Anleihen
(Foto: dpa)

Noch ein Schuldenschnitt?: Griechenland wird zum Testfall

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Trotz aller Beschwichtigungen bleibt die Unsicherheit über einen Verbleib Griechenlands im Euro. Banken fürchten eine Ansteckungsgefahr. Warum sollten Spanien oder Italien nicht auch teure Schuldenschnitte fordern?

Das Jahr 2015 ist noch jung, aber das Wort "Grexit" könnte es zum Unwort des Jahres schaffen. Der damit gemeinte Austritt Griechenlands aus dem Euro ist wieder aktuell geworden, da einige griechische Parteien für die Wahlen am 25. Januar einen Grexit herbeiführen wollen. Der Wahlausgang ist aber noch völlig offen.

Viele Investoren befürchten aber bereits, dass es einen drastischen Schuldenschnitt geben werde. Denn das Minus ist trotz Sparbemühungen wieder deutlich angesprungen. Bereits Mitte des vergangenen Jahres hatte Griechenland 317,5 Milliarden Euro Staatsschulden. Das sind horrende 175 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Wert ist damit ebenso hoch wie bei der letzten Umschuldung im Frühjahr 2012. Zum Vergleich: In Deutschland oder Frankreich liegt dieser Wert bei rund 75 beziehungsweise 95 Prozent. Die Griechen müssten schon einen Schuldenschnitt um 50 Prozent erreichen, um ihr Niveau in etwa auf europäischen Durchschnitt zu bringen.

Keine Ansteckung erwartet

Trotz dieser hohen Verschuldung bleibt die Lage vergleichsweise ruhig, weil Investoren erwarten, dass ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro die Krise nur auf Griechenland beschränkt bleibt. Daher liegen die Renditen für 10jährige spanische Anleihen mit 1,6 Prozent und für italienische Papiere mit 1,85 Prozent in der Nähe ihrer Rekordtiefs.

Was aber wird, wenn ein Schuldenschnitt für Griechenland die Menschen in Italien und Spanien auf die Straße bringen sollte, und sie ebenfalls einen Schuldenschnitt fordern? Immerhin waren die italienischen Staatsschulden Mitte 2014 auf 2,17 Billionen Euro hochgeschossen. Das sind 133,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit belegt Italien den zweitschlechtesten Rang in der Euro-Zone und Spanien steht mit 1,01 Billionen Euro in der Kreide.

Engagements der Banken im Visier

Angesichts derartiger Perspektiven schauen sich Investoren die Bilanzen der Banken jetzt genau an. Laut den Neun-Monats-Zahlen hatte die Commerzbank zwar nur Kredite von 0,1 Milliarden Euro an den griechischen Staat vergeben. Der Wert für Italien lag allerdings bei 9,4 Milliarden Euro. Inklusive der Kredite an die Banken, andere Unternehmen und des Engagements im Immobiliensektor summiert sich der Wert für Italien auf 13,6 Milliarden Euro. Für Spanien stehen insgesamt 10,3 Milliarden Euro zu Buche, wovon 4,5 Milliarden Euro auf den Staat entfallen. Bei den PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) ist die Commerzbank damit mit insgesamt 28,7 Milliarden Euro bei Staat, Unternehmen und privaten Haushalten engagiert. Angesichts der Russland-Krise und dem Rubel-Verfall sollten Investoren zudem das Russland-Engagement von 5,4 Milliarden Euro nicht aus den Augen verlieren.

Das Engagement der Deutschen Bank in den PIIGS-Staaten ist sogar höher und beläuft sich bei Staat, privaten Haushalten und Unternehmen auf insgesamt 82,3 Milliarden Euro. Davon entfallen 38,9 Milliarden Euro auf Italien und 23,8 Milliarden Euro auf Spanien. Unter Berücksichtigung der gehaltenen Sicherheiten, oder erhaltenen Garantien beläuft sich das sogenannte Nettoengagement in den PIIGS-Staaten auf 40,1 Milliarden Euro. Die Gefahr für Banken steckt also nicht allein in Griechenland, sondern vor allem in einem Schuldenschnitt in anderen Ländern. Griechenland wird dabei zum Testfall.

Quelle: n-tv.de

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