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(Foto: REUTERS)

Schwankungen aushalten: Warum Kostolany recht hat

Ein Gastbeitrag von Marco Jansen

China, Ölpreis, Zinsen - seit fast einem Jahr fahren Dax & Co. Achterbahn. Der richtige Ein- und Ausstieg ist kaum zu schaffen. Anleger sollten daher die Ratschläge von Börsenlegende André Kostolany beherzen.

An den Aktienmärkten haben die Schwankungen wieder spürbar zugenommen. Der VDax-New notiert bei fast 30 Zählern. Auf einem so hohen Niveau bewegte sich das sogenannte Angstbarometer in den vergangenen dreieinhalb Jahren nur im Herbst 2015, als der Dax sein Jahrestief markierte. Der VDax-New spiegelt die an den Terminmärkten erwarteten Volatilitäten der kommenden 30 Tage wider.

Das schwindelerregende Auf und Ab dürfte an den Finanzmärkten vorerst weitergehen. Denn es gibt gute Gründe sowohl für steigende als auch für fallende Kurse. Zum Teil lassen sich sogar dieselben Fakten ganz unterschiedlich auslegen.

Die vielleicht größte Gefahr für die Aktienmärkte geht von China aus. Die Volkrepublik ist gewissermaßen eine Black Box. Es ist nur schwer zu beurteilen, ob die Mischung aus Staats- und Marktwirtschaft nur langsamer wächst als früher, oder ob sie die befürchtete Bruchlandung (hard landing) hinlegt. Die Chinesen selbst sind jedenfalls skeptisch und haben alleine im vergangenen Jahr rund 650 Milliarden Dollar außer Landes gebracht.

Marco Jansen hat mehr als 14 Jahre im Anlagemanagement und Private Banking bei der Deutschen Bank gearbeitet und verfügt über Kenntnisse bei sämtlichen Anlageformen und Produktkategorien im Wertpapierbereich. Bei Oberbanscheidt & Cie. managt der Vermögensverwalter seit 2014 eigenverantwortlich verschiedene Kunden-Portfolios.
Marco Jansen hat mehr als 14 Jahre im Anlagemanagement und Private Banking bei der Deutschen Bank gearbeitet und verfügt über Kenntnisse bei sämtlichen Anlageformen und Produktkategorien im Wertpapierbereich. Bei Oberbanscheidt & Cie. managt der Vermögensverwalter seit 2014 eigenverantwortlich verschiedene Kunden-Portfolios.

Der zweite große Risikofaktor ist der kollabierte Ölpreis. Vor allem der hoch verschuldeten amerikanischen Frackingindustrie droht ein Massensterben. Bei Preisen von rund 30 Dollar je Fass schreibt sie tiefrote Zahlen. Die entsprechenden Anleihen stehen im Feuer – mehr als 40 Emittenten konnten schon nicht mehr zahlen.

Gleichzeitig droht Europa nicht nur wegen der Flüchtlingskrise auseinanderzubrechen. Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie weiter in der EU bleiben wollen oder den Brexit bevorzugen. Das dürfte zu diesem Thema zwar die erste, wohl kaum aber letzte Volksbefragung sein.

Zudem sorgt die Geldpolitik der Notenbanken für Unsicherheiten. Sollte die Fed die Leitzinsen in den USA - wie ursprünglich geplant - in diesem Jahr vier Mal erhöhen, würden die Aktienmärkte unter Druck geraten. Kommt es jedoch nur zu zwei Zinsschritten, wonach es derzeit  aussieht, könnte dies als Zeichen für die Schwäche der US-Wirtschaft gedeutet werden.

Aktiencrash unwahrscheinlich

Mindestens genauso gute Argumente gibt es aber auch dafür, dass sich die Aktienmärkte nicht in einem Salamicrash, sondern nur in einer zwischenzeitlichen Korrektur befinden. Als Faustregel gilt nämlich, dass für einen "echten" Börsencrash einer der folgenden drei Punkte erfüllt sein müsste:

1. Ein externes Schreckens-Ereignis wie der 11. September oder die Lehman-Pleite,

2. Aktien sind (zu) teuer bewertet oder

3. andere Assetklassen – vor allem Anleihen - rentieren deutlich höher.

Alle drei Punkte treffen zurzeit jedoch nicht zu. Es gibt bislang kein großes Negativ-Event, das die Börsen beben lässt. Mit einem Dax-KGV von 11 und einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent sind Aktien zudem nicht ungewöhnlich hoch bewertet. Das gilt dagegen für die wichtigste mit Aktien konkurrierende Vermögenklasse, also für festverzinsliche Wertpapiere. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit werfen nur noch weniger als 0,14 Prozent Zinsen ab. Das entsprechende Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt damit bei mehr als 700. Kürzere Laufzeiten rentieren sogar negativ – mit ihnen vernichten Anleger selbst nominal ihr Vermögen.

Unter dem Strich haben wir es derzeit mit einem extrem stimmungsgetriebenen Aktienmarkt zu tun. Die Kurse könnten sich daher vorerst weiter unter hohen Schwankungen seitwärts bewegen. Für den Anleger bedeutet das: Er sollte für sich entsprechend seiner Risikoneigung seine Aktienquote definieren. Liegt er darüber, bietet sich ein Absenken an. Liegt er darunter, sollte er schwache Tage zum Aufstocken nutzen. In beiden Fällen empfiehlt es sich schrittweise vorzugehen, um die Problematik des richtigen Timings zu glätten. Passt die Aktienquote, sollten die Papiere – wie vom legendären Investor André Kostolany empfohlen – einfach einmal liegen gelassen werden.

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.oberbanscheidt-cie.de

Quelle: n-tv.de

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