Anleger sind derzeit hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Börsenkurse oben zu sehen,…
... und der Angst vor dem Platzen der nächsten Spekulationsblase.
Düstere Vorhersagen haben da Hochkonjunktur.
Und wehe, eine Prognose trifft ein – dann reagieren die Märkte hochnervös.
Das haben nicht zuletzt die Reaktionen auf die Geldnöte in Dubai bewiesen.
Im Scheichtum schillerte bereits seit Jahren die größte Immobilienblase im Nahen Osten.
Als sie nun – wie bereits von vielen erwartet – platzte, bekamen die Märkte weltweit keine Luft mehr.
Aber auch wenn sich die meisten Börsen wieder beruhigt haben – die Sorgen bleiben.
Besonders misstrauisch wird das viele Geld beäugt, das Regierungen und Zentralbanken in die Märkte gepumpt haben, …
… um die Folgen der Finanzkrise abzufedern.
Das scheint angesichts der steigenden Kurse ja gelungen, …
… und da wird es Zeit, wieder den Stöpsel zu ziehen, finden immer mehr Marktteilnehmer.
Die findigen Amerikaner haben für diesen Zustand schon ein Wort geprägt: "Stimulus fatigue". Sperrig übersetzt: Konjunkturhilfenmüdikeit.
Sobald der Konjunkturmotor wie gewünscht anspringt, hat die Bevölkerung genug von den unterstützenden Hilfen der Regierungen und Banken.
Sie schaut dann vermehrt auf die steigenden Schulden und sorgt sich um die lockere Geldpolitik.
Und überhaupt: Verwenden die Banken die Gelder überhaupt wie gedacht, um großzügiger Kredite zu verteilen?
Oder nutzen sie sie nicht doch eher, um mit dem billigen Geld zu zocken und sich selbst satte Boni zu zahlen?
Sorgen bereiten auch die sogenannten "Carry Trades".
Bei diesem noch jüngeren Auswuchs der Globalisierung nutzen internationale Investoren die niedrigen Zinsen in einem Land, um ihre Rendite ordentlich zu hebeln.
Wie das geht? Ganz einfach: Man nehme günstige Kredite in einem Niedrigzinsland wie den USA auf und lege diese im Ausland in Vermögenswerte an, die eine höhere Rendite versprechen.
Die Herde zieht es dabei eindeutig in Richtung Emerging Markets.
Und zwar derart, das hier die nächste große Blasenbildung befürchtet wird.
Das Problem: Das heiße Spekulationsgeld zwingt die Schwellenländer eigentlich, die geldpolitischen Zügel schneller straffer zu ziehen als in den Industriestaaten.
Doch damit würde sich die Katze in den Schwanz beißen – denn eine größere Zinsdifferenz würde nur noch mehr Geld anlocken.
Eine Lösung wäre, wenn die Notenbanken weltweit gleichzeitig an den Zinsschrauben drehen.
Doch dies ist einfacher gesagt als getan. Denn die Zinsinstrumente sind empfindlich.
Gehen die Notenbanken zu hastig vor bei den Zinserhöhungen, könnten sie den gerade erst angesprungenen Konjunkturmotor abwürgen.
Dieses Risiko werden die Zentralbanken nach der heftigen Schelte, die sie während der Finanzkrise über sich ergehen lassen mussten, nicht eingehen.
Also wird sich der Markt noch gedulden müssen – die meisten Ökonomen rechnen nicht damit, dass die Notenbanker auf Jahressicht ordentliche Zinserhöhungen signalisieren werden.
Aber was machen wir bis dahin mit unserer Blasen-Phobie?
Vielleicht hören wir auf den US- Ökonomen Robert Schiller. (Nicht im Bild)
"Spekulationsblasen werden sich nicht verhindern lassen – sie gehören zum Kapitalismus und sind auch nicht das Ende der Welt."
"Aber wir sollten aus vergangenen Krisen lernen. …
…Spekulationsblasen gab es in der Geschichte zuhauf,…
…und jedes Mal dachten die Menschen: Dieses Mal ist alles anders." (sl/rts/dpa)
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