Europas größter Auto-Konzern: Das Volkswagen-Imperium
Von Wolfsburg aus lenkt Volkswagen eine ganze Fahrzeugflotte an Marken und Gesellschaften.
Von Wolfsburg aus lenkt Volkswagen eine ganze Fahrzeugflotte an Marken und Gesellschaften.
Weltweit beschäftigt VW rund 370.000 Mitarbeiter. Ein kleiner Teil davon montiert im Stammwerk in der Autostadt zwischen Hannover und Berlin Modelle wie Golf und Tiguan.
Die Mehrheit der Mitarbeiter arbeitet jedoch in einer der 61 weiteren Fertigungsstätten des Konzerns, die sich über 15 Staaten Europas und 7 Ländern Amerikas, Asiens und Afrikas verteilen.
Am Steuer von Europas größten Automobilhersteller sitzt Konzernchef Martin Winterkorn. Stolz blickt der Auto-Manager auf einen Pkw-Weltmarktanteil von 11,4 Prozent.
An einem durchschnittlichen Arbeitstag rollen bei VW Konzernangaben zufolge weltweit rund 30.000 Fahrzeuge vom Band. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtausstoß bei 7,2 Millionen.
Das VW-Angebot reicht von bekannten Imageträgern der Kernmarke über Oberklassewagen, Luxuslimousinen und Edel-Sportwagen bis hin zu Nutzfahrzeugen aller Größenklassen.
Im Kern besteht der Konzern aus zwei Sparten: In der VW-Bilanz tauchen sie als "Financial Services" und "Automotive" auf.
Der Bereich Finanzdienstleistungen umfasst Finanzierungsangebote für Kunden und Händler, das Fahrzeug-Leasing, verschiedene Versicherungen, die Vermittlung von Versicherungen und eine eigene Bank.
Im Konzernberich Automobile fasst VW die Motorenentwicklung, das Fahrzeugdesign, die Produktion, das Marketing und den Verkauf von Fahrzeugen und Ersatzteilen zusammen.
Im Bereich Automobile finden sich auch die insgesamt neun Konzernmarken und Gesellschaften wieder.
Da wäre zum Beispiel VW Nutzfahrzeuge mit seinen Vans, Minibussen und Kleintransportern. Die Marke unterhält Werke in Hannover, im polnischen Poznan (Posen) und in Pacheco (Argentinien). Seit 2010 neu im Programm: ...
... Der VW-Pickup "Amarok", der in Argentinien und Deutschland gebaut wird. In dieser schwarz-gelb lackierten Version als "Follow-me"-Fahrzeug weist das neue Zugpferd am Flughafen Hannover auswärtigen Piloten den Weg zur richtigen Parkposition.
Ganz andere Kreise spricht VW mit Bentley an: Die britische Traditionsmarke hat ihren Sitz im Städtchen Crewe unweit von Manchester.
Der englische Edel-Hersteller gehört seit 1998 zu VW. Im vergangenen Jahr lag der Absatz bei 4800 Fahrzeugen. Neue Modelle wie der "Continental" und der neue "Mulsanne" sollen kaufkräftige Kunden anlocken. Bei Bentley arbeiten rund 4000 Menschen.
Ebenfalls im Luxus-Segment unterwegs, aber deutlich rasanter ist die VW-Marke Bugatti. Das Gewicht des Sportwagenbauers im Konzern bleibt allerdings gering: Bugatti beschäftigt im elsässischen Molsheim 65 Mitarbeiter. Die hauchen dort unter anderem dem "Veyron 16.4" und den "Veyron Grand Sport" Leben ein.
Größeren Stellenwert genießt Lamborghini: Der internationale Erfolg der gerade noch straßentauglichen Rennwagen aus Italien sichert 990 Menschen einen Arbeitsplatz. Lamborghini setzt neuerdings mehr auf Gewichtseinsparung als auf Endgeschwindigkeit - von den Erfahrungen im Kohlefaserbereich könnte VW profitieren.
Schwere Nutzfahrzeuge und Busse steuert der Lkw-Bauer Scania bei. VW ist an Scania beteiligt und plant auf lange Sicht, das schwedische Traditionsunternehmen mit dem Münchener Diesel-Experten MAN zu einer europäischen Lkw-Allianz zu verschmelzen.
Im Segment der sportlichen Kleinwagen liefert der einzige Autohersteller Spaniens Modelle wie "Ibiza", "Leon" oder "Altea" - rund zwei Drittel gehen in den Export. 2010 lag der Absatz bei 340.000 Autos.
An der Spitze der Volkswagentochter: James Muir. Unter seiner Führung kämpft Seat gegen rote Zahlen.
Die Zukunft stellt man sich bei Seat größer und schnittiger vor. In Genf präsentierte Muir das Konzept "Seat IBX".
Der tschechische Hersteller Skoda zählt seit 1991 zur Volkswagen-Gruppe.
Die Tschechen machen dem Konzern viel Freude: Die rund 24.700 Mitarbeitern tragen kräftig zum Gewinn bei. Die Marke expandiert vor allem in Europa und Asien.
Skoda produziert in Tschechien, der Slowakei, Russland, Ukraine, Kasachstan, Indien und China. 2010 kam Skoda auf einen Absatz von 763.000 Autos.
Die VW-Tochter Audi aus Ingolstadt orientiert sich dagegen stärker in Richtung Westeuropa und USA.
Audi-Chef Rupert Stadler treibt den Absatz 2010 erstmals über die Millionengrenze. Jetzt strebt er mit Modellen wie dem neuen A1 und dem neuen A7 die Marktführerschaft im Premium-Segment an.
Die Kernmarke VW hantiert mit größeren Zahlen: Im Jahr 2010 legt der Absatz um fast 14 Prozent auf 4,5 Mio. Pkw zu. Damit wird deutlich: Hier ruht das wichtigste Standbein des Konzerns.
Am Standort Wolfsburg verfügt VW über großen Rückhalt in der Politik: Das sogenannte VW-Gesetz stellt sicher, dass kein Anteilseigner mehr als 20 Prozent seiner Stimmrechte ausüben darf. So sichert sich das Land Niedersachsen seinen Einfluss auf den wichtigsten Arbeitgeber in der Region.
Das Jahr 2011 beginnt Volkswagen mit Vollgas: Der Umsatz steigt um fast ein Drittel an, der Gewinn klettert auf 1,7 Mrd. Euro. Erstmals kommt der Konzern im Auftaktquartal über die Marke von weltweit 2 Mio. ausgelieferten Autos, 14 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum.
Damit rückt das erklärte Ziel, den angeschlagenen Branchenprimus Toyota zu überholen, in greifbare Nähe.
"Eine Vielzahl von Marken und Gesellschaften mit individuellen Eigenschaften und Schwerpunkten unter einem Dach zu vereinen ist eine anspruchsvolle Aufgabe", weiß VW-Chef Winterkorn.
Die geplante Integration von Porsche in den VW-Konzern zieht sich hin. Nach dem verlorenen Übernahmekampf muss der Stuttgarter Sportwagenbauer noch gewaltige Altlasten abbauen. In Wolfsburg will man kein unnötiges finanzielles Risiko eingehen.
Die Porsche SE hatten beim gescheiterten Versuch, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, mehr als 11 Mrd. Euro Schulden angehäuft. Im Sommer 2009 mussten der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter gehen.
Nun sitzt VW-Chef Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzender am Lenker der Porsche SE. Der Schuldenabbau geht Schritt für Schritt voran.
Bald schon kann er Porsche als zehnte Marke in das VW-Imperium einreihen.
Dann verfügt der Wolfsburger Konzern - zusätzlich zu seinen bisherigen neun Marken - über einen der rentabelsten Autobauer der Welt, der die größeren Premiumhersteller Daimler und BMW bei der Rendite weit hinter sich lässt.
(Quelle: dpa, rts und Konzernangaben / Stand: 27. April 2011 / Text: Martin Morcinek)
(Foto: dpa)