Geschäftsflüge, Luftfracht, Tourismus: Wenn es Unternehmen und Verbrauchern schlecht geht, leidet auch die Luftfahrtbranche.
Das bekommt auch der europäische Flugzeugbauer Airbus zu spüren: Als Gradmesser für Erfolg und Misserfolg gilt in der Branche die Anzahl der neubestellten Maschinen.
Im globalen Wettstreit um Kunden und Marktanteile konkurriert Airbus mit dem US-Flugzeugbauer Boeing.
Airbus - immerhin die umsatzstärkste Sparte des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS - schickt dazu seine 300er-Modelle ins Rennen.
Die Luftfahrtbranche nimmt wenig Rücksicht: Den Zuschlag erhält nur derjenige Hersteller, der den Bedürfnissen der Fluggesellschaften in punkto Kostenffizienz und Größe möglichst umfassend entgegen kommt. Airbus tritt mit einer sorgsam aufgefächerten Produktpalette an. Ein Überblick:
Geplant und entworfen in den 1960er Jahren: Die A300, das erste zweistrahlige Großraumflugzeug. Erstflug: Oktober 1972.
Fortschritt im Cockpit: Ab 1979 fliegen Passagierjets wie die A300 dank Elektrik und moderner Sensortechnik ohne das bis dahin obligatorische dritte Crew-Mitglied.
Im Juli 2007 liefert Airbus die letzte Maschine der A300er Reihe, eine A300-600, an den Logistiker Fedex.
Airbus hat die A300 speziell auf die Bedürfnisse des wichtigen US-Markts ausgerichtet. Bald schon kreuzt der Mittelstreckenjet auch am Himmel über Europa auf. Im Bild eine A300-600 der Deutschen Lufthansa.
Bei Airbus zählen A300 und das Nachfolgermodell A310 zur selben Familie. Der Flugzeugbauer geht davon aus, dass Maschinen beider Typen noch bis ins Jahr 2050 als Frachtflieger im Einsatz bleiben.
Eine der ersten jemals gebauten A300er kommt mittlerweile im ZeroG-Programm zum Einsatz: Die Piloten zwingen die Maschine dabei in den exakten Parabelflug. An Bord des Großraumjets herrschen so für bis zu 25 Sekunden Bedingungen der vollkommenen Schwerelosigkeit.
Eine ganz andere Klasse eröffnet die A318.
Hier das Interieur der Luxusausführung "A318 Elite".
Airbus gibt sich stets bemüht, die Kundschaft auf das vergleichsweise großzügige Platzangebot der Passagierkabine hinzuweisen.
Sowohl A318 als auch A319 zählen - zumindest nach der Airbus-Logik - zur A320-Familie.
Im Bild setzt eine A319 der Chongqing Airlines zu Landung an.
Die chinesische Fluggesellschaft setzt diesen Typ vor allem in der innerchinesischen Tourismus-Kurzstrecke ein.
Mit der 319 bedient unter anderem auch die russische Airline KD Avia europäische Strecken.
Etwas länger als die A318 oder die A319: Die A320. Bahnbrechende Neuerung der A320-Familie war vor allem die sogenannte Fly-by-Wire-Technologie: Elektrik ersetzt mechanische Zugdrähte.
Airbus setzt ab dieser Baureihe außerdem auf das industrielle Prinzip, auch im Flugzeugbau möglichst viele Bauteile zu standardisieren.
Unter dem Stichwort "Commonality" erreicht der Hersteller dadurch Einsparungen in der Produktion, bei der Wartung und in der Schulung der Crew.
Deshalb soll es im Cockpit einer A320 nicht viel anders aussehen als an Bord einer A330, einer A340 oder sogar der A380. Der Kenner fühlt sich gleich wie zu Hause.
"Kommunalität" hin oder her: In Neuseeland begrüßte die Flughafenfeuerwehr im Jahr 2003 die erste A320 der Air New Zealand mit diesem bemerkenswerten Ritual.
Die A321 ist der größte Jet der A320-Familie. Nach Hersteller-Angaben verfügt das Modell über das beste Verhältnis zwischen Kosten und Anzahl der Sitzplätze je Flugmeile - zumindest in seiner Vergleichsklasse der Passagierflieger mit nur einem Mittelgang.
Mit der A321 liegt Airbus zumindest bei der Lufthansa offenbar genau richtig. Die größte deutsche Airline besitzt 34 Maschinen diesen Typs. Nur von der A320 besitzt die Airline mehr Flieger. Auch andere Gesellschaften finden den eher kompakten Allrounder gut. Im Bild schickt Airbus die 500. A321 auf die Reise. Kunde ist Air France.
Mit der A330/A340-Reihe setzt Airbus die alten Träume von der Modulbauweise in einer noch nie dagewesener Größenordnung um:
Auf Basis einer Standard-Flugzeugzelle baut Airbus sechs verschiedene Konfigurationen - je nach Kundenwunsch mit zwei oder vier Triebwerken.
So entstehen zum Beispiel die A330-300 mit einer Rumpflänge von knapp 64 Metern und ...
... einer Spannweite von 60,30 Metern oder die ...
... deutlich längere A340-500 mit einer Spannweitevon 63,45 Metern und einer Rumpflänge von 67,90 Metern.
Auf den gleichen Bauteilen beruht auch die A330-200. Im Bild ein Exemplar in der Lackierung der Greenlandair, die das Flugzeug unter eher extremen Klimabedingungen einsetzt.
Eine Maschine diesen Typs geht Anfang Juni mit 228 Menschen an Bord unter bislang ungeklärten Umständen über dem Südatlantik verloren.
Dabei gilt gerade die A330-200 allgemein als besonders sicher und zuverlässig (Simulation).
Länger als die A330 und mit vier statt nur zwei Triebwerken ausgestattet: die A340. Im Bild eine A340-200 der Fluggesellschaft Royal Jordanian.
Die Lackierung der Virgin Airlines hebt die vier Turbinengondeln der A340 farblich hervor.
Auf der Langstrecke fliegt auch die Deutsche Lufthansa mit der A340. Sie verfügt nach eigenen Angaben über 27 A340-300er und 24 von der längeren A340-600.
Zum Vergleich: Eine A340-300 ...
... und eine A340-600, die in Fachkreisen auch den Titel "Longest Airbus Airliner in Operation" trägt.
Alles in allem sieht es auch im A340er-Cockpit nicht viel anders aus als in den früheren Modellen. Hinter dem Piloten sitzen bei der A340-600 bis zu 306 Passagiere.
Mit der A350 rollt Airbus in eine günstige Startposition für einen breit angelegten Angriff auf den US-Flugzeugmarkt.
Die "A350 XWB" bezeichnet Airbus als "die Antwort auf die Forderung des Marktes nach hoch effizienten Langstrecken-Großraumflugzeugen mittlerer Passagierkapazität". Die Abkürzung XWB steht dabei für "Xtra Wide Body".
Im Klartext soll die A350 dem US-Rivalen Boeing wichtige Marktanteile abjagen (Simulation).
Der Erstflug des künftigen 787-Konkurrent wird frühestens im Frühjahr 2012 erwartet (Simulation).
Nach mehrfachem Aufschub setzt Boeing zum Erstflug seines Prestigeobjekts "787 Dreamliner" an. Noch im Juni 2009 soll es soweit sein, heißt es.
Unterdessen ist das größte Passagierflugzeug der Luftfahrtgeschichte - die Airbus A380 - bereits im Linienverkehr unterwegs. Im Bild berührt das Testmodell einer A380 zum ersten Mal in Charles De Gaulle den Boden.
"Mit dem Airbus A380 tritt ein Flugzeug in den Markt, dass nicht nur mit seiner Größe neue Maßstäbe setzt", heißt es nicht etwa im Airbus-Verkaufsprospekt, sondern in einer Denkschrift der Pilotenvereinigung Cockpit.
"Ob alles den hohen Erwartungen entspricht, bleibt abzuwarten, denn viele Neuerungen müssen auch durchaus kritisch gesehen werden", schreibt der Berufsverband der deutschen Verkehrsflugzeugführer.
"Das Cockpit der A380 ist eine Weiterentwicklung der bewährten 2-Mann-Cockpits aus den Airbussen A330 / A340", stellt Cockpit zufrieden fest (Simulation).
Wenn die A380 die Erwartungen im Alltagsverkehr nicht erfüllen kann, droht ein teures Debakel. Deshalb registriert der EADS-Hauptsitz Toulouse jede weitere Bestellung mit Erleichterung.
(Bilder von Airbus/dpa/EADS/rts / Text: Martin Morcinek)
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