Rückblick in das Jahr 2008: Das Rennen um das Weiße Haus ist noch vollkommen offen. John McCain und Barack Obama liegen nahezu gleich auf.
Im Wahlkampf hören auch Aktienstrategen genau hin. Welchen Kurs werden die USA einschlagen? Welche Unternehmen werden profitieren?
November 2009: Die Finanzmärkte beben, die Börsenkurse rutschen. Die Krise bricht aus, Amerika wählt. Barack Obama erhält die meisten Stimmen.
Januar 2009: Der neue US-Präsident zieht in das Weiße Haus ein. Für Obama beginnt die Amtszeit mit Hiobsbotschaften, Milliardenpaketen und Krisensitzungen.
April 2009: Seit der Wahl sind 25 Wochen vergangen. Obama ist seit 100 Tagen im Amt. Wie schneiden die sogenannten "Obama-Aktien" ab? Ein Blick auf ausgewählte Titel, die vor der Wahl als zuverlässige "Demokraten-Papiere" galten, bringt einiges ans Tageslicht:
Archer Daniels Midland (ADM, ISIN US0394831020)
Archer Daniels Midland ist auf die Verarbeitung von Getreide und Ölsaaten spezialisiert.
Das sich abzeichnenden Wahlergebnis hat dem Kurs der ADM-Aktie sichtlich genutzt. Allerdings bewegt sich das Papier noch unter dem Niveau der Vorjahre. (Im Hintergrund ein ADM-Werk in Decatur, Illinois.)
Fannie Mae (ISIN US3135861090) - Auch für Anleger eine bleischwere Enttäuschung.
Wo das Papier in einem Obama-Aktienkorb enthalten war, ist es mittlerweile aus den Aufstellungen verschwunden.
Devry (ISIN US2518931033)
Devry, einer der größten privaten Bildungsträger der USA, gibt die perfekte Projektionsfläche für europäische Wunschvorstellungen an die Post-Bush-Ära ab. Unklar bleibt, auf welchen Wegen der Obama-Effekt auf die Ertragslage des Unternehmens einwirken soll. Die US-Anleger sehen das offenbar ähnlich.
First Solar (ISIN US3364331070)
Auch wenn Obama den Klimawandel in seiner Chicagoer Siegesrede nicht ausdrücklich erwähnt hat, gilt der Richtungswechsel in der Energiepolitik längst als ausgemacht.
Amerika müsse, so Obama vor seinen jubelnden Anhängern in Chicago, "neue Energien nutzbar machen und neue Arbeitsplätze schaffen". Auf Unternehmensebene kommt davon auch nach 100 Tagen noch nicht viel an. Die Aktien von First Solar ziehen zur Wahl zwar steil an, danach legen sich aber die Rezession über die Euphorie.
Ormat Technologies (ISIN US6866881021)
Ormat entwickelt und baut Geothermie-Kraftwerke, die die in der Erdkruste gespeicherte Wärme zur Energiegewinnung nutzen. Weil die Energie aus der Tiefe prinzipiell grundlastfähig ist, der erzeugte Strom also unabhängig von Sonne und Wind gleichmäßig fließt, sehen Experten hier ein großes Potenzial.
Vor der Wahl rutschten die Ormat-Aktien mit dem Gesamtmarkt steil ab. In den ersten 100 Tagen der Obama-Ära pendeln sie in einem breiten Korridor zwischen 18 und 28 Dollar.
Energy Conversion Devices (ISIN US2926591098)
In den Obama-Depots stehen neben dem Erdwärme-Spezialist Ormat auch Energy Conversion Devices (ECD) beispielhaft für die Branche der Erneuerbaren Energien. ECD sieht sich als Marktführer für kommerzielle Dachflächen-Anlagen in den USA. Die Aktien des Unternehmens standen allerdings vor der Wahl deutlich besser als danach.
Fuel Technologies (ISIN US3595231073)
Die Damen und Herren von Fuel Technologies (FTEK), einem an der Nasdaq gelisteten Hersteller von Katalysatoren zur Reinigung von Abgasen, können sich freuen - wenn sie Aktien halten. Seit dem Tiefstand nach der Wahl hat sich der FTEK-Kurs ungefähr verdoppelt.
General Electric (ISIN US3696041033)
Vor der Wahl sprach Obama davon, rund 150 Mrd. Dollar in den Ausbau von Windenergie, Solarzellen und Biodiesel lenken zu wollen. Beobachter suchten eilig nach Profiteuren und stießen dabei auf General Electrics (GE). Der Konzern ist in den USA führender Anbieter von Windturbinen.
Allerdings steht GE - immerhin einer der größten Mischkonzerne der Welt - viel zu breit, als dass ein eher kleines Geschäftsfeld die Bilanz in eine bestimmte Richtung heben könnte. Interessant sieht der Kurs der GE-Aktie dennoch aus.
Insteel Industries (ISIN US45774W1080)
Das Infrastruktur-Thema hat den Aktien von Insteel Industries, einem von mehreren Unternehmen aus dem US-Stahlsektor, zur Aufnahme in die Liga der Obama-Gewinnertitel verholfen.
Im Rahmen des Stimulus-Pakets stellt das Weiße Haus den Bundesstaaten fast 50 Mrd. Dollar für solche Baumaßnahmen zur Verfügung. Sobald Beton im Spiel ist, liefert Insteel Drahtseile und Armierungsmatten für Straßen, Tunnels und Brücken.
Teva Pharmaceutical Industries ADR (ISIN US8816242098)
Auch dem israelischen Generika-Spezialist Tevapharm (Archivbild v. 21. Februar 2007) trauten die Strategen zu, von einem Wahlsieg Obamas zu profitieren. Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung. Viele können sich Original-Medikamente nicht leisten.
SunPower (ISIN US8676521094)
Sowohl die Kursentwickung von Teva als auch die von SunPower zeigen in der Betrachtung über zwölf Monate einen klar ablesbaren Obama-Effekt. Ohnehin werden beide Papiere an den deutschen Börsen kaum gehandelt.
Hat sich die Börsenwette auf den Wahlsieg Obamas also generell nicht gelohnt? Nach den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit legt der Blick auf die Kurse nahe, dass der Einstiegszeitpunkt stärker ins Gewicht fällt als die Auswahl (Im Chart der S&500-Index über zwölf Monate).
Hoffnungen und Ergebnisse liegen eben oft weit auseinander. Das belegt nicht zuletzt auch die Gegenprobe.
Wie haben sich typische Aktien aus den "McCain-Depots" geschlagen?
Ganz oben auf der Liste stand Altria, der Nahrungs- und Genussmittel-Konzern, der unter anderem auch mit der Marke "Marlboro" kräftig verdient.
Altria (ISIN US02209S1033) - Das Muster wirkt vertraut: Kurz vor der Wahl geht es bergab, danach starke Schwankungen und erst ab März zeigen sich Anzeichen einer Erholung.
Auch bei Halliburton - hier stellvertretend für die übrigen Vertreter des Big-Oil-Sektors - lässt sich nur mit Vorsatz ein spezieller Präsidenteneffekt nachweisen.
Halliburton (ISIN US4062161017) - Schwerer scheint hier der Ölpreis zu wiegen und vor allem der Ausblick auf die konjunkturelle Entwicklung der Vereinigten Staaten.
Für den Rüstungskonzern Raytheon scheint es dagegen bereits wieder nach oben zu gehen.
Raytheon (ISIN US7551115071) - Investitionsfreudige Obama-Fans müssen sich also fragen, wie viel Einfluss die großen Weichenstellungen in Washington auf die Aktienkurse tatsächlich haben.
(Bilder von AP, Devry, dpa, Fueltech, rts / Text: Martin Morcinek)
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