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Ein unbehagliches Déjà-Vue beschleicht derzeit die Märkte.
Ein unbehagliches Déjà-Vue beschleicht derzeit die Märkte.

Immer mehr Parallelen: Wiederholt sich der Crash von 2000?

Ein Gastbeitrag von Franz-Georg Wenner

Die Börsenrally geht in ihr sechstes Jahr. Eine Pause scheint überfällig, zumal es Gemeinsamkeiten mit der Ausgangslage nach der Jahrtausendwende gibt.

So mancher Investor würde gerne die Zeit um rund fünf Jahre zurückdrehen. Seit dem Crash-Tief im März 2009 steht der US-Leitindex S&P 500 um rund 180 Prozent höher. Doch kaum ein Anleger dürfte die gesamte Aufwärtsbewegung bis heute mitgemacht haben. Im Gegenteil, viele Strategen warten immer noch auf einen Rücksetzer, um günstig auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Bereits ein flüchtiger Blick auf die Kursentwicklung der vergangenen Monate stützt diese These. Jeder Kursrücksetzer wurde zügig wieder aufgekauft, größere Korrekturen gibt es nicht. Den letzten bereinigenden Rücksetzer von mehr als zehn Prozent gab es an der Wall Street zuletzt im Frühjahr 2012.

In einem solchen Umfeld überrascht es wenig, dass Untergangszenarien Hochkonjunktur haben. Doch kaum ein Vergleich hält einer näheren Überprüfung stand. Vielfach werden die Kursverläufe so angepasst, dass eine vermeintliche Übereinstimmung mit Crash-Verläufen aus der Vergangenheit vorliegt. 

Es gibt aber auch Ausnahmen. Wer schon etwas länger an der Börse aktiv ist, erinnert sich noch gut an die Zeiten des Neuen Marktes. Eigentlich war es egal, welcher Technologiewert im Depot war, denn nahezu jede Aktie stieg zur Jahrestausendwende prozentual zweistellig innerhalb von wenigen Tagen. Warnungen vor einer Blase am Aktienmarkt wurden ignoriert. Als die Kurse dann tatsächlich fielen, nahmen viele Anleger die tieferen Notierungen eher als Nachkaufgelegenheit wahr. Ein fataler Irrtum.

Die Ausgangslage im Rückspiegel

Schauen wir dazu auf den Kursverlauf des S&P 500 seit 1997. Tom Fitzpatrick, Technischer Analyst bei der Citigroup, identifizierte einige interessante Parallelen zur jüngeren Vergangenheit.

Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.
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Im Jahr 1998 versetzen der Kollaps des Hedgefonds Long-Term-Capital-Management (LTCM) und die Russlandkrise den Märkten einen heftigen Dämpfer. Ausgehend vom Jahreshoch sackte der S&P im Spätsommer 1998 um rund 22 Prozent ab. Die amerikanische Notenbank musste eingreifen, beruhigte die Märkte und an Weihnachten war der Spuk auch schon wieder vorbei. Bis März 2000 kletterten die Kurse und markierten knapp 70 Prozent über dem Krisentief von 1998 ihr Bewegungshoch. Zum diesem Zeitpunkt notierte der US-Leitindex rund elf Prozent über seiner 55-Wochen-Linie. Dieser langfristige Gleitende Durchschnitt (rot eingezeichnet) wird eher selten verwendet, erwies sich aber in der Vergangenheit bei Korrekturen als recht guter Signalgeber.

Auch im Jahr 2011 müssen die Notenbanken mit der Euro-Krise eine besondere Herausforderung meistern. Die Angst vor einem Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung ist groß, der S&P verliert in der Spitze erneut um rund 22 Prozent. Notenbanken greifen ein und sorgen für eine Stabilisierung. Die Aktienmärkte jubeln dank der Aussicht auf langfristig billiges Zentralbank-Geld. Ausgehend vom 2011-Mini-Crash-Tief legt der US-Aktienmarkt bis heute um gut 70 Prozent zu. Unter dem Strich eine ähnliche Performance wie im Zeitraum von 1998 bis 2000. Weitere Parallelen lassen aufhorchen. Aktuell notiert der Leitindex um rund acht bis zehn Prozent über seinem 55-Wochen-Durchschnitt (rote Linie unter dem Chart). Eine ähnliche Differenz lag auch zur Jahrtausendwende vor. Gleiches gilt auch für den Abstand zum 200-Wochen-Durchschnitt mit aktuell rund 31 Prozent (blaue Linie unter dem Chart). Die Differenz zwischen 55- und 200-Wochen-Durchschnitt ist ebenfalls ähnlich hoch wie vor 14 Jahren. Zudem lassen sich die jeweiligen Hoch- und Tiefpunkte aus 1998 und 2011 mit zwei Trendlinien zusammenfassen. Auch wenn die Relevanz der Geraden stark angezweifelt werden muss, finden sich auch hier Parallelen. Denn das Top im Jahr 2000 lag rund 28 Prozent über der Verbindungslinie (lila Balken). Sie können es sich wohl schon denken. Mit einer aktuellen Differenz von 33 Prozent findet sich eine weitere Übereinstimmung.

Was nach 2000 passierte, wissen wir alle und zeigt uns der Chart. Die nachfolgenden drei Jahre waren eine harte Zeit für die Bullen, Ende 2002 wollte eigentlich niemand mehr Aktien haben. Der perfekte Nährboden für die anschließende Rally, bis eine weitere Blase platzte. Und so wiederholte sich einige Jahre später erneut das Spiel.

Panik ist nicht angebracht

Die Übereinstimmungen sind sicherlich interessant, allerdings sollten die Parallelen auch nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Wer in den Kursmustern etwas finden möchte, der muss nur lange genug suchen. Die Signale sind eher weiteres Mosaiksteinchen, das in der aktuellen Börsenphase beachtet werden sollte. Mit der jüngsten Relativen Schwäche der US-Technologieaktien, der schwachen Januar-Performance im Dow Jones und der negativen Bilanz der Wall Street im Zwischenwahljahr des US-Präsidentschaftszyklus mehren sich inzwischen aber die Warnsignale. Hingegen spricht die Aussicht auf weiterhin niedrige Zinsen gegen einen ähnlichen Crash wie vor 14 Jahren.

Ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen Bullen und Bären kann auch für den DAX diagnostiziert werden. Gegenüber der Ausgangslage vor zwei Wochen hat sich die Trendstärke der einzelnen Indexmitglieder deutlich verbessert. Die Kursgewinne ab der zweiten März-Hälfte wirken sich zunehmend auf die mittelfristige Tendenz aus. Bei 13 Aktien weist die 21-Tage-Linie bereits wieder einen klaren Trend Richtung Norden auf. Lediglich die Papiere der Deutschen Bank und von K+S sind noch in einem Abwärtstrend gefangen, der Balken in der Index-Radar-Matrix entsprechend rot eingefärbt. Mit einer hohen Relativen Stärke punkten die Automobilwerte. Besonders Volkswagen sticht positiv hervor. Der mittelfristige Trend ist aufwärts gerichtet, zudem besticht die Aktie mit einer im Vergleich zur Vorwoche steigenden Relativen Stärke. Auch Daimler legt noch an Dynamik zu, während BMW der jüngsten Rally Tribut zollt. Am anderen Ende der Rangfolge liegen Deutsche Börse, Bayer und Merck, aus denen überdurchschnittlich viel Kapital abgezogen wird.  

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Quelle: n-tv.de

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