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Das QE-Programm sorgt für magere Renditen
Das QE-Programm sorgt für magere Renditen(Foto: dpa)
Mittwoch, 06. Mai 2015

Renditechancen gesucht: Anleihemarkt im Umbruch

Von Jörg Rohmann

Der Anleihemarkt ist in Bewegung. Anleger haben genug davon, Staaten ihre Rendite zu überlassen, um ihre Schulden zu übernehmen. Hochzinsanleihen könnten eine attraktive Alternative darstellen.

Die Europäische Zentralbank kauft seit März im Rahmen ihres Quantitative-Easing-Programms monatlich rund 60 Milliarden Euro an Wertpapieren in der Eurozone auf. Der größte Teil wird dabei in Staatsanleihen fließen. Dies hat umfangreiche Auswirkungen auf den Anleihemarkt und die Wirtschaftsentwicklung. Zunächst tritt die EZB als neuer Nachfrager bei Staatsanleihen auf, stützt deren Kurse und drückt dadurch das Zinsniveau nach unten. Kurzfristig laufende Staatsanleihen in den Euroländern notieren mittlerweile im negativen Bereich.

Mit anderen Worten: Investoren bezahlen den Staaten eine Rendite, um deren Schulden aufzunehmen. Eine groteske Situation, weil die Kurse der Anleihen künstlich nach oben getrieben werden. Wer magere Renditen vermeiden will, kann aber in einem anderen Segment des Rentenmarktes aktiv werden: Hochzinsanleihen. Dazu gehören Unternehmensanleihen, die von den ökonomischen Auswirkungen des QE-Programms der EZB profitieren sollten.

Kommt nun der Aufschwung?

Die EZB erhöht durch ihr Vorgehen die Geldmenge. In der Folge wertet der Euro gegenüber den meisten Währungen ab und verbessert die Exportwettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Gleichzeitig dürfte ein Teil des Kapitals den Weg in den Kreditkreislauf finden und die Wirtschaft stimulieren.

Die ersten Anzeichen dafür sind deutlich zu erkennen. Die Geldmenge M3 stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,6 Prozent nach zuvor 4,0 Prozent im Februar. Die enger gefasste Geldmenge M1, die als vorauslaufender Indikator gilt, zog im März sogar um zehn Prozent an. Dies entspricht dem höchsten Zuwachs seit fünf Jahren und macht sich mittlerweile auch bei der Kreditvergabe bemerkbar. Im März ist das erste Mal seit April 2012 ein positiver Wert gemessen worden.

Die EZB hat bereits ihre Wirtschaftsprognose für die Eurozone signifikant angehoben und geht in diesem Jahr von 1,5 Prozent Wachstum aus und in 2016 von 1,9 Prozent. Mit beschleunigtem Wachstum geht in der Regel auch eine steigende Inflationsrate einher. Und tatsächlich endete im April die viermonatige Deflationsphase im Euroraum. Dadurch ziehen sich Investoren langsam aus dem Staatsanleihenmarkt zurück. Das frei werdende Kapital sucht nach neuen Anlagemöglichkeiten und dürfte auch in Unternehmensanleihen fündig werden. Sollte sich nämlich ein stärkerer Wirtschaftsaufschwung in Europa etablieren, dürfte diese Anlageklasse attraktiv erscheinen. Unternehmensanleihen verfügen noch über Renditepotenzial und ihr spezifisches Risiko sinkt in einem Aufschwungszenario.

Unternehmensanleihen als ETF

Anleger können an dieser Entwicklung teilhaben, indem sie ihr Portfolio um Hochzinsanleihen diversifizieren. Beispielsweise kann man in einen Anleihenindex investieren, um sein Risiko im Hochzinssegment breit zu streuen. Eine Möglichkeit ist der ETF Lyxor iBoxx EUR Liquid High Yield BB UCITS ETF (ISIN LU1215415214/ WKN LYX0TM), der den Markit iBoxx EUR HY Corporates BB Top 50 Total Return Index nahezu 1:1 abbildet. Der Index umfasst die 50 größten und liquidesten Euro-Unternehmensanleihen mit Sub-Investment-Grade-Rating. Um aufgenommen zu werden, müssen die Unternehmensanleihen mindestens BB- bzw. Ba2 von zwei der drei großen Ratingagenturen entsprechen. Diese Einstufung ist noch kein Ramschniveau, aber deutlich riskanter als Bundesanleihen. Der größte Anteil entfällt auf Länder der Eurozone. Vor diesem Hintergrund erscheint die Zusammensetzung des ETF besonders interessant. Rund ein Drittel der Unternehmensanleihen stammt aus den ursprünglichen Eurokrisenländern. Eine wirtschaftliche "Turnaround-Situation" in der Eurozone dürfte das Gewinnwachstum der Unternehmen verbessern und kann der Indexentwicklung Rückenwind verschaffen. Ähnlich positiv sieht es bei der Gewichtung nach Aktiensektoren aus. Fast 60% der aktuell enthaltenen Unternehmensanleihen bilden den Finanzbereich und zyklische Sektoren ab, die besonders vom QE-Effekt plus Wirtschaftsaufschwung profitieren dürften.

Disclaimer

Diese Publikation dienst nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar.

Quelle: n-tv.de

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