Nach zwei Jahren Zwangspause packen wieder große Unternehmen den Börsenbullen an den Hörnern und wagen den Schritt auf das Aktienparkett. Den Anfang macht Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein.
Der erste Kurs liegt mit 22,50 Euro immerhin 50 Cents über dem Ausgabepreis. Ob die Aktie seinen Anlegern auch langfristig Freude macht, steht in den Sternen.
Wie brüchig der langfristige Erfolg an der Börse sein kann, zeigt die Kursentwicklung der zehn größten Neuemissionen am deutschen Aktienmarkt. Wer damals mitzeichnete und die Papiere bis heute gehalten hat, muss dicke Verluste verkraften. Doch eins nach dem anderen.
Platz 10: WACKER CHEMIE. Der Börsengang des Münchener Chemiekonzerns am 10. April 2006 war mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro der größte seit dem der Postbank. Die Aktie stieg am ersten Handelstag um fast 20 Prozent über den Ausgabepreis von 80 Euro. Im Juni 2006 schaffte der Titel den Sprung in den MDax.
Als eines von nur zwei der zehn größten Börsengänge liegt WACKER CHEMIE im Plus. Wer vor vier Jahren beim IPO dabei war, kann sich über einen Wertzuwachs um rund ein Viertel freuen.
Platz 9: SYMRISE. Am 11. Dezember 2006 debütierte die Aktie des Duft- und Aromenherstellers Symrise. Rund 1,4 Milliarden Euro erlösten das Holzmindener Unternehmen und der schwedische Finanzinvestor EQT mit 81 Millionen Aktien zu je 17,25 Euro. EQT hatte 2002 die Bayer-Tochter Haarmann & Reimer gekauft und mit dem Familienunternehmen Dragoco verschmolzen.
Kursgewinne können Aktionäre der ersten Stunde von SYMRISE nicht verbuchen, das Minus von rund sieben Prozent ist jedoch vergleichsweise moderat.
Platz 8: EPCOS. Siemens und die japanische Matsushita brachten am 15. Oktober 1999 ihr Joint Venture für elektronische Bauelemente an die Börse und erlösten 1,5 Milliarden Euro. In den Handel ging Epcos mit 32,50 Euro etwas über dem Ausgabepreis. Fast zwei Jahre war die Aktie im Dax, ehe sie in den TecDax abstieg.
Seit Oktober 2009 ist EPCOS ganz vom Kurszettel verschwinden. Die japanische TDK hat das Unternehmen für 17,85 Euro je Aktie übernommen. Damit liegt der Kaufpreis fast 50 Prozent unter dem einstigen Ausgabekurs von 31 Euro.
Platz 7: FRESENIUS MEDICAL CARE (FMC) ging 1996 aus dem Dialysegeschäft von Fresenius und des US-Unternehmens National Medical Care hervor. Das Emissionsvolumen dieser komplexen Transaktion belief sich auf umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro. Beim Debüt in Frankfurt am 2. Oktober 1996 startete die Aktie mit 128 DM in den Handel.
Verglichen mit dem aktuellen Kursniveau haben die Anteilseigner von FRESENIUS MEDICAL CARE seit der Neuemission optisch ein Kursminus von rund 40 Prozent einstreichen müssen. Der Eindruck täuscht jedoch, denn mit dem Aktiensplit 2007 wurden aus einer FMC-Aktie gleich drei. Die Aktie liegt damit rund ein Sechstel im Plus.
Platz 6: TOGNUM. Der Hersteller von Dieselmotoren für Schiffe, Panzer und Schienenfahrzeuge sammelte mit seinem Debüt am 2. Juli 2007 2,1 Milliarden Euro ein, wovon der Großteil an den schwedischen Finanzinvestor EQT ging. An der Börse startete die Aktie etwas über dem Ausgabepreis von 24 Euro.
Binnen knapp drei Jahren hat sich die Aktie von TOGNUM fast halbiert. Dennoch gibt es unter den großen deutschen IPOs noch größere Wertvernichter.
Platz 5: POSTBANK. Am 23. Juni 2004 kam die Postbank an den Markt. 2,6 Milliarden Euro sammelte das Institut damals ein. Die Nachfrage nach den Papieren war doppelt so hoch wie tatsächlich verfügbar.
An den damaligen Emissionspreis von 28,50 Euro reicht die Aktie dieser Tage jedoch nicht heran. Die POSTBANK-Papiere liegen rund ein Sechstel unter ihrem damaligen Ausgabekurs.
Platz 4: T-ONLINE. Der Börsenstart der Telekom-Tochter am 17. April 2000 stand unter keinem guten Stern: Der Nemax-Index brach mehr als sieben Prozent ein. Dennoch lag der erste Kurs von T-Online mit 28,50 Euro über dem Ausgabepreis.
Der Börsengang brachte 3,1 Milliarden Euro ein. Sechs Jahre später schluckte die Telekom jedoch das Unternehmen. Unter dem Strich blieben rund 60 Prozent Kursverlust.
Platz 3: INFINEON. Die vormalige Siemens-Tochter kam mit ihrem Börsengang auf ein Emissionsvolumen von gut sechs Milliarden Euro. Der erste Kurs war am 13. März 2000 mit 70,20 Euro mehr als doppelt so hoch wie der Platzierungspreis.
Verglichen mit dem heutigen Kursniveau müssen INFINEON-Aktionäre der ersten Stunde ein Minus von fast 90 Prozent verkraften. Kein anderer milliardenschwerer Börsengang hat den Aktionären damit so hohe Kursverluste beschert.
Platz 2. DEUTSCHE POST. Unterstützt von Entertainer Thomas Gottschalk und seinem Bruder Christoph sammelte der Bonner Logistikkonzern beim Börsendebüt am 20. November 2000 rund 6,6 Milliarden Euro ein.
Kurssprünge machte die "Aktie Gelb" am ersten Handelstag nicht. Zeitweise fiel sie sogar unter den Ausgabepreis von 21 Euro.
Auch dieses Kursniveau ist für Aktionäre heute in weiter Ferne. Das Minus zum Emissionspreis liegt dieser Tage bei rund 40 Prozent.
Platz 1: DEUTSCHE TELEKOM. Die T-Aktie startete am 18. November 1996 an der Börse. Rund 700 Millionen Titel, 25 Prozent der Anteile, wurden mit Hilfe von 80 Banken und Fernseh-Anwalt Manfred Krug für insgesamt fast zehn Milliarden Euro verkauft. Das Interesse an den Aktien war groß.
Privatanleger bekamen 50 Pfennig Rabatt auf den Ausgabepreis von 28,50 DM. Der erste Kurs lag bei 33,20 DM.
Wer seit Anfang an T-Aktien im Depot liegen hat, muss heute ein Kursminus von rund einem Drittel beklagen. Ein Trostpflaster sind da nur die vergleichsweise hohen Dividenden, die der Ex-Staatskonzern Jahr für Jahr ausgeschüttet hat.
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