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Der japanische Aktienmarkt erfreut sich ohnehin schon einer lebhaften Nachfrage.
Der japanische Aktienmarkt erfreut sich ohnehin schon einer lebhaften Nachfrage.(Foto: AP)
Mittwoch, 29. April 2015

Börsianer in den Startlöchern: Öffnet Japan noch mehr Geldschleusen?

Von Jörg Rohmann

Da sehen EZB und Fed blass aus: Japan bekämpft mit einem riesigen Ankaufprogramm die Deflation. Der Ölpreisverfall frisst die Effekte aber auf. Geht die Bank of Japan nach dem Inflationsbericht noch mal in die Vollen?

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Es ist ein Plan historischen Ausmaßes: Die japanische Notenbank, BoJ, hat sich verpflichtet, das Land aus einer 20-jährigen Deflationsspirale herauszuholen. Das Ziel: Im April 2015 eine Kerninflation von zwei Prozent. Aus diesem Grund wurden zwei Runden von Wertpapierankäufen im April 2013 und Oktober 2014 initiiert. Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt ist das aktuelle Ankaufprogramm weitaus expansiver als die QE-Programme der Notenbanken in den USA und Europa. Folglich wertete der Yen gegenüber dem US-Dollar seit Ende 2012 um über 38 Prozent ab und die Importpreise zogen teils deutlich an. Der gewünschte Effekt trat ein und die Inflationsrate stieg. Dann fiel jedoch der Ölpreis im Sommer 2014 um drastische 50 Prozent. Das billige Öl lässt die Wirkung der QE-Programme allmählich verpuffen. Der Yen wertete nur noch um rund 16 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab und die Inflation kam zum Stillstand.

Wieviel von der QE-Medizin noch übrig ist, wird der morgige Inflationsbericht zeigen. Die BoJ wird wohl gezwungen sein, ihre Inflationsprognose nach unten anzupassen. Gleichfalls würde dies bedeuten, dass sich perspektivisch die Geldschleusen weiter öffnen. Mit der Reflationierung Japans sind auch die politischen Schicksale des Ministerpäsidenten Shinzo Abe sowie des Notenbankpräsidenten verbunden, der Druck auf die Akteure ist groß.

Was wird die BOJ tun?

Doch wie können weitere geldpolitische Maßnahmen aussehen? Das aktuelle Ankaufprogramm von 80 Billionen Yen im Jahr erwirbt etwa 90 Prozent der neu emittierten Staatsanleihen. Auf börsengehandelte Fonds (ETFs) entfallen 3 Billionen Yen und auf Immobilientrusts (REITS) etwa 90 Milliarden Yen.

Da der Spielraum für den Ankauf neuer Staatsanleihen also so gut wie ausgeschöpft ist, liegt es nahe, dass eine mögliche Ausweitung der Wertpapierankäufe verstärkt Aktien und Immobilien miteinschließt. Dies hätte zwei Aspekte zur Folge. Erstens würde sich die Geldmenge wie zuvor ausweiten und der Yen dürfte seine Abwertung fortsetzen, was insbesondere exportorientierte Unternehmen beflügeln dürfte. Zweitens würde die BoJ direkt ihre Nachfrage im Aktien- und Immobilienmarkt erhöhen und für Impulse sorgen.

Aktien ohnehin hoch im Kurs

Dies könnte sich zu einem Zeitpunkt ereignen, der ohnehin schon von einer größeren Nachfrage nach japanischen Aktien geprägt ist. Die Regierung hat nämlich die Anlageregulierung für Pensionsfonds erheblich gelockert. Seit Oktober 2014 rebalanciert der weltgrößte Pensionsfonds GPIF sein 1,1 Billionen US-Dollar großes Portfolio. Die bisherige Verteilung von 60 Prozent japanischer Staatsanleihen wird auf 35 Prozent reduziert. Gleichzeitig erhöht sich die (inländische) Aktienquote von 12 auf 25 Prozent. Am Ende dieses Prozesses dürfte der Fonds etwa 6 Prozent der Marktkapitalisierung am Aktienmarkt ausmachen. Diese Neuausrichtung hat Signalcharakter für die gesamte Branche. Im März kündigten drei weitere große Fonds an, dem Beispiel zu folgen. Nach Berechnungen von Reuters dürften nochmals 3,58 Trillionen Yen in den Aktienmarkt fließen.

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Die erhöhte Nachfrage dürfte neue Preissignale aussenden und weitere Marktteilnehmer in den Markt ziehen. Letztendlich. Erste Hinweise dafür liegen bereits vor. Während die Aufwärtsbewegung des Nikkei von Oktober 2012 bis Anfang Dezember 2014 eine reine Abwertungsrally war, ist seit Anfang des Jahres eine andere Entwicklung zu beobachten. Der Nikkei legte bisher um rund 15 Prozent zu, ohne dass der Yen weiter abwertete. Eine mögliche Erklärung ist die anziehende Inlandsnachfrage nach Aktien.

Ein Blick auf den Chart offenbart ein konstruktives Bild. Der Index bewegt sich seit November 2012 in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Mitte Februar wurde die dreimonatige Konsolidierung nach oben aufgelöst und hat für neue Dynamik auf der Oberseite gesorgt. Im Zuge dessen wurde auch das Jahreshoch 2007 bei 18.334 Punkten herausgenommen. Charttechnisch ist dies ein sehr bedeutendes Niveau. Damit ist der Abwärtstrend seit 1990 zu den Akten gelegt. Die nächsten wichtigen Zielmarken liegen bei 20.892 und 21.526 Zählern. Kurzfristig signalisiert ein Schlusskurs über dem bisherigen Jahreshoch bei 20.187,56 Punkten die Chance zum Wiedereinstieg.

Quelle: n-tv.de

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