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Blick auf die Skyline von Doha, Katar: Interessante Chancen bieten zum Beispiel die rohstoffreichen Golfstaaten.
Blick auf die Skyline von Doha, Katar: Interessante Chancen bieten zum Beispiel die rohstoffreichen Golfstaaten.(Foto: picture alliance / dpa)

Preiswerte Schwellenländer: Mutige Anleger steigen wieder ein

Ein Gastkommentar von Peter Brandstaeter

Lange waren Aktien aus den Schwellenländern nicht mehr so preiswert wie zurzeit. Risikobereite Investoren nutzen die Chance zum Einstieg. Es wäre aber zu einfach, alle Emerging Markets über einen Kamm zu scheren.

Peter Brandstaeter ist geschäftsführender Gesellschafter des Fonds Ladens und ein vehementer Befürworter von Investmentfonds als ideale Anlage für private und institutionelle Investoren.
www.fonds-laden.de
Peter Brandstaeter ist geschäftsführender Gesellschafter des Fonds Ladens und ein vehementer Befürworter von Investmentfonds als ideale Anlage für private und institutionelle Investoren. www.fonds-laden.de

Katzenjammer bei den Emerging Markets. Nach Jahren des Booms entwickelten sich die Aktienmärkte der Schwellenländer zuletzt ausgesprochen enttäuschend. Während Aktien weltweit gemessen am MSCI World Index im vergangenen Jahr um fast ein Viertel zulegten, verloren sie in den Emerging Marktes rund fünf Prozent. Dies bedeutete die größte Differenz in den zurückliegenden 15 Jahren.

Für diese dramatische Underperformance war vor allem der Kursschwenk der amerikanischen Notenbank Fed verantwortlich. Diese kündigte 2013 eine Drosselung ihrer ultralockeren Geldpolitik an. Seit Anfang dieses Jahres werden die Anleihekäufe schrittweise jeden Monat um zehn Milliarden Dollar zurückgefahren und Ende 2014 voraussichtlich ganz eingestellt.

Dies ließ die Zinsen vor allem in den USA steigen, was umfangreiche Umschichtungen zur Folge hatte. Anleger zogen ihre Finanzmittel aus den Schwellenländern ab und investierten sie in den sogenannten entwickelten Staaten Nordamerikas und Europas. Dazu kamen hausgemachte Probleme der Emerging Markets. Das Wachstum zahlreicher Schwellenländer war in den vergangenen Jahren nicht selbsttragend, sondern beruhte maßgeblich auf Kredit.

Mit dem Abzug der Finanzmittel kam die Expansion der verschiedenen Realwirtschaften zum Erliegen. Denn viele Staaten der Zweiten und Dritten Welt kämpfen mit erheblichen Defiziten in der Leistungsbilanz. Vereinfacht gesagt importieren sie mehr Waren und Dienstleistungen als sie ausführen. Dringend notwendige wirtschaftliche und politische Reformen wurden zudem häufig verschleppt. Als prekär gilt die Lage vor allem bei den "Fragilen Fünf", also Brasilien, Türkei, Südafrika, Indien und Indonesien.

Selektiv positive Aussichten

Es wäre aber zu einfach, alle Emerging Markets über einen Kamm zu scheren. Immerhin gibt es rund 60 Länder, die unter diesen Begriff fallen. Eine positive Entwicklung sollten vor allem die Staaten vollziehen, die ihre Leistungsbilanz im Griff haben, die die Inflation beherrschen und deren Wirtschaftswachstum stimmt. Beispielsweise wird für Länder wie Nigeria, die Philippinen, Peru oder Vietnam auch in diesem Jahr ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von mehr als fünf Prozent erwartet. Deutlich schlechter fallen die Prognosen dagegen für Staaten wie Ägypten, Argentinien, Russland oder Venezuela aus.

Um diesen Unterschieden gerecht zu werden, sind vor allem aktiv gemanagte Anlagekonzepte empfehlenswert. Einigen Schwellenländerfonds gelang es sogar, die temporären Krisen der vergangenen Jahre unbeschadet zu überstehen und kontinuierlich zuzulegen.

Interessante Chancen

Unter den Aktienfonds gefällt uns seit Jahren unter anderem der SISF Frontier Markets Equity (WKN A1C9QA) gut. Wie der Name zum Ausdruck bringt, setzt der Fonds von Schroders auf die sogenannten Frontier-Staaten, also die Länder, die in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung noch hinter den "reiferen" Emerging Markets wie Südkorea, China, Polen etc. hinterherhinken.

Interessante Chancen bieten zum Beispiel die rohstoffreichen Golfstaaten Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien sowie Nigeria, die im SISF Frontier Markets Equity als Anlageregionen am höchsten gewichtet sind. Der Fonds stieg im vergangenen Jahr trotz der Schwellenländerkrise um rund 40 Prozent und setzte seinen Wertzuwachs 2014 ungebremst fort.

Auf unserer Empfehlungsliste steht außerdem der Emerging Conservative Equity (WKN A1JJPP) vom Fondshaus Robeco. Dieser wertorientierte Aktienfonds investiert schwerpunktmäßig in Aktien mit geringerer Volatilität und möglichst konstanten Erträgen. In diesem ebenfalls reinen Aktienfonds sind insbesondere die asiatischen Länder Taiwan, China und Malaysia, aber auch Südafrika höher gewichtet. Nach einer schwächeren Entwicklung im vergangenen Jahr legte der Fonds seit Mitte März 2014 wieder signifikant zu.

Eine interessante Alternative stellt der FAST Emerging Markets Fund von Fidelity (WKN A1JL2E, ab 50.000 Euro) dar, der auch auf sinkende Aktienkurse setzen kann. Mit dieser alternativen Managementstrategie gelang dem Fondsmanagement 2013 ein spürbarer Wertzuwachs. Im laufenden Jahr entwickelte sich der FAST Emerging Markets bislang unter dem Strich in etwa seitwärts.

Zwar ist die Wachstumsstory der Schwellenländer 2013 schwer unter die Räder gekommen. Ausgewählte Anlagekonzepte haben dennoch bewiesen, dass sich in den Emerging Markets auch in einem schwierigen Umfeld gutes Geld verdienen lässt. Als Beimischung sollten Aktien aus den Schwellenländern daher in keinem gut diversifizierten Portfolio fehlen.

 

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Quelle: n-tv.de

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