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Der Anblick des Gipfels beim SMI täuscht.
Der Anblick des Gipfels beim SMI täuscht.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 09. Dezember 2014

Kapriolen am Schweizer Aktienmarkt: SMI liefert Fehlsignale

Ein Gastbeitrag von Marco Garzetti

Im bisherigen Jahresverlauf steigt die Börse in Zürich, gemessen am Swiss Market Index (SMI), um 11,5 Prozent. Diese Spitzen-Performance ist aber trügerisch.

Auf den ersten Blick laufen die Aktienkurse in der Schweiz dieses Jahr richtig gut und vor allem besser als an den meisten anderen Börsenplätzen der Welt. Durch den Endspurt seit Mitte Oktober notiert der Dax zwar mittlerweile auch im positiven Terrain. Das Plus summiert sich seit Jahresanfang aber bisher nur auf magere 4,5 Prozent. Noch schlimmer sieht es in Österreich aus, das unter seiner Nähe zu Osteuropa leidet. Der ATX ist seit Jahresanfang um 10,7 Prozent gefallen. Die Schweizer Börse belegt aber nicht nur im deutschsprachigen Raum einen Spitzenplatz. Der Euro Stoxx 50 ist im laufenden Jahr um gerade einmal 4,2 Prozent gestiegen – der SMI hat also um mehr als sieben Prozentpunkte outperformed. Es scheint, als könne nur der Dow Jones dem SMI das Wasser reichen.

Die gute Wertentwicklung des Schweizer Aktienmarkts basiert aber auf einem gravierenden Makel. Eigentlich soll ein Index eine repräsentative Zahl von Werten umfassen, um einen Markt adäquat widerzuspiegeln. Genau das ist beim SMI nicht der Fall. Weltweit ist bei keinem Index von Bedeutung die Wertentwicklung von so wenigen Einzeltiteln abhängig wie hier. Zwar ist gut informierten Anlegern bewusst, dass es sich bei Nestlé, Novartis und Roche um Schwergewichte handelt. Ihr Einfluss auf die Wertentwicklung des SMI war aber noch nie zu groß wie heute. Bereits zum Jahresanfang betrug die Gewichtung der drei Titel zusammen 57 Prozent. Per 1. Dezember sind wir bei zwei Dritteln angelangt. Wenn nur drei Aktiengesellschaften 66 Prozent eines Index ausmachen, handelt es sich definitiv nicht mehr um ein diversifiziertes Barometer, das für einen ganzen Aktienmarkt steht.

Enorme Performanceunterschiede

Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds Swiss Strategie dynamisch.
Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds Swiss Strategie dynamisch.

Noch krasser erscheint die Fehlkonstruktion des SMI, wenn man sich die Wertentwicklung der Einzeltitel anschaut. Nestlé ist von Jahresanfang bis zum 1. Dezember um 11,1 Prozent gestiegen, Roche um 16,1 Prozent und Novartis sogar um 31,3 Prozent. Nestlé ist mit 22,4 Prozent, Roche mit 19,4 Prozent und Novartis 24,1 Prozent im SMI gewichtet. Damit haben die drei Werte zusammen für den Index einen Performancebeitrag von 20 Prozent geliefert. Wenn wir dies ins Verhältnis zur Wertsteigerung des SMI von 11,5 Prozent setzen, ergibt sich folgende absurde Situation: Rein rechnerisch verbuchen die 17 anderen SMI-Titel ein Minus von 4,7 Prozent. Das bedeutet, dass fast ausschließlich Nestlé, Roche und Novartis für die gute Wertsteigerung des SMI verantwortlich sind. Selbstverständlich beeinflussen auch bei anderen Indizes Schwergewichte den Kursverlauf, ob positiv oder negativ. Beim Dax ist aber die Gewichtung eines einzelnen Titels auf 10 Prozent beschränkt. Die drei größten Titel machen hier zurzeit rund 25 Prozent des Index aus. Beim Euro Stoxx 50 beläuft sich der Anteil der drei größten Schwergewichte sogar nur auf 15 Prozent.

Die absurden Gewichtungen im SMI bringen verschiedene Folgen mit sich:

  1. Der SMI sagt wenig bis nichts über die Performance der 20 höchstkapitalisierten Aktien der Schweiz aus.
  2. Die "Verzerrung" durch die "drei Großen" ist so extrem, dass sich es kaum eine Bank und kaum ein Vermögensverwalter leisten können, diese Titel nicht im Portfolio zu halten. Ansonsten ist die Indexabweichung zu groß.
  3. Dieser Trend wird durch den "Home-Bias" noch verstärkt. Vereinfacht gesagt kaufen Schweizer am liebsten Aktien aus ihrem Heimatland. Das bedeutet hier allerdings vor allem Nestlé, Roche und Novartis. Setzt der Anleger sein liquides Vermögen aber überwiegend nur auf einen Markt, geht er sehr viel höhere Risiken ein als mit einem global diversifizierten Portfolio. Das gilt für die Schweiz mit der Konzentration auf die drei Schwergewichte ganz besonders.
  4. Die Privatanleger, welche - im Glauben auf eine breit gestreute Diversifizierung - auf die häufig angepriesenen ETFs auf den SMI setzen, gehen ein erhebliches Klumpenrisiko ein.
  5. Auch der nicht versierte Anleger kann direkt an der Börse Nestlé, Roche und Novartis kaufen. Dafür braucht er weder einen ETF noch einen Vermögensverwalter.

Eine gewisse Alternative bietet ein Indexfonds auf den etwas breiter gestreuten SPI – zum Beispiel der ETF der UBS (WKN: CH0131872431). Aber auch hier kommen Nestlé, Roche und Novartis zusammen auf eine Gewichtung von 52 Prozent, was immer noch viel zu hoch ist. In letzter Konsequent eignet sich die Schweizer Börse nicht, um als Ganzes gekauft zu werden. Dieser Markt ist eigentlich nur etwas für Stock Picker.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Swiss Fund Management AG zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Swiss Fund Management AG gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben.

Quelle: n-tv.de

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