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Donnerstag, 19. Mai 2016

Unschöne Aussichten: "Todeskreuz" erschreckt Börsianer

Von Benjamin Feingold

Auf Basis fundamentaler Kennzahlen sind die US-Aktienmärkte bereits sportlich bewertet. Grünes Licht kam bisher nur noch aus dem Lager der Charttechniker. Doch auch hier wird nun SOS gefunkt.

Der Jahresauftakt an den internationalen Aktienmärkten verlief bisher recht enttäuschend, viele Indizes liegen klar im Minus. Nur die amerikanischen Börsen stehen nahezu unverändert und tendieren in Sichtweite ihrer im Vorjahr erreichten Rekordstände. Ein Ausbruch über die Marken ist noch jederzeit möglich. Doch die Luft wird langsam sehr dünn.

Aus fundamentaler Sicht stimmt vor allem die Bewertung nachdenklich. Die jüngste Berichtssaison verlief durchwachsen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate von 16,6 ist der S&P 500 deutlich teurer als im langfristigen Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mit 14. Dazu gesellt sich nun ein Warnsignal aus der Charttechnik - das so genannte "Todeskreuz".

Der US-Leitindex zeigt derzeit ein ähnliches Muster wie im Juni 2008 und März 2001. Erfahrene Anleger wissen: Wenige Monate später kam es zum Crash an den Börsen. Erstmals seit acht Jahren fiel der 50-Wochen-Durchschnitt wieder unter den 100-Wochen-Durchschnitt. Einige Analysten sprechen bereits von einem "Todeskreuz". Allerdings ist dies eher eine exotische Auslegung. Denn beim typischen "Todeskreuz" achten Charttechniker auf den Schnittpunkt der 50- und 200-Tage-Linie.

(Foto: Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.)

 

Dennoch beunruhigt der Blick in den Rückspiegel, wie auch der Wochenchart des S&P 500 zeigt. 2008 sackte der Markt nach dem Signal in der Spitze um etwa 45 Prozent ab, 2001 büßte der Index um weitere 30 Prozent ein. Wer genau hinschaut, sieht aber auch einen Unterschied: "2001 und 2008 notierte der Markt zum Zeitpunkt des Signals bereits um rund zehn Prozent unter seinem Hoch, aktuell sind es weniger als fünf Prozent", sagt Charttechniker Franz-Georg Wenner von "Index Radar". Dennoch sollten Anleger gewarnt sein. "Seit einem Jahr schaffte der S&P 500 kein neues Hoch mehr, die Aufwärtsdynamik hat deutlich nachgelassen. Ohne neue Liquiditätsspritzen durch die Fed fehlt dem Markt die Fantasie."

Sorgen bereite aber nicht nur der US-Leitindex, auch Anhänger der Dow Theorie melden sich zu Wort. Denn der Dow Jones Transportindex hat ein kleines Doppeltop ausgebildet, was in der Regel auch negativ für die großen Indizes Dow Jones und S&P 500 zu bewerten ist. Jörg Scherer, Leiter der Technischen Analyse bei HSBC, ist daher skeptisch: "Aus der aktuellen Doppeltop-Formation leitet sich ein rechnerisches Abschlagspotenzial von rund 500 Punkten im Transportindex ab. In diesem Umfeld besteht zunächst kein Raum für neue Rekordstände im Dow Jones oder S&P 500", sagt Scherer. Er empfiehlt daher die Marken von 17.512 Punkten im Dow und 2039 Punkte im S&P 500 im Auge zu behalten. Sollten sie unterschritten werden, wäre in den beiden Indizes ebenfalls ein Umkehrmuster abgeschlossen. Und das bedeutet - bei einer negativen Weichenstellung - ein Kursziel von 16.650 Punkten im Dow Jones und 1970 Punkte im S&P 500.

Quelle: n-tv.de

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