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Massenverhaftungen in New York : "Besetzt einen Schreibtisch!"

 
Massenverhaftungen in New York : "Besetzt einen Schreibtisch!"

"Tag der Aktion" in New York City: Am 17. November, auf den Tag genau zwei Monate nach Beginn der Proteste in Manhattan, ruft die Occupy-Bewegung zu einer Großkundgebung auf.

Nach der Räumung des Protestzeltlagers im Zuccotti-Park bricht sich der Zorn der Unzufriedenen neue Bahnen. Die Bewegung hat noch Kraft. An verschiedenen Stellen im Stadtzentrum tauchen Demonstranten auf.

Ihr Ziel sind U-Bahn-Stationen, öffentliche Plätze und das symbolische Zentrum des Weltfinanzsystems, ...

... die New Yorker Wall Street: Mehrere hundert Aktivisten marschieren Richtung Börse.

Angekündigt ist eine echte Blockade: Occupy-Aktivisten wollen das Schlagwort der Bewegung in die Tat umsetzen und das Zentrum des US-Finanzsystems besetzen.

Die New Yorker Polizei ist vorbereitet: Die Absperrungen rund um die Börse, die New York Stock Exchange, werden noch einmal verstärkt. An die Metallgitter im Süden Manhattans haben sich die Börsianer längst gewöhnt.

Zum "Tag der Aktion" rechnen Veranstalter und Behörden mit zehntausenden Demonstranten. Die Polizei setzt schwere, mit Wasser gefüllte Barrikaden aus dem Straßenbau ein. Sie sollen die Massen aufhalten.

Tausende Menschen folgen den Aufrufen aus dem Internet und den sozialen Netzwerken: Am Union Square im Herzen Manhattans versammeln sich allerdings deutlich weniger Teilnehmer als erwartet.

Egal, wie viele kommen: Den Geschäftsbetrieb an der Wall Street will New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg unter allen Umständen sicherstellen.

Als Milliardär und Börsenmann ist "Mayor Bloomberg" selbst Zielscheibe der Kritik. Die Bewegung wirft ihm vor, nur eine Minderheit der Superreichen zu vertreten.

Das Medieninteresse ist enorm: Unter den Augen der Weltöffentlichkeit verzichtet das New York Police Department (NYPD) so weit wie möglich auf Helm und Kampfmontur. Der Schlagstock wird trotzdem vorgezeigt.

Die Kollegen an der Westküste treten weitaus aggressiver auf. Es gärt in vielen Metropolen der USA.

In Los Angeles belagern Demonstranten die Filialen großer US-Banken.

Selbst vor Geldautomaten müssen Polizisten Wache stehen.

In L.A. werden insgesamt 73 Personen festgenommen, davon allein 47 vor einer einzelnen Niederlassung der Bank of America.

An der Ostküste geht es zunächst friedlicher zu.

Überall in der Stadt halten Aktivisten Passanten und Pressefotografen selbst gemalte Transparente entgegen.

Sie prangern Steuererleichterungen für Großkonzerne an und ...

... fordern die New Yorker auf, sich den Protestaktionen anzuschließen.

Protestrufe hallen durch die Straßenschluchten im Süden Manhattans.

Am Rande der Protestzüge kommt es mit einzelnen Gegendemonstranten zu hitzigen Wortgefechten: "Besorgt euch eine Arbeit", heißt es etwa, oder: "Besetzt einen Schreibtisch!"

Am Zuccotti-Park versucht die Polizei, die Massen aufzuhalten. Auf beiden Seiten wird gefilmt: Je nach Standpunkt entweder zur Beweissicherung oder für die Liveübertragung der Occupy-Bewegung im Internet.

Es kommt zu wilden Rangeleien zwischen Sicherheitskräften und Polizei.

Mehr als 200 Menschen werden festgenommen. Vertreter der "Occuopy Wall Street"-Bewegung beklagen ein zunehmend brutales Vorgehen der Sicherheitskräfte. Am "Tag der Aktion" werden in New York auch sieben Polizisten verletzt.

Den angekündigten Sturm auf die Wall Street können die Sicherheitskräfte mit einem Großaufgebot schließlich abwehren.

Doch der Druck hält an. Bis in die Abendstunden wird in den Straßen rund um die New Yorker Börse um Bilder von einer symbolträchtigen Besetzung gerungen.

Die Polizei reagiert zunehmend ungehalten. Auch Fotografen bekommen die Nervosität der Ordnungshüter zu spüren.

Für das NYPD wird es ein weiterer langer Tag. In der Dämmerung formieren sich die Demonstranten neu.

Am Foley Square, unweit des New Yorker Rathauses, sammelt sich nach Ende der regulären Geschäftszeiten eine schnell wachsende Menschenmenge.

Mit leistungsstarken Projektoren malen die Organisatoren ihre Zeichen in die Nacht: Als Projektionsfläche dienen die Fassaden der Stadt.

Schließlich setzt sich die Menge erneut in Bewegung: Zu Fuß schiebt sich der Protestzug in Richtung Brooklyn Bridge.

Die weltberühmte Brücke zählt zu den New Yorker Wahrzeichen und ist gleichzeitig eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen den dicht bevölkerten Stadtteilen Brooklyn und Manhattan.

Mit den Lichtern der New Yorker Skyline im Hintergrund erobern die Demonstranten den Fußweg zwischen den Fahrbahnen und ...

... buhlen im unablässig rollenden Feierabendverkehr mit aufwändig präparierten Papp-Figuren um Aufmerksamkeit.

Die selbstgemalten Schilder verschwimmen im Lichtermeer der Großstadt. Der tosenden Verkehrslärm verschluckt ihre Rufe.

Anfang Oktober hatte die Polizei bei einem Occupy-Marsch über die Brücke mehr als 700 Menschen festgenommen. Größere Verkehrsbehinderungen gibt es diesmal nicht.

Dafür sticht den Pendlern, die am Abend nach Manhattan zurückkehren, eine weitere Fassadenprojektion ins Auge: ...

... Meterhoch prangen wechselnde Schriftzüge am Gebäude des US-Telekommunikationsriesen Verizon am Fuß der Brooklyn Bridge.

"Niemand kann uns aufhalten", ...

... heißt es hoffnungsvoll. (Text Martin Morcinek )

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