Der Maschinen- und Anlagenbau ragt aus der Industrielandschaft heraus: Er bildet das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.
Der Maschinenbau beschäftigt mehr Menschen als der Automobilsektor, exportiert mehr Waren als die chemische Industrie und erwirtschaftet mehr Umsatz als die Elektrotechnik.
Maschinenbauer sind Spezialisten. Die Produktion in Großserien ist selten. Ein Großteil der Branche verteilt sich in die Fläche. In ländlichen Regionen finden Maschinenbauer oft optimale Bedingungen. Der Mittelstand dominiert die Branche:
Rund 88 Prozent der knapp 6000 deutschen Maschinenbauer zählen weniger als 250 Mitarbeiter. Die Betriebsgrößen sind übersichtlich, das Klima manchmal fast familiär. Das durchschnittliche Maschinenbau-Unternehmen beschäftigt laut Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) rund 154 Menschen.
In vielen Kommunen und Gemeinden sind Maschinenbauer fest verwurzelt und tragender Bestandteil der regionalen Wirtschaftsstruktur. Überall in Deutschland bieten die Maschinenbauer Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Zuletzt zählte die Branche insgesamt 976.000 Beschäftigte (Stand Dezember 2008).
Maschinen aus deutscher Produktion sind weltweit gefragt. Der deutsche Maschinenbau kommt auf eine Exportquote von gut 75 Prozent. Viele der kleinen und mittleren Unternehmen sind Weltmarktführer auf ihren Spezialgebieten.
Der Maschinenbau trägt einen guten Teil zur deutschen Exportleistung bei.
Wichtigster Markt für deutsche Maschinen ist Europa mit einem Anteil von rund 60 Prozent.
Der Rest geht in alle Welt. Im Jahr 2008 waren das insgesamt Waren im Wert von rund 145,6 Mrd. Euro.
Als größter industrieller Arbeitgeber hat der Maschinenbau nach Ansicht des Branchenverbands VDMA "quantitativ und qualitativ eine Schlüsselstellung in der deutschen Wirtschaft".
Auch im Wirtschaftsministerium sieht man den Maschinenbau "im Zentrum der industriellen Leistungsfähigkeit Deutschlands".
Wirtschaftswissenschaftler bezeichnen den Maschinen- und Anlagenbau als Kern der deutschen Investitionsgüterindustrie. Daneben rangieren als maßgebliche Größen die ...
... von Großkonzernen geprägte Automobilindustrie mit rund 700.000 Beschäftigten, ...
... die Elektrotechnik und Elektronik mit rund 800.000 Arbeitsplätzen, ...
... die Ernährungsbranche, die rund 400.000 Menschen beschäftigt, ...
... die chemische Industrie (ebenfalls rund 400.000 Arbeitsplätze) und ...
... das Baugewerbe mit rund 700.000 Jobs.
Das Ausland schätzt am deutschen Maschinenbau vor allem die Kompetenzen im Bau hochwertiger und komplexer Technologie-Güter.
Dabei können die Deutschen ihre Standortvorteile Ausbildungsniveau, Fachwissen und Erfahrung offensichtlich besonders gut zur Geltung bringen.
Forschungsgelder fließen im Maschinenbau dank kurzer Entscheidungswege oft direkt in die Praxis. Der VDMA bezeichnet die Branche vor diesem Hintergrund als "wichtigster Partner in der Entwicklung und Umsetzung von Innovationen".
Gerade weil der Mittelstand vorherrscht, bewegt sich der Maschinenbau allerdings oft außerhalbs des Sichtfelds kursorientierter Marktbeobachter.
Zu den wenigen börsennotierten Maschinenbauern zählt die im MDax gelistete Demag Cranes AG. Der Düsseldorfer Konzern baut Industriekräne, Hafenkräne und Technologie zur Hafenautomatisierung.
Der Kölner Motorhersteller Deutz stellt Aggregate für Baumaschinen, Nutzfahrzeuge und die mobile Stromerzeugung her. Die Deutz AG ist im SDax notiert.
Die Bochumer GEA Gruppe setzt sich aus mehr als 250 Unternehmen zusammen, die Spezialmaschinen für die Branchen Nahrungsmittel, Chemie, Petrochemie, Energie, Luftfahrt, dem Schiffbau, Pharma und Kosmetik bauen.
Im Geschäftsjahr 2008 erwirtschafteten die über 20.000 Mitarbeiter der GEA Group einen Konzernumsatz von rund fünf Milliarden Euro. GEA ist im MDax gelistet.
Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister mit Sitz in Bielefeld bezeichnet das Geschäftsjahr 2008 als "das beste Jahr in der 138-jährigen Unternehmensgeschichte". Umsatz und Auftragseingang lagen jeweils bei rund 1,9 Mrd. Euro.
Einfach ist die Lage auch für den Fräsmaschinen- und Drehbank-Spezialisten nicht: Die weltweite Werkzeugmaschinennachfrage ist nach Konzernangaben in den ersten Monaten des Jahres 2009 um 66 Prozent eingebrochen.
Der Bau von Druckereimaschinen hat im Mutterland Johannes Gutenbergs eine reiche Tradition. Das im MDax notierte Unternehmen Heidelberger Druckmaschinen entwickelt und produziert Präzisionsdruckmaschinen, Geräte zur Druckplattenbebilderung und zur Druckweiterverarbeitung. Außerdem liefern die Heidelberger die passende Software.
Die im Frankfurter Prime Standard notierte Klöckner Werke AG ist nach eigenen Angaben im Bau von Abfüll- und Verpackungsanlagen für die Getränkeindustrie Weltmarktführer. Mit 6400 Mitarbeitern kommt der Konzern 2008 auf einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro.
Die im SDax notierte Koenig & Bauer AG (KBA) zählt neben der Konkurrenz aus Heidelberg zu den größten Druckmaschinenherstellern der Welt.
Am Stammsitz in Würzburg lässt der Weltmarktführer für Spezialmaschinen im Banknoten- und Wertpapierdruck vor allem Zeitungsrotations- und Telefonbuchdruckmaschinen fertigen.
Der MDax-Konzern Krones plant, entwickelt und fertigt dagegen Maschinen und komplette Anlagen "für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik".
Wer immer also Bier, Wein, Limo, Medikamente oder Nahrungsmittel im industriellen Maßstab verpacken, abfüllen oder einwickeln will, hat bei Krones gute Chancen, die passende Maschine zu finden.
Bei Kuka denken, planen und schrauben mehr als 6000 Mitarbeiter an Robotern "zur Automation industrieller Produktionsprozesse". Die Geräte, die früher bei Autobauern höchstens Bleche stapeln und Schweißpunkte setzen durften, kommen mittlerweile in immer mehr Gebieten zum Einsatz.
So kann zum Beispiel "Cyberknife" Tumor-Patienten schmerzlos und ohne stationären Aufenthalt "an beliebigen Körperstellen" behandeln. Nach Angaben von Kuka ist der Roboter "das weltweit erste und einzige robotergesteuerte Radiochirurgiesystem". Das Augsburger Unternehmen ist Mitglied im MDax.
Einziger Vertreter der Maschinenbauer im Dax ist MAN.
Neben Nutzfahrzeugen produziert das Münchener Unternehmen auch Schiffsdiesel, stationäre Motoren, Kompressoren und Turbinen.
In den Maschinenbausparten MAN Diesel und MAN Turbo arbeiten rund 12.500 Menschen.
Kleiner und feiner geht es bei Manz Automation zu: Mit Robotertechnik, Bildverarbeitung, Laser und Steuerungstechnik baut das Reutlinger Unternehmen Spezialmaschinen für den Einsatz in der Solarbranche, in Laboren oder zum Bau von Flachbildschirmen.
MTU Aero Engines kann sich mit drei deutschen Standorten und weltweit rund 7500 Mitarbeitern als Deutschlands führender Triebwerkshersteller bezeichnen.
MTU baut zivile und militärische Luftfahrtantriebe sowie aus Flugtriebwerken abgeleitete Industriegasturbinen.
Bauteile von MTU drehen sich in Hubschrauber, Jagdfliegern und Seeaufklären.
MTU-Triebwerke sollen später auch den Militärtransporter A400M in die Lüfte heben.
Der TecDax-Konzern Nordex steht in dieser Aufzählung stellvertretend für die deutsche Windenergie-Branche.
Das 1985 im dänischen Give gegründete Unternehmen steuert seine Geschäfte aus Norderstedt bei Hamburg.
Produktionsstätten unterhält das Unternehmen mit rund 2150 Mitarbeitern in Deutschland und China.
Seine Rotorblätter verschifft der Konzern vom Standort Rostock aus in alle Welt.
Im Großküchenmarkt hat es der Landsberger Dampf-Techniker Rational bis an die Weltspitze gebracht: Rein rechnerisch stammt jeder zweite der rund um den Erdball betriebenen Profi-Dämpfer aus Landsberg am Lech.
Geleitet wird der MDax-Konzern von Günter Blaschke (im Bild). Firmengründer Siegfried Meister sitzt im Aufsichtsrat.
"Wir geben alles für nichts", heißt es bei Pfeiffer, dem im TecDax notierten Spezialisten für Vakuum-Technologie.
Vakuum-Bedingungen benötigen zum Beispiel Hersteller von Solarzellen, Halbleitern, DVDs, Wärmeschutzglas oder auch Brillengläsern.
Der Friedrichshafener MDax-Konzern Tognum bewegt sich mit Dieselmotoren, Energieanlagen, Gasturbinen und Brennstoffzellen zumindest teilweise in ähnlichen Märkten wie Deutz oder auch MAN.
Der kurze Ausflug in den deutschen Maschinenbau endet mit Vossloh, einem Traditionsunternehmen aus dem westfälischen Werdohl mit den Geschäftsbereichen Bahntechnik und Schieneninfrastruktur.
Mit knapp 4.700 Mitarbeitern kommen die rund 70 Gesellschaften der Vossloh-Gruppe auf einen Konzernumsatz von rund 1,2 Mrd. Euro.
Vossloh zählt damit zu den großen Maschinenbauern Deutschlands. Bei der Umsatzerwartung für das laufende Geschäftsjahr musste der Konzern zuletzt allerdings etwas zurückstecken.
Mit Loks, Weichen und Schienen könnte Vossloh künftig in der richtigen Spur liegen: Weltweit pumpen die Industrienationen per Konjunkturpaket Milliarden in den Ausbau ihrer Schieneninfrastruktur.
(Text: Martin Morcinek)
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