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Welt-Handelsindex: Politische Risiken - konjunkturelle Chancen

An den Finanzmärkten spielen die politischen Unwägbarkeiten durchaus eine Rolle . und auch der Welthandel kann sich ihnen nicht entziehen. Allerdings gibt es auch positive Anzeihen.

Die weltweite Handelsaktivität in den globalen Handelsrouten zwischen den Kontinenten sowie innerhalb der wichtigsten Binnenmärkte (Nordamerika, EU und Asien) nahm in den vergangenen vier Wochen leicht ab, befindet sich aber nach wie vor auf komfortablem Niveau. Hintergrund des leichten Rückgangs der Handelsdynamik ist nach dem starken Anstieg in den Vormonaten auf Basiseffekte zurückzuführen und haben keinen ungewöhnlichen Charakter. Im Gegenteil, der globale Handel mit Dienstleistungen boomt regelrecht. Der Handel mit Waren verläuft ebenfalls besser als im letzten Jahr, allerdings vergleichsweise noch verhalten. Hauptgründe sind zum einen der Umbau des chinesischen Wachstumsmodells hin zu einer Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft, der die Dynamik strukturell drückt. Dazu kommen derzeit die politischen Unsicherheiten in Europa und den USA, bereits seit 2011 begrenzen sich die Unternehmen hinsichtlich ihrer Investitionen auf Ersatzinvestitionen, denn der Tenor in dieser Zeit war, dass selbst wenn Produktionskapazitäten erreicht wurden, Neuaufträge zeitlich hingehalten worden sind. Notfalls wurde sogar abgelehnt, als dass mittels Investitionen beispielsweise in neue Maschinen das Produktionsvolumen erhöht wurde. „Das Risiko, dass durch politische Verwerfungen die Nachfrage bzw. das Auftragsvolumen wieder einbricht und die Unternehmen auf den Kosten der Investitionen sitzen bleiben, wollten die Unternehmen nicht großflächig eingehen. Daraus resultiert natürlich, dass von einem expansiven Zyklus der Erweiterungsinvestitionen und damit einem strukturellen Ausbau der Weltindustrieproduktion bisher noch keine Rede sein kann“, konstatiert Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögens-verwaltung aus Köln, welche monatlich den „Welt-Handelsindex“ veröffentlicht.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Allerdings bestehen Tendenzen einer Belebung, vor allem ausgehend aus den USA zeigen sich erste Anzeichen für einen Wiederanstieg. Zusammen mit einer möglichen Reform der Unternehmens-besteuerung könnte dieses die US-Wirtschaft noch mehr auf Trab bringen. Ein von dieser Seite ausgehender Boom ist in diesem Jahr zwar nicht zu erwarten, hängt letztlich aber von den Details der angekündigten Steuerreform ab. Dennoch, wieder steigende Investitionen sollten den US Handel, gerade im eigenen Binnenmarkt, stärker als im letzten Jahr beleben, unterstützt von möglichen zusätzlichen staatlichen Ausgaben für die Infrastruktur. Sofern die angekündigten Maßnahmen von Donald Trump kommen, dürften diese ebenfalls positiv Ausstrahlen auf Europa. „Es ist davon auszugehen, dass die USA eine Vorreiterrolle einnehmen wird und alle anderen sich daran orientieren könnten. Nirgends in den industrialisierten Nationen bestehen derartige Untersättigungseffekte in punkto Investitionen, wie hier in Europa. Sollte sich dieser Trend beleben, würde der Welthandel davon profitieren können“, beschreibt Zschaber die möglichen Potenziale.

Aber der Kölner Vermögensverwalter wird auch nicht Müde, auf die vielen Unsicherheiten in diesem Kontext hinzuweisen. „Politische Risiken sind Gift für den Welthandel. Diese Lernkurven dürfte jeder Analyst des Welthandels in den letzten Jahren gemacht haben. Es stehen viele Herausforderungen diesbezüglich an. Zum einen der forcierte „Hard-Brexit“-Antrag bis zum 31. März, den die britische Regierung einreichen will, zum anderen wählen die Niederlande (15. März) und das Rennen um den Elysée-Palast in Paris geht in die heiße Phase. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen steht am 23. April an“, fasst er den Status Quo zusammen.

Der positive Trend im Welthandel ist ein zartes Pflänzchen und sollte gut behütet werden, sind Worte welche der Experte immer wieder ausformuliert. Neben dem politischen Kalender in Europa sieht der Experte den aufkommenden Protektionismus, ausgehend aus den USA, als strukturelles Problem an. Gerade Deutschland, als exportführende Nation, muss hier frühzeitig versuchen politisch entgegenzuwirken bzw. die Handelsaktivität zu anderen Handelspartner strategisch stärken. „Fakt ist, dass so gut wie jeder zweite Job in Deutschland mit dem Handel direkt oder indirekt in Verbindung steht“, fasst er die Ausgangslage zusammen. „Sollte ein politisches Beben „made in the USA“ in naher Zukunft bevorstehen und unvermeidbar sein, muss die deutsche sowie die europäische Unternehmerlandschaft und die europäische Politik sich Auswege überlegen. Einer davon heißt Asien, der Andere sicherlich noch mehr Binnenhandel innerhalb Europa“, so Zschaber weiter.

Welt-Handelsindex
Welt-Handelsindex

Eine intensivere Kooperation mit Asien mittels eines Handelsabkommens würde für den Waren- und Dienstleistungsaustausch einen regelrechten Wachstumsschub bedeuten, ist sich der Kölner Vermögensverwalter sicher. „Ein solches Abkommen erleichtert deutschen, französischen und italienischen Firmen den Export. Dieses könnte ein sehr bedeutender Schritt für Europa werden. Ich würde sogar den Vergleich mit Südkorea heranziehen. Hier unterhält Europa seit 2011 ein Handelsabkommen und der Export stieg um über 30% an. Die nächsten Partner wären Japan und die Asean-Staaten. Wie gesagt, dass könnte eine neue Ära des Handels für Europa und explizit Deutschland bedeuten.“  Auch von den strukturellen Rahmendbedingungen und Voraussetzungen gilt der asiatische Raum für die Exportindustrie aus Europa als der Zukunftsmarkt. Chinas Wirtschaftsmodell entwickelt sich weg von der größten Werkbank der Welt hin zu einer Wirtschaft mit vielen Sektoren und neuen Nachfragezyklen. „Die chinesischen Exporte machen heute nur noch 20 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Für China verlieren Billigexporte an Bedeutung, während etwa qualifizierte Dienst-leistungen, Technologie oder hochwertige Produkte und Waren immer wichtiger werden. China industrialisiert sich immer weiter. Die Unterschiede zu Europa werden zunehmend geringer“, resümiert er.

Außerdem sollte Europa sich endlich auf die eigenen Stärken besinnen. Auch im deutschen Gesamtkontext würde dieses sehr sinnvoll erscheinen. Nach wie vor gehen mehr als die Hälfte der deutschen Exporte nach Europa und nur zehn Prozent in die USA. Sollte Donald Trump ernst machen und protektionistische Entwicklungen anstoßen, bietet der europäische Markt trotz der ganzen Krisen der Vergangenheit das größte Potenzial. „Dafür muss aber der gemeinsame Markt endlich vollendet werden. Gerade in punkto Digitalisierung, Technologie und staatliche Subventionen müssen hier mehr Freiheiten für die Unternehmen geschaffen werden und die Integration des europäischen Marktes voranschreiten“, so Zschaber weiter.

Der „Welt-Handelsindex“ konstatiert aktuell ein Niveau von 74,5%. Diese Entwicklung besagt, dass das Tempo der Zuwächse in den letzten vier Wochen, gemessen an den handelsspezifischen Konditionalitäten wie Bestellmenge, Lagerbestände, Produktionsvolumen, Warenumschlagshäufigkeit im globalen Kontext über alle vier Handelswege sich leicht reduziert haben. Allerdings ist diese Entwicklung vor allem auf statistische Effekte zurückzuführen. Aktuell befindet sich der Welthandel leicht oberhalb seines Trendwachstums. Wenn die großen negativen Überraschungen im Laufe des Jahres ausbleiben erwartet man ein Wachstum des Welthandels in 2017 von sogar 3,5%, welches erstmals seit 2012 leicht oberhalb der gegenwärtigen Potenzialwachstumsrate von 3% liegen würde.

Was bedeutet das für den Anleger:

Mit Blick auf unser Investmentszenario, welches wir u.a. aus den Analyseergebnissen des „Welt- Handelsindex“ ableiten ist darauf ausgelegt, bei größeren Kurskorrekturen konsequent die Aktienquoten hochzufahren. Hierfür sehen wir höhere Cashquoten innerhalb einer Portfolioallokation als aktuell sinnvoll. Kurz um, wir erwarten trotz aller politischen Instabilitäten und Risiken ein durchaus robustes Wachstum in der Weltwirtschaft. Sofern keine politische Eskalation, bzw. ein Extremrisiko (Wahlsieg durch den Front national in Frankreich) auftreten, sollte ein Anleger Schwankungen an den Finanzmärkten versuchen auszunutzen und Qualitätsaktien akkumulieren. Dadurch, dass der „Welt-Handelsindex“ ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum „Welt-Handelsindex“ wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF`s auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Eine ähnliche Anlagestrategie kann mit dem „World Market Fund“ umgesetzt werden. www.worldmarketfund.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem „manager-magazin-online“ und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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