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Die Zahlen aus den USA sind deutlich schlechter als erwartet.
Die Zahlen aus den USA sind deutlich schlechter als erwartet.(Foto: picture alliance / dpa)

Wird die Zinswende abgesagt?: USA zittern vor Rezession

Von Egmond Haidt und Daniel Saurenz

Die US-Wirtschaft dümpelt vor sich hin. Das Handelsbilanzdefizit explodiert. Volkswirte reduzieren ihre Wachstumsprognosen. Droht eine Rezession? Ist statt der erwarteten Zinswende ein neues QE-Programm fällig?

Nach den jüngsten Daten zur US-Handelsbilanz kommt der Aktienmarkt in den USA und in Europa deutlich unter Druck: Das Handelsbilanzdefizit für März war mit 51,4 Milliarden Dollar das größte seit dem Oktober 2008. Es war damit viel schlechter als das Minus von 41,2 Milliarden Dollar, das Volkswirte vorhergesagt hatten. Grund für das hohe Defizit ist ein starker Anstieg von Importen von Konsum- und Investitionsgütern sowie Autos und Autoteilen.

Nach der Vorlage der Zahlen reduzieren Volkswirte reihenweise ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum für das erste Quartal. Denn ein größer als erwartetes Handelsdefizit verringert das Wirtschaftswachstum. Laut der ersten Schätzung lag es annualisiert bei lediglich 0,2 Prozent. "Die Daten für das Wirtschaftswachstum dürften um 70 Basispunkte auf (annualisiert) minus 0,5 Prozent nach unten revidiert werden", schreibt Joseph LaVorgna, US-Chefvolkswirt der Deutschen Bank nach der Vorlage der Handelsbilanzdaten. Damit wäre die Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft.

USA sind nicht wettbewerbsfähig

In den Märzdaten sind zwar Sonderfaktoren enthalten. So hatte der Streik der Hafenarbeiter an der Westküste dazu geführt, dass die USA im Februar deutlich weniger importiert haben. Mit dem Ende des Streiks sind die Importe im März aber nach oben geschossen, wodurch das Defizit mit China von 23,7 auf 37,8 Milliarden Dollar geklettert ist.

Insgesamt zeigen die Zahlen aber, wie sehr die US-Wirtschaft schwächelt. Das um die Ölimporte bereinigte US-Handelsdefizit kletterte auf 43,7 Milliarden Dollar. Das ist Negativrekord und zeigt, wie sehr der starke Dollar die ohnehin geringe Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft belastet.

Trotz der anhaltend schwachen Konjunkturdaten gehen viele Volkswirte davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal kräftig beschleunigen wird; auf annualisiert rund drei Prozent. Die Notenbank von Atlanta, die mit ihrer Prognose eines Wachstums von 0,1 Prozent für das erste Quartal goldrichtig lag, geht für das zweite Quartal von lediglich 0,8 Prozent aus. Sollte das Wetter in den USA auch nur ein bisschen schlechter ausfallen als erwartet, könnte die Wirtschaft auch im zweiten Quartal schrumpfen, womit sie mitten in einer Rezession wäre.

Die US-Wirtschaft ist am Scheideweg. Viele Wirtschaftsdaten liegen bereits unter dem Vorjahresniveau. Eine Zinserhöhung in den USA wird angesichts dieser Entwicklung immer unwahrscheinlicher, vielmehr dürfte bei anhaltend schwachen Zahlen eine Neuauflage des Anleihenkaufprogramms QE auf der Tagesordnung stehen.

Quelle: n-tv.de

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