GM-Chef Fritz Henderson führt auch kein leichtes Leben:
Der Chef des US-Autobauers General Motors (GM) steht nicht nur vor der Mammutaufgabe, einen ebenso schwerfälligen wie maroden Industriekonzern zu sanieren, sondern ...
... sieht seinen Weg auch noch mit zahlreichen Hürden, Fallstricken und anderen Hindernisse gepflastert.
Bei allem, was Henderson plant und entscheidet, muss er als GM-Chef nicht nur an seine Absatzmärkte und die komplexe Logistik denken, sondern ...
... auch an die mächtige Auto-Gewerkschaft UAW.
Und dann gibt es da noch GM-Europe, die schwierige Europatochter, wo das ganze gute Know-how lagert und die politischen Verhältnisse so kompliziert sind.
Aus amerikanischer Sicht muss es schwer zu überschauen sein, warum zum Beispiel das Opel-Werk Antwerpen - um nur eines zu nennen - keinesfalls geschlossen werden darf.
Damit die Herausforderung nicht zu klein gerät, hält das Schicksal für Henderson eine besondere Ausgeburt der amerikanischen Konzernbürokratie bereit:
Den mächtigen, widerspenstigen und in sich zutiefst zerstrittenen GM-Verwaltungsrat.
Dieser Alptraum eines jeden Machers steht wie ein dicker Riegel im Organigramm über ihm, mischt sich in alles ein, überwacht seine Entscheidungen und sorgt für ein strack-enges Handlungskorsett.
Wie konnte es so weit kommen?
Warum ist der Verwaltungsrat so wie er ist? Und wer sitzt da eigentlich drin?
In der Detroiter Konzernzentrale tauchen seit dem Insolvenzverfahren im Sommer lauter unbekannte Gesichter auf: Die neuen Anteilseigner - also die Vereinigten Staaten von Amerika und der Nachbarstaat im Norden, Kanada - legen großen Wert auf eigene Vertreter.
Monatelang tobt innerhalb des Verwaltungsrats ein regelrechter Glaubenskrieg über die richtige Strategie im Fall Opel: Verkaufen? Behalten?
Durchsetzen kann sich am Ende das Lager, nach dessen Überzeugung GM nur mit Hilfe von Opel zu alter Stärke zurückfinden kann.
Die Verfechter einer noch größeren Schrumpfkur und damit einer Trennung von der Rüsselsheimer Tochter müssen zurückstecken. Wer hat gewonnen?
Den Vorsitz im Verwaltungsrat führt der ehemalige Chef von AT&T, Ed Whitacre. Von 1998 bis 2000 war er Präsident der US-Pfadfinder.
Davor hatte Whitacre den Konzern AT&T durch sieben große Übernahmen in nur zehn Jahren zum größten Telekom-Anbieter in den USA gemacht.
Seitdem gilt der gebürtige Texaner Whitacre als Vorzeigemanager der Branche.
"Von Autos habe ich keine Ahnung", gesteht Whitacre kurz vor seinem Amtsantritt als GM-Chefaufseher. Er gilt als mächtigster Verfechter der Opel-behalten-Strategie.
Als Vertreter des Managements sitzt GM-Chef Fritz Henderson im Verwaltungsrat. Er folgt auf Rick Wagoner, der seinen Posten als GM-Chef im März auf Wunsch der US-Regierung räumen musste.
Henderson arbeitet schon seit 1984 für GM. Er hätte Opel gerne an Magna verkauft.
Das Finanzministerium in Washington schickt gleich zwei Vertreter aus der Private-Equity-Branche in das Gremium.
Da ist zum einen David Bondermann, Mitbegründer der Beteiligungsgesellschaft TPG. Er gilt als eine der einflussreichsten Figuren der amerikanischen Private-Equity-Branche. Bondermann verfügt über viel Erfahrung in der Sanierung angeschlagener Firmen.
Seinen Ruf erwirbt sich Bondermann mit der Restrukturierung der Fluggesellschaft Continental Airlines nach deren Insolvenz in den 1990er Jahren.
Neben Bonderman tritt mit Daniel Akerson ein weiterer Vertreter aus dem Lager der Finanzinvestoren für Washington an. Als Geschäftsführer der Carlyle Group lenkt der etwas kamerascheue Akerson im Hauptberuf eines der größten Private-Equity-Häuser.
Weitere Abgesandte aus Geithners Vorschlagsliste sind die ehemalige Alcatel-Lucent-Chefin Patricia Russo und ...
... Robert Krebs, hier rechts im Bild, der früher Chef der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Sante Fe (BNSF) war.
Whitacre, Henderson, Bondermann, Akerson, Russo und Krebs treffen im Verwaltungsrat auf eine Frau der Wissenschaften: Carol Stephenson vertritt die Interessen Kanadas.
Carol Stephenson bekleidet das Amt des Dekans der "Richard Ivey School of Business" der Universität von Western Ontario. In der Konzernwelt Kanadas kennt sie sich gut aus: Bis 2003 war sie Chefin von Lucent Technologies Canada.
Die Autogewerkschaft UAW wird repräsentiert durch den früheren Wall-Street-Analysten und GM-Berater ...
... Stephen Girsky.
Der ehemalige Coca-Cola-Chef E. Neville Isdell zählt im Verwaltungsrat zu der Gruppe der fünf "alten Hasen": Er müsste mit den Problemen des Unternehmens vertraut sein.
Als früherer Chef des Rüstungskonzerns Northrop Grumman steuert Kent Kresa - hier links im Bild - sein spezielles Industriewissen bei. Als langjähriges Ratsmitglied hat er GM in die Pleite begleitet.
Erroll B. Davis, Jr. ist Kanzler der Hochschulverwaltung im US-Bundesstaat Georgia. Sein Gesicht müsste den GM-Pförtnern bestens bekannt sein: Wie Isdell saß er schon der Insolvenzphase im Verwaltungsrat.
Kathryn V. Marinello führt den Personaldienstleister Ceridian Corporation und verfügt über beste Kontakte zu General Electric. US-Medien zählen Marinello zu den einflussreichsten Frauen der USA - und zu den bestbezahlten.
Aus dem Lager der Buchprüfer kommt Phillip Laskawy, hier rechts im Bild mit einem Gesprächspartner in Paris (Archivbild). Laskawy hat sich seine Meriten als Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young verdient.
Zusammen mit seinen Kollegen Isdell, Davis, Kresa und Marinello macht Laskawy den Korb der fünf "alten Hasen" voll: Optimisten halten ihnen zugute, dass sie immerhin für ein gewisses Maß an Kontunität sorgen könnten.
Mit diesen zwölf Meinungs- und Kompetenzträgern muss GM-Chef Henderson im Verwaltungsrat diskutieren.
In Sachen Opel steht ihre Entscheidung fest: Die Tochter bleibt im Konzern. Im günstigsten Fall springen dabei auch noch ein bis zwei Milliarden Staatshilfe aus europäischen Ländern heraus.
Auf Weisung aus Detroit muss GM-Europa-Chef Nick Reilly in Europa auf Tournee gehen, um das Geld einzuwerben.
In Deutschland stößt er damit auf wenig Begeisterung. (Text: Martin Morcinek mit dpa/rts)
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