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(Foto: REUTERS)

Aktienmärkte stürzen ab: Muss die US-Notenbank zurückrudern?

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Die Wild-West-Geldpolitik der US-Notenbank Fed mit ihrer Zinserhöhung im Dezember hat die Aktienmärkte in Bedrängnis gebracht. Nun ist ihre Eigenschaft als Kavallerie gefordert.

Dax und S&P 500 nehmen zügig die 52-Wochen-Tiefs ins Visier: Für Druck auf den Aktienmarkt diesseits und jenseits des Atlantiks sorgt vor allem der wieder gefallene Ölpreises. Der Rückgang freut zwar Verbraucher an der Tankstelle, aber für die US-Wirtschaft ist der tiefe Ölpreis kein Segen.

Weil die US-Ölindustrie ihre Investitionen drastisch kürzt, werden auch daran hängende Branchen, wie der Auto- und der Hausbausektor, mit nach unten gezogen. Insofern schwächt sich die US-Konjunktur mit dem fallenden Ölpreis immer weiter ab.

Das sind auch schlechte Nachrichten für exportabhängige Volkswirtschaften wie beispielsweise Deutschland. Denn der Verfall des Ölpreises spiegelt nicht nur die Abschwächung der US-Wirtschaft wider, sondern der ganzen Weltwirtschaft. So notieren sowohl der Einkaufsmanagerindex für die chinesische als auch der für die US-Industrie weiterhin unter der Marke von 50 Punkten und deuten damit eine Schrumpfung des Sektors an. Entsprechend trüben sich Nachfrage und damit auch die Perspektiven vieler Dax-Unternehmen ein.

"Die sich wieder beschleunigenden Abgaben im Ölpreis zusammen mit einigen enttäuschenden Quartalsbilanzen zwangen den Deutschen Aktienindex erneut in die Knie. Der größte Jahresverlust bei BP seit 20 Jahren und die Herabstufung des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton lassen die Konjunktursorgen in den Fokus rücken", sagt Andreas Paciorek, Marktstratege vom Broker CMC Markets. Die schwache Weltkonjunktur macht sich inzwischen in vielen Sektoren bemerkbar – mit Folgen.

Angesichts der schwachen Konjunkturdaten aus China befürchten Investoren, dass das Reich der Mitte den Renminbi deutlich abwerten wird, um die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft zu verbessern. Das wären aber weitere schlechte Nachrichten für die Weltwirtschaft insgesamt, denn bei einer weiteren Abwertung des Renminbi werden chinesische Produkte im Ausland billiger, während ausländische Produkte in China teurer werden.

US-Anleihenmarkt sendet Warnsignale

Die sich eintrübenden Perspektiven für die amerikanische und globale Wirtschaft zeigt der US-Anleihenmarkt unmissverständlich an. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind auf unter 1,9 Prozent nach unten gerauscht und nehmen damit das Rekordtief vom Mitte 2012 bei knapp unter 1,5 Prozent ins Visier.

Zudem hat der Markt für Fed Funds Futures, der die Erwartungen von Leitzinserhöhungen in den USA signalisiert, inzwischen sämtliche Zinserhöhungen für dieses Jahr ausgepreist, sprich es werden keinerlei Zinserhöhungen mehr für dieses Jahr erwartet.

Nun liegt es an der Fed, schnell umzuschwenken. Eine Möglichkeit wäre ein neues QE-Gelddruckprogramm zu starten, wie in den vorangegangenen Jahren. Sollte die Fed diesen Schritt wiederholen, dürfte das den Dollar deutlich schwächen, was wiederum den Ölpreis spürbar stützen sollte.

Das könnten Investoren als eine Verbesserung der Perspektiven für die Weltwirtschaft interpretieren, weshalb Anleger wieder in den Aktienmarkt zurückkehren dürften. Zumal eine neue Dollar-Schwemme für zusätzlichen Aufwärtsdruck bei Aktien sorgen sollte. Je länger die Fed aber wartet, ehe sie einschreitet, umso mehr wird sich der Crash ausweiten.

Quelle: n-tv.de

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