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EZB-Chef Mario Draghi.
EZB-Chef Mario Draghi.(Foto: AP)

Zunehmende Risiken: Am Bondmarkt braut sich etwas zusammen

Von Daniel Saurenz und Benjamin Feingold

EZB-Chef Draghi will eine lockere Geldpolitik beibehalten, obwohl sich die Inflation kräftig beschleunigt hat. Die Zinsschere zwischen der Eurozone und den USA dürfte weiter aufgehen - mit erheblichen Folgen für Anleger.

Mario Draghis Aufgabe ist derzeit noch viel schwieriger als sonst. Obwohl sich das Wachstum der Eurozone deutlich stabilisiert hat und die Inflation kräftig gestiegen ist, will der EZB-Chef die Investoren überzeugen, dass die EZB dennoch an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten wird.

Draghi hat am Donnerstag die Inflationsprognose für 2017 von 1,3 Prozent auf 1,7 Prozent angehoben und jene für 2018 von 1,5 auf 1,6 Prozent. Damit läge die Inflationsrate knapp unter dem Ziel von etwas weniger als zwei Prozent, das die EZB anstrebt. 

Gleichzeitig hat Draghi den Ausblick für das Wirtschaftswachstum für 2017 und 2018 minimal angehoben. Er versuchte die Änderungen aber gleich abzuschwächen und verwies darauf, dass der jüngste Inflationsanstieg hauptsächlich auf eine Verteuerung des Ölpreises und der Nahrungsmittel zustande gekommen ist. Der Effekt sei daher nur vorübergehender Natur. Deshalb bleibt die EZB dabei, ihre expansive Geldpolitik fortzuführen, um eine Beschleunigung der Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie zu erreichen.

Draghi machte aber auch unmissverständlich klar, dass die EZB jederzeit bereit sei, das Anleihenkaufprogramm, das im April von 80 auf 60 Milliarden Euro pro Monat gedrosselt wird, aufzustocken oder zu verlängern. Draghi will mit Blick auf die Niederlande-Wahl am 15. März und die Präsidentschaftswahl am 23. April in Frankreich und den entsprechend hohen politischen Risiken die Lage am Anleihenmarkt der Eurozone unter Kontrolle halten.

Dennoch sind die Zinsen in Deutschland und in der gesamten Eurozone deutlich auf dem Weg nach oben, was vor allem am Zinsanstieg der US-Anleihen liegen dürfte. Denn Fed-Chefin Janet Yellen beabsichtigt,  am 15. März die Leitzinsen anzuheben. Im Jahresverlauf sollen zwei weitere Zinserhöhungen folgen. Deshalb sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 2,6 Prozent gestiegen und liegen damit in der Nähe des höchsten Niveaus seit Frühjahr 2014.

Steigende Zinsen hätten erhebliche Folgen

Der ehemalige "Anleihen-König" Bill Gross hat bereits gewarnt, dass diese Marke den Beginn eines Bärenmarkts am Anleihenmarkt bedeuten würde, also eines nachhaltigen Abwärtstrends am Anleihenmarkt - sprich deutlich steigende Zinsen. Diese Tendenz zieht aber auch die Zinsen in der Eurozone mit nach oben, weil Investoren europäische Anleihen verkaufen und das Geld in höherverzinsliche US-Anleihen stecken. Entsprechend ist der Zinsaufschlag für zehnjährige US-Anleihen gegenüber deutschen zuletzt auf 217 Basispunkte (2,17 Prozentpunkte) gestiegen. Damit nähert er sich allmählich dem Hoch von 236 Basispunkten vom Dezember 2016 - der höchste Wert seit 1990.

Sollte die Zinsschere zwischen den USA und der Eurozone weiter auseinandergehen, hätte das erhebliche Folgen für die USA. Einerseits dürfte der Dollar weiter steigen, wodurch sich die Perspektiven für die US-Exportwirtschaft und damit die Wirtschaft insgesamt eintrüben, weil US-Produkte im Ausland teurer und ausländische Produkte in den USA günstiger werden. Gleichzeitig belasten die steigenden Zinsen die hochverschuldete Privatwirtschaft.

Absicherung gefragt

Steigende Zinsen in der Eurozone sind hingegen schlechte Nachrichten für hochverschuldete Länder, wie Italien, Spanien und Frankreich, weil die sehr niedrigen Zinsbelastungen allmählich steigen würden. Sollte der Euro gegenüber dem Dollar nach unten tendieren, hellen sich zwar die Perspektiven für die Exportwirtschaft der Eurozone auf. Allerdings nehmen die Belastungen für jene Verbraucher und Unternehmen zu, die in den vergangenen Jahren Kredite auf Dollar-Basis aufgenommen haben. Sie müssen mehr Euro aufnehmen, um ihre Kredite bedienen zu können.

Dagegen können Anleger sich gegen steigende Zinsen einfach absichern oder gar auf eine solche Wertentwicklung setzen. "Von fallenden Anleihekursen beziehungsweise steigenden Renditen können Anleger hierzulande mit sogenannten Bund-Future-Short-Papieren profitieren", sagt Heiko Geiger, Derivatespezialist bei Vontobel. "Der Bund-Future ist ein Zinsterminkontrakt, der sich auf eine zehnjährige Bundesanleihe bezieht, die einen Kupon von sechs Prozent hat", ergänzt er.

Wer dagegen im aktuell volatilen Zinsumfeld lieber regelmäßige Zins- oder Einkommensströme bekommen möchte, findet eine Alternative in sogenannten Income-Fonds. Eine Möglichkeit ist der Fonds mit der WKN A1W0LE, der eine Dividendenrendite von rund sechs Prozent hat. Die Ausschüttungen finden halbjährlich statt.

Investoren warten nun gespannt auf die Sitzung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch. Je nachdem, ob Yellen eine Verschärfung der Geldpolitik signalisiert als derzeit Investoren erwarten, könnte es zu deutlichen Bewegungen bei den US-Zinsen und dem Dollar kommen. Draghi kann daher nur hoffen, dass Yellen nicht zu forsch sein wird, weil sie ansonsten seine Bemühungen, die Zinsen unten zu halten, konterkariert.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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