eigner Wolfgang und Michael Herz holten dann nach ihrem Einstieg bei Escada Mitte vergangenen Jahres den früheren Hugo-Boss-Chef Sälzer an die Spitze des Konzerns - eine Entscheidung, die auch der Firmengründer lobte.

"Ich weiß, dass mein Baby jetzt in guten Händen ist", sagte Ley in einem Interview. Bleibt abzuwarten, welche Pläne der neue Eigentümer Mittal mit dem traditionsreichen Modehaus hat.

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